Sternenhimmel im Februar

Das ganze Gewicht der Himmelskugel

Von Harald Marx

01. Februar 2006 Im zweiten Monat des Jahres steigt die Mittagshöhe der Sonne wieder deutlich an, um insgesamt neun Grad. Am letzten Februartag erreicht unser Tagesgestirn zur Mittagszeit schon die beachtliche Höhe von 32 Grad über dem Südhorizont. Entsprechend dehnt sich die Länge des lichten Tages um eine Stunde und 35 Minuten im Monatsverlauf aus. Zu unseren Beobachtungszeiten im Februar gruppieren sich die hellen Wintersternbilder um die Südlinie. Dabei haben Orion und Fuhrmann den Südmeridian eben passiert, während sich der Stier mit seinem rötlichen Hauptstern Aldebaran schon weit nach Westen vorgeschoben hat.

Der Name Aldebaran ist aus dem arabischen Wort „ad dabaran“, was soviel wie „der Nachfolgende“ bedeutet, abgeleitet. Gemeint ist damit, daß Aldebaran dem auffälligen Sternhaufen der Plejaden, einer für die frühen Kulturen wichtigen Orientierungs- und Zeitmarke am Himmel, nachfolgt. Die Plejaden oder das Siebengestirn sind bei den meisten Völkern bekannt und so volkstümlich, daß sie Gegenstand zahlreicher Märchen und Sagen sind. Die alten Griechen sahen in den Plejaden die sieben Töchter des Riesen Atlas, welcher das Himmelsgewölbe trägt, und der Meeresnymphe Pleione. Zeus soll die Atlastöchter an den Himmel versetzt haben, um sie vor Nachstellungen des Orion zu retten.

Riesensterne mit enormer Leuchtkraft

Bei der Betrachtung dieses hübschen Sternhaufens wird man im allgemeinen nur sechs Sterne erkennen. Die Griechen erklären dies auf folgende Weise: Elektra, eines der sieben Mädchen, sei über das schwere Schicksal ihres Vaters, auf dessen Schultern ja das ganze Gewicht der Himmelskugel lastet, so betrübt gewesen, daß sie ihre strahlenden Augen mit den Händen bedeckte, so daß sie für uns Erdenbewohner unsichtbar wurde. Bei besten Sichtbedingungen und guten Augen kann es gelingen, bis zu neun Plejadensterne zu erspähen. Und mit Hilfe eines Fernglases ist es sogar möglich, mehr als zwei Dutzend Mitgliedssterne zu erkennen. Die tatsächliche Zahl der Haufensterne beträgt allerdings mindestens 300.

Schon im 18. Jahrhundert versuchte der Astronom Michell, die Entfernung der Plejaden zu bestimmen. Unter der Voraussetzung, daß die gemeinsame Bewegung der Plejadensterne der unserer Sonne gleicht, ermittelte er die Entfernung des Sternhaufens der Plejaden zu 320 Lichtjahren. Dieser Wert stimmt mit der modernen Entfernungsbestimmung von 400 Lichtjahren recht gut überein. Die dem bloßen Auge zugänglichen Plejadensterne sind heiße Riesensterne von der fünfhundert- bis fünfzehnhundertfachen Leuchtkraft unserer Sonne, welche allesamt hohe Rotationsgeschwindigkeiten von 150 bis 300 Kilometer pro Sekunde aufweisen. Demgegenüber rotiert unsere Sonne mit einer Geschwindigkeit von zwei Kilometern pro Sekunde direkt gemächlich. Die Rotation dieser Sterne ist ausreichend, um Gas von der Sternoberfläche auszuschleudern. Und tatsächlich wurden um die meisten der hellen Plejadensterne ausgedehnte Gashüllen gefunden. Um die Monatsmitte stattet der Planet Mars diesem reizvollen Sternhaufen einen Besuch ab. Am Abend des 16. Februar finden wir den roten Planeten in weniger als drei Grad Abstand südlich der Plejaden.

