
Ich möchte die Aufmekrsamkeit der Fernseh-Intellektuellen auf einen wahren Skandal richten:
In einer Zeit, da niemand sich Zeit für Kinder nimmt, steht Herr Gottschalk vor der Kamera und macht den Eltern vor, daß ein Fruchtgummi ausreicht, die Kinder glücklich zu machen.
Ist das nicht viel schlimmer als eine Überspitzung der banalsten Kaufmannsaussage der Welt: bei mir bekommen sie es günstiger?
TF

Gratuliere, Frau Heidenreich. Ein wirklich lesenswerter Beitrag, dessen Tiefgang leider nicht alle erkennen. Geiz blendet eben. Denkt daran: nur kleine Löhne machen wirklich kleine Preise.
Klaus Ortmann

Es gibt ein altes lateinisches Sprichwort: Nomen est omen. Frei übersetzt: Name ist Programm. Ich glaube, mehr brauche ich zu Frau Heidenreichs Beitrag nicht sagen. Schade, dass dies in der FAZ veröffentlicht wurde. Aber interessant zu sehen, wie sehr eine Reklame polarisiert, womit wir wieder feststellen müssen: Saturn hat Recht!

Liebe Frau Heidenreich,
Bernd Stelter hat sich seine Karriere verdient, indem er als "Der Werbefachmann" die blödesten Werbebotschaften des Jahres zusammengetragen und daraus die jeweils lustigste Büttenrede der Session gezimmert (die er im Kölner Karneval wie auch in der Düsseldorfer Parallelveranstaltung bringen konnte, ohne je seinen Ruf zu gefährden).
Das ist das richtige Niveau für die Kritik an Werbeslogans. Ihre Kritik mag zwar intellektuell weit drüber schweben, wird dem Thema aber genau deshalb nicht mal im Ansatz gerecht. Sie ist weder witzig, noch berücksichtigt sie die inhärente Plattheit des Sujets.
Dass Sie es darüber hinaus nicht lassen können, sich gnadenlos selbst zu beweihräuchern und in allgemeinpolitische Parolen zu verfallen, disqualifiziert Sie dann zusätzlich noch von dem Niveau, die Ihr hochtrabender Stil beansprucht.
Ein rundum unwürdiger Artikel.

Mir erschien der Slogan ebensowenig sympathisch,
aber man sollte das nicht so verkniffen sehen, die Kirche im Dorf lassen.
Die Autorin will sich mit dem selbstzugesprochenen Mäntelchen belletristischer Leichtigkeit schmücken.
Dabei wird die literarischeQualität leider getrübt durch die Gleichsetzung von Saturn und Vatikan.
Wer die Umsatzerfolge von Saturn negativ sieht, sollte nicht gleichzeitig auf die hohe Anerkennung durch Brigitte verweisen.

Wahrscheinlich hat sie sogar durch ihren Widerstand dem Slogan erst zum Erfolg verholfen.
Fehlt es Elke vielleicht an Aufmerksamkeit?
Ich wüsste zudem nicht, warum man sich mit einem platten, jedoch wirksamen Werbespruch so tief und lang auseinander setzt.
Da gibt es sicherlich geeignetere Themen.

Eines muss man richtigstellen:
Wenn von Todsünden gesprochen wird, dann von Habgier, Neid, Stolz, Trägheit, Unersättlichkeit, Wollust und Zorn.
Von Geiz ist dort nichts zu lesen, ganz im Gegenteil, Habgier und Unersättlichkeit gehen wohl in eine Richtung, die vermuten lässt, dass Sparsamkeit (die, wie mehrfach hier erwähnt, in übertriebener Ausprägung zu Geiz wird) eher im Lager der Kardinalstugenden zu vermuten ist.
Aber vielleicht kommt bei dem Pamphlet auch bloß Frau Heidenreichs Nähe zum Rheinland durch, denn dessen Motto ist ja bekanntlich: Das letzte Hemd hat keine Taschen.

