Ein Deutscher in Rangun

Es fehlt am Nötigsten

06. Mai 2008 Carsten Schmidt ist einer der wenigen Deutschen in Rangun. In einem Gespräch mit der Deutschen Presseagentur schildert der Manager eines deutschen Reisebüros die Aufräumarbeiten nach der Verwüstung druch den Zyklon „Nargis“. „Ich habe in den letzten drei Tagen vielleicht drei Sägen und zwei Bulldozer gesehen“. Die Menschen seien hauptsächlich mit Äxten und Macheten auf den Straßen.

Man sei derzeit damit beschäftigt, den gröbsten Schutt sowie die Bäume beiseite zu räumen. Vor allem Zivilisten und Mönche, und seit Montag auch Soldaten. Viele Menschen hätten sich aufgeregt, dass vom ansonsten allgegenwärtigen Militär am Anfang nichts zu sehen gewesen sei.

Stromausfall und Wassermangel sind die größten Probleme

„Auch jetzt sind wesentlich weniger Soldaten auf den Straßen als im vergangenen September“, sagte Schmidt. Damals hatte das Militär nach tagelangen friedlichen Protesten gegen das Regime das Feuer auf Demonstranten geöffnet und Dutzende umgebracht.

Nach Einschätzung von Schmidt sind 70 bis 80 Prozent der Bäume in der Hafenmetropole umgerissen. Strommasten lägen umgeknickt in den Straßen und Werbeplakate seien aus ihren Verankerungen gerissen worden. In vielen Wohnhäusern seien die Scheiben zerborsten.

Zahlreiche Wellblechhütten in den Außenbezirken seien dem Erdboden gleichgemacht, berichteten ihm einheimische Mitarbeiter. „Die Hütten und Dächer sind davongeflogen“, sagte Schmidt. „Eine Frau verlor ihren Bruder, der von einem Baum erschlagen wurde.“ „Das größte Problem ist, dass es kein Strom und Wasser gibt“, sagte Schmidt.

„Alle Mahlzeiten 30 Prozent teurer“

Weil sein Büro über Diesel, einen Generator und eine Wasserpumpe verfügt, hätten die Menschen schon mit Eimern Schlange gestanden. „Aber wenn der Diesel ausgeht, nützt auch die Pumpe nichts mehr“, sagte er. Auch das Savoy-Hotel unter deutscher Leitung laufe „auf Sparflamme“.

„Die Generatoren sind sieben Stunden an, dann wird es dunkel“, sagte er. Das Hotel sei voll. Am Montag kam eine Touristengruppe aus dem Norden des Landes an, der von dem Zyklon verschont geblieben war.

Die Dieselpreise seien bereits angestiegen. In den Restaurants, die noch geöffnet haben, hingen Schilder: „alle Mahlzeiten 30 Prozent teurer“. Die Lebensmittelpreise seien um das dreifache gestiegen. „Wer Geld hat und sich etwas kaufen kann, kommt durch. Aber die meisten Leute hier sind ja bitterarm“, sagte Schmidt.



Text: dpa
Bildmaterial: dpa, picture-alliance/ dpa

 

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