In der Nähe eines hellen Sternhaufens

Die restlichen hellen Wintersternbilder, Zwillinge sowie Großer und Kleiner Hund, halten sich noch östlich der Südlinie auf. Meist werden die beiden Hunde als Jagdbegleiter des Orion angesehen und die unter dem Orion befindlichen Bilder Hase und Taube als das Jagdwild des großen Himmelsjägers. Es gibt aber auch eine andere Deutung. Darin stellt der Große Hund den Höllenhund Kerberos dar. Kerberos wird als dreiköpfiges Ungeheuer beschrieben mit einem stachligen Schwanz, den er wie eine Peitsche bewegen konnte. Er war der Wächter der Unterwelt, und seine Aufgabe bestand darin, jeden, der aus dem Schattenreich zu entkommen suchte, zu verschlingen. Der Kleine Hund wird in diesem Mythos als der zweiköpfige Bruder Orthros des Höllenhundes Kerberos angesehen.

Im Osten hat sich jetzt das erste Frühlingssternbild, der Löwe, schon von der Horizontlinie abgesetzt. Die Verbindung zwischen ihm und den Zwillingen, also zwischen den Frühlings- und den Wintersternbildern, wird durch das kleine und unscheinbare Tierkreisbild Krebs hergestellt. In ihm hält sich gegenwärtig der Planet Saturn auf. Wie der Mars steht auch der Saturn im Augenblick in der Nähe eines hellen Sternhaufens, der Praesepe (M44).

Verschwundene Fische

Unterhalb von Krebs und Löwe ist der westliche Teil der Wasserschlange oder Hydra bereits aufgegangen. Außer dem hellen Hauptstern Alphard besteht diese Konstellation aber nur aus recht lichtschwachen Sternen. Im Nordosten hat sich der Große Wagen auf seiner Reise Richtung Zenit wieder ein Stück nach oben geschoben, wobei der Wagenkasten bereits die Höhe des Polarsterns erreicht hat.

Am Westhimmel ist das Tierkreisbild Fische nahezu verschwunden, während der nachfolgende Widder noch gut zu erkennen ist. Auch das große Herbstviereck des Pegasus steht noch komplett über dem Horizont, obwohl sein südwestlicher Eckstern schon beinahe Horizontberührung hat. Der sonnennahe Merkur gibt von der Monatsmitte an ein kurzes Gastspiel am Abendhimmel. Knapp zwei Wochen lang kann er dann tief im Südwesten in der Abenddämmerung erspäht werden.

Interessanter Mars

Mars und Saturn sind aber, zumindest in der ersten Nachthälfte, die weitaus interessanteren Planeten. Mars verliert allerdings im Verlauf des Monats etwas an Helligkeit. Auch seine Untergänge verschiebt der rote Planet um 30 Minuten Richtung Mitternacht und geht am Monatsletzten bereits gegen zwei Uhr unter. Am 5. Februar hält sich der zunehmende Halbmond in den Abendstunden in Marsnähe auf.

Der Ringplanet Saturn ist nahezu die gesamte Nacht über beobachtbar. Am 11. des Monats erhält der beringte Wandelstern Besuch vom Mond. Venus und Jupiter, die beiden hellsten Planeten, sind Objekte der zweiten Nachthälfte. Die Venus kann mehr als eine Stunde lang in der Morgendämmerung, tief am Südosthorizont, aufgespürt werden.

Jupiter verlagert seine Aufgänge im Februarverlauf um eineinhalb Stunden Richtung Mitternacht und geht am letzten Februartag bereits um 0.20 Uhr auf. In den Morgenstunden des 20. Februar gesellt sich der abnehmende Mond zu dem Riesenplaneten. Uranus und Neptun bleiben im Februar sonnennah und somit unbeobachtbar.

Sonne: 1. Februar, Sonnenaufgang 8Uhr; Sonnenuntergang 17.19 Uhr; 28.Februar, Sonnenaufgang 7.11Uhr; Sonnenuntergang 18.05Uhr.

Mond: 5.Februar, 7.29Uhr: erstes Viertel; 13.Februar, 5.44Uhr: Vollmond; 21.Februar, 8.17Uhr: letztes Viertel; 28.Februar, 1.31Uhr: Neumond.



Text: F.A.Z., 01.02.2006, Nr. 27 / Seite 8
Bildmaterial: dpa/FAZ.NET

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