....den Angriff auf die Kirche, nämlich diese habe noch nie Geld gegeben...........usw..........kann nur aus unglaublicher Unkenntnis der Wirklichkeit geschrieben sein.
Ich lade Frau Heidenreich gerne nach St.Vitalis in Köln-Müngersdorf ein. Wenn sie dann hier fleißig mithilft den sozialen Karren zu ziehen, will ich sie gerne als Frau Hilfreich ansprechen. Vielleicht reicht es später sogar zu Frau Christenfreundlich.
Wilfried@Stricker-inKoeln.de

Dass die "erfolgreichste Werbekampagne aller Zeiten" (wer soll das wie überprüfen können?) aus dem Programm verschwindet, ist wohl weniger der geschätzten Elke Heidenreich zu verdanken als vielmehr der schlichten Tatsache, dass der Großmaul-Slogan so ganz und gar nicht zum Wirtschaftsaufschwung passen will. Bemerkenswert immerhin, dass ein Werbebudget zur gewollten Herabsetzung einer Marke verpulvert wurde. Welche bleibenden Schäden das am Ruf der Elektromarktkette mit dem Planetennamen hinterlassen wird, muss sich erst noch zeigen.

Hätte frei Heidenreich mit Worten gegeizt, wäre das vielleicht geiler gewesen, als dieses Elkenlange Geschwafel um nichts. Geizen kann eben doch reizen (= angeilen). Aber, dann müsste Frau verstehen, mit Reizen zu geizen. Das wäre echt geil, oder?
Frau Heidenreich die Spalten der FAZ zu öffnen, ist eine Sache. Aber, dann erwarten wir geilen Leser echt geile Zeilen. Soviel (Ehr-)geiz muss sein.

Im Grimmschen Wörterbuch ist eindeutig davon die Rede, dass galant (zus. mit gala) aus dem germanischen abgeleitet ist ("b) auch auf roman. boden lebt es noch, ganz ein und weiter gewachsen, in anknüpfung an die erste bedeutung, von da auch wieder zu uns gekommen, denn gala und damit galant stammen wahrscheinlich von geil").
Man sollte nicht gleich im Einstieg solche Ungenauigkeiten einreißen lassen.

Du Mutter Courage der deutschen Sprachkultur oder so ähnlich.

Selten habe ich in der FAZ so ein selbstgerechtes Geschreibsel gefunden wie diesen Text von Elke Heidenreich. Quo vadis, FAZ?
O-Ton Heidenreich: „Als ich 1996 von der Gesellschaft für Deutsche Sprache den Medienpreis für Sprachkultur bekam...“; „In meiner „Brigitte“-Kolumne, die immerhin von Millionen gelesen wurde...das hat mir wieder einen Preis eingebracht:..“ Neben dem Geiz ist auch Hochmut (Hoffart, Eitelkeit, Stolz) eine der sieben Todsünden! Und dann noch ihre inkompetenten Aussagen zur Wirtschaft: „Ja, dann ist Kapitalismus auch geil. Dann ist Ausbeutung und sich bereichern geil“. Vielleicht sollte sich die Dame mal ein wenig in der Welt(geschichte) umschauen: nirgendwo wurden Menschen brutaler ausgebeutet und unterdrückt als in den (ehemals) sozialistischen Ländern (UdSSR und Ostblock, VR China unter Mao, Nordkorea). Als Draufgabe gab es in allen diesen Ländern noch eine unerträgliche Umweltverschmutzung, und Energieverschwendung. Frau Heidenreich möge doch bitte das erzkapitalistische Südkorea mit dem nördlichen Landesteil (neben Kuba die letzten Bastion des Sozialismus) vergleichen! Wo geht es den Menschen wohl besser? Bisher ist noch jede sozialistische Gesellschaft in Armut und wirtschaftlichem Niedergang gelandet.

denn allein die Ankuendigung ihren Slogan aufzugeben, hat den Namen Saturn wieder in die Presse gebracht - und Frau Heidenreich, mit ihrer Anti-Kapitalismus, Anti-Religion, Anti-Alles Haltung hat sich ohne ihr Wissen zur Hauptfigur in der Saturnreklame machen lassen - oder mit ihrem Wissen und Bezahlung? Rieche ich hier eine Verschwoerungtheorie?

...das die Arbeiten der Heidenreich, fuer die sie all ihre Preise und Auszeichnungen erhalten hat, von dramatisch hoeherer Qualitaet sind, denn dieser Beitrag ist schnell hin gepfuscht, und laesst so manches zu wuenschen uebrig. Note: 4-

Nach der Lektüre des Beitrags "Warum geiz völlig ungeil ist" von Elke Heidenreich regte sich in mir, einem unbedarften Leser, spontan Frau Heidenreich möge in Zukunft wenigstens in der FAZ nicht mehr alles veröffentlichen, was sie so umtreibt. Dann die Erkenntnis: Geiz kann manchmal auch eine Tugend sein.

....gehörte auch der Hochmut zu den Todsünden,Frau HEIDEnreich, mit der Betonung auf Heide, denn Ihre verbalen Seitenhiebe auf die Kirche sind haltlos und haben in etwa das Niveau der Aussagen über Bischof Mixa einer Frau Roth .

Wie traurig bescheiden! Zumindest heisst das, dass in Zukunft wohl noch bescheidenere Kampagnen kommen, denn das Beste aller Zeiten haben wir nun Gott sei Dank hinter uns!

Liebe Frau Heidenreich,
endlich ist dieser an menschliche Niederungen adressierte Slogan verschwunden. Glückwunsch.
Wozu aber dieser blindwütige Rundumschlag.
Ich will mich auf Dinge beschränken, von denen ich ein Grundwissen habe (sollten Sie auch).
Die Parallele zum Vatikan ist indiskutabel (bin kein Katholik). Vielleicht sagt Ihnen das Stichwort "Diakonie" etwas.
Schön, dass Sie das Neue Testament zitieren. Aber verraten Sie mir doch bitte, wo Sie gefunden haben, dass der reiche Jüngling das Geld Gott geben soll.
Schauen Sie mal bei Lk 18,22 nach (Verkaufe alles, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen aSchatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach!). Hört sich doch anders an, oder?
Liebe Grüße
Ulf Weingarten

Liebe Frau Heidenreich,
in der Sache gebe ich Ihnen recht. Bezüglich der Form muß ich mich aber leider ärgern, daß auch Sie einen grammatikalischen Fehler machen, der in der FAZ weit verbreitet ist: Meine Bertelsmann-Grammatik von 1996 schreibt auf Seite 137 oben: Titel von Büchern ... werden auch dann gebeugt, wenn sie in Anführungszeichen stehen. Es hätte mithin des "Kapitals" heißen müssen. Ich fände es schön, wenn jemand wie Sie, der sich so um die Sprache bemüht, dies künftig richten machen würde.
Mit freundlichen Grüßen
Lukas A. Kliem

Ich möchte einmal wissen, wie solche überflüssigen Artikel zustande kommen. Gab es da den überlangen Text von Frau Heidenreich und die FAZ hat den notwendigen Platz freigeschaufelt und dann auch noch als Aufmacher im Feuilleton?
Oder gab es den freien Platz und Frau Heidenreich hat ihn wortreich aber inhaltsarm gefüllt?
Kurz und gut: Für mich ist das bildungsbürgerliches Geschwafel.

Frau Heidenreich!
Ich muss mich ehrlich fragen, warum Sie Zeit haben, sich über so etwas Gedanken zu machen. Sie verlangen mehr Geist in der Öffentlichkeit. Schön! Das ist nachvollziehbar! Warum aber müssen sie sich, fast schon gehässig, über einen Werbespot äußern, der kreativ erarbeitet wurde? Er hat seinen Sinn erfüllt. Die Leute schauen auf ihr Geld, denn nicht jeder kann in der heutigen Zeit den Armen und von ihnen benannten "Bettlern" noch etwas abgeben! Nicht umsonst haben wir sehr viele verschuldete Menschen in Deutschland! So intellektuell ihr Wesen auch sein mag, manche Dinge sind überflüssig und dazu gehört dieser Bericht!
Zu ihrer Mittelalter-Theorie sei noch gesagt, dass im Mittelalter die Frauen keine Rechte hatten und als Gebährmaschinen dienten. Wie sie vielleicht erkennen, ist nicht alles aus dem Mittelalter heute noch zeitgemäß und dazu sollten sie den Duden aufschlagen! In der 23. Auflage steht unter Geiz "übertriebene Sparsamkeit". Wo ist dieser Begriff "ungezogen" oder "unmoralisch"? Wer viel spart, wird sich viel leisten können!

...und genau deshalb geh ich garnicht erst zum Saturn einkaufen. 1. Sind die Preise nicht besser als bei meinem Einzelhändler vor Ort. 2. habe ich nicht den Service wie bei meinem Einzelhändler vor Ort. 3. Habe ich eine Aversion gegen Grosskonzerne die unsere Einkaufsvielfalt und Innenstädte systematisch veröden lassen. 4. ist der Spruch und die dazugehörige Fernsehwerbung so schlecht und so dämlich, daß ich nach dem auftauchen derselben schon erst recht nicht mehr hingegangen bin.( obwohl man vor 28-30 Jahren im Kölner Stammhaus Schallplatten kaufen konnte, die es sonst nirgendwo gab ). In die gleiche Riege der übelsten nervigsten Werbung gehören für mich : Seitenbacher Müsli ; Praktiker ; Media Markt

Beim Thema Geiz den Vatikan mit dem dem Saturn-Konzern zu vergleichen ist wirklich abgeschmackt. Die FAZ kommt nicht nur im neuen Kleid daher, sondern auch mit einer neuen Ausrichtung.

Auch mich hat die menschenverachtende Werbung "Geiz ist geil" unangenehm berührt.
Wie man jedoch die Kirche in die gleiche Reihe stellt ist unverständlich. Der Kirche wird von Frau Heidenreich im Gegensatz zu deren Kernaussagen selbstsüchtiges Geldraffen unterstellt. Daß die Kirche zu allen Zeiten stets wichtiger, wenn nicht einziger Träger eines Sozialsystems zur Unterstützung Bedürftiger war und ist übersieht die Kirchenferne gern. Zu allen Zeiten hatten Menschen aller Schichten das freiwillige Bedürfnis zur Ausstattung der Kirche in sozialer und kultureller Hinsicht beizutragen. Entstanden aus dem Bedürfnis Gott durch seine Kirche zu verherrlichen, wie sollten sie es auch anders durchführen.
Wahr ist natürlich, daß wo materielle Güter fließen auch Beutelschneider nicht weit sind; wenngleich die Ausnahme.
Somit ist Frau Heidenreichs Beitrag sicher ein ästhetischer und semantischer. Ob moralisch, ist ob der unreflektierten Schmutzwerferei fragwürdig.

"Geiz ist geil" ist ein dümmlicher, schlichter Spruch, der seinen Benutzer (dis-)qualifiziert - aber den Wettbewerb fördert.

Frau Heidenreich hat leider recht !
Obwohl ein etwas kleinerer Supermarkt (der aber nicht von Aldi,sondern von Edeka ist) direkt 2 Straßen weiter liegt und ein ausgezeichnetes Sortiment bietet,fährt die gesamte Bewohnerschaft meines Wohnviertels lieber zig Kilometer,um bei Aldi & Co. einzukaufen.
Es mag ja sein,daß bei ALdi die Butter,die Milch und das Mehl etwas billiger sind.
Dabei kann es sich aber nur um Cent-Differenzen handeln.
Und dieses "Ersparnisse" werden bei den heutigen Spritpreisen ,jährlichen Autokosten, und den Staus,den diese "Damen und Herren" damit produzieren, wohl zehnfach wieder aufgefressen.
Allerdings scheint dies niemand begreifen zu wollen.
Geiz ist nicht geil,sondern macht doof !

oha, war wohl zu lang.
wollte schreiben:
...gehört (und damit meine ich ausdrücklich keinen der Kommentatoren hier, liebe Redaktion).
Ich halte Fr. Heidenreich für eine echte Bereicherung für Deutschland (beschränke mich hier auf Deutschland, weil mir nicht bekannt ist, ob Fr. Heidenreich auch international bekannt ist).

Ich finde es bezeichnend, daß man verlautbaren läßt, der Slogan "Geiz ist geil" würde abgeschafft, gleichzeitig aber in keinster Weise eine Änderung der Produktpalette ankündigt ;-)
Ist doch eigentlich nett, daß die Entscheider so offen zugeben, daß sich solche Kampagnen ausschließlidch danach richten, was der potentielle Kunde hören will (bzw. was sie glauben, was...).
Ich finde es wirklich mutig, derart ungehemmt dazu zu stehen, daß die Aussagen in solchen Slogans so rein gar nix mit der Realität zu tun haben.
Finde ich toll...oder doch eher blöd ?
Die Kritik an Fr. Heidenreich ist übrigens für mich nicht nachvollziehbar. Was ist dagegen zu sagen, wenn jemand nicht nur an der Oberfläche kratzt.
Und was sollen Bemerkungen wie "Können Sie Ihren Intellekt nicht für andere Dinge..." ?
Demnach dürfte sich jeder ausschließlich mit dem Allerschlimmsten auf der Welt beschäftigen...bspw. wieso sich für Arbeitslosenzahlen interessieren oder Tierquälerei oder Menschenhandel oder oder oder...wenn gleichzeitig Menschen vor Hunger sterben müssen ?
Bemerkungen wie "Ey ich hab meinem Sohn doch nur in die Fre**e gehauen, wieso kümmert sich die Polizei nicht um die Mörder" hab ich bislang nur von geistig eher unbeweglichen...

Sehr geehrte Damen und Herren!
Die gewählten Worte sind vermutlich gut gemeint, gehen aber weit über das Ziel hinaus. Ein Werbeslogan muß nicht als Parole für Bettler herhalten können; und auch die Vorwürfe bzw. der Vergleich mit dem Vatikan sind unsinnig. Solch einen Stuß habe ich schon lange nicht gelesen.
Dies ist meine Meinung, wiewohl ich die Werbeparole von Saturn ebenfalls nicht gutheiße.
MfG
P. Schieser

Warum es nun Frau Heidenreich in ästhetischer und semantischer Hinsicht bei "Geiz ist geil" schlecht geworden ist, hat sich mir trotz Hinweise auf die Brüder Grimm, Molière, das Alte Testament, das mittelalterliche Genua und das moderne Köln leider nicht so recht erschlossen.
Vom linguistischen Standpunkt aus ist "Geiz ist geil" eine Alliteration, und eine gelungene noch dazu - durch die Kürze der einzelnen Wörter wird die Aussage zusätzlich verstärkt.
Ich persönlich finde jedenfalls Wortwitz mit Hintersinn wesentlich anregender, als pseudogebildetes, völlig logikfreies Gedöns um vermeintliche kapitalistische Auswüchse.

...Frau Heidenreich; leider verstehen oder wollen einige Ihr Anliegen nicht verstehen. 'Geiz ist Geil' genauso so wie 'Ich bin doch nicht blöd' haben eine oder gar zwei Generationen geprägt und spiegeln den mentalen Zustand unserer Gesellschaft wieder. Menschen, die mit diesen Slogans aufgewachsen sind, leben das nach.

Sehr geehrte Frau Heidenreich,
Ihr Engagement gegen solche oder ähnliche sprachliche Entgleisung in allen Ehren. Aber machen wir uns nichts vor, damit erreichen Sie nur bei den meisten Menschen ein müdes Lächeln. Ich bin kein Anhänger diese Slogans, der sicher keine literarischen Ansprüche erhebt, sondern nur kurz, prägnant und einprägsam sein. Ist er auch. Mit diesem Slogan, oder "ich bin doch nicht blöd", gehört wie Saturn auch zur Metro Gruppe, hat sich unser toller Einzelhandel selbst einen Knüppel zwischen die Beine geworfen. Diese Geiz-ist-geil-Mentalität führt dazu, dass die Kunden nicht unbedingt bei Saturn kaufen sondern schauen, z.B. bei Direkthändlern in Internet, ob nicht irgendwo noch etwas preiswerter geht. Dies hat sich mitlerweile auf die ganze Branche ausgedehnt. Somit ist der Slogan doch nicht ganz so verkehrt gewesen. Wenn jemand auf die Barrikaden gehen müsste, dann die gesamte Einzelhandelsbranche. Hier hat dieser Slogan zu Effekten geführt, die die Werber mit diesem Slogan sicher nicht so vorhergesehen haben. Für Metro vielleicht ein Erfolg, aber die Grundtendenz, welche sich bei den Kunden so etabliert hat, geht in die andere Richtung.

Der Geiz der kleinen Leute, denn das sind die meisten Konsumenten, ist das Gegenstück zur Gier der Großen. Die kleinen Leute können ihre Einnahmen nicht erhöhen, ihnen bleibt nur Sparsamkeit beim Ausgeben.
Schröder, Ackermann, Schmidt und Klinsmann, jeder rafft, soviel er kann. Nur beim Konsumenten soll Geiz plötzlich ekelhaft sein. Wenn er spart, wird dem Promi schlecht. Er soll viel ausgeben, auf dass der Profit stimmt, er soll Markenartikel kaufen und die Kampagne, die ihm weismacht, nur das Teure sei gut und stilvoll, auch noch bezahlen. Er soll sich schlecht fühlen, wenn er auf den Preis achtet.
Die Geiz-ist-geil-Kampagne sagt ihm: "Gib für eine Sache nicht mehr Geld aus als nötig. Denk zuerst an dich!"
Letzteres ist der befreiende, der "geile" Teil der Botschaft. Sie erschließt sich beim zweiten Hinsehen, mit dem zweiten Gedanken.
Sie wird beherzigt offenbar auch von der Autorin. Auf der Saturn-Internetseite findet man mehrere ihrer Titel zum kostenpflichtigen Download. Motto: "Kassiere lieber über den ekelhaften Saturn ab, als auf ein paar Cent zu verzichten."
Geht es auch etwas weniger verlogen?

... welch eine armselige Aussage von diesem Udo Blankenburger ...

... wobei es sich bei diesem Bibel-Zitat um einen Übersetzungsfehler handelt. Es müsste eigentlich heißen "eher geht ein Tau durch ein Nadelöhr", was auch viel mehr Sinn ergibt. Aber der Spruch hat sich schon so eingebürgert, dass das wohl nicht mehr geändert werden kann...

Elke Heidenreich hat in meinen Augen völlig Recht und ist zum Glück noch so motiviert, sich mit Ihrer Meinung in die Öffentlichkeit zu begeben, was bei der heutigen breiten Gesellschaft leider so gut wie gar nicht "in" ist. Die Frage ist nur warum? Da kommt einem der Verdacht, dass wir genau so sind wie man uns es "vor-slogt", wir folgen dem Marketing wie die Schafe dem Hirten, oder verfolgt uns der Marketingmanager? Bekommt die Gesellschaft nicht das präsentiert, was sie hören und sehen will? Und dann bestätigt sich das mit diesem Erfolg. Brrrrrr, mich schüttelts...

Die Selbstgefälligkeit dieser Elke Schlaumeier Heidenreich ist unerträglich. Wieso die Plattform in der FAZ?

"Die Kirche hat immer nur Geld haben wollen, sie hat so gut wie nie welches gegeben, und deshalb ermahnt sie zum Geldzusammenhalten - außer, man gibt es ihr."
Bei allem Respekt vor Frau Heidenreich und aller Sympathie für ihr Anliegen (das ich durchaus teile): in dieser Absolutheit tut Frau Heidenreich der Kirche unrecht. Es gab sicher schwarze Stunden der Kirche, vielleicht auch Jahre oder Jahrhunderte. Aber sowohl in Geschichte als auch Gegenwart der katholischen Kirche gibt es genug Beispiele echter Großzügigkeit und Freigebigkeit, um Frau Heidenreich in ihrem oben angegebenen Zitat Lügen zu strafen. Vom Hl. Laurentius, der - der Legende nach - dem heidnischen Kaiser die Armen als "Schätze der Kirche" präsentierte, bis zu den verschiedenen Hilfswerken der katholischen (Misereor, Caritas, Adveniat, Renovabis) und evangelischen (Diakonisches Werk, Brot für die Welt) Kirche - von den vielen Ordensgemeinschaften zu schweigen - hat sich die Kirche immer auch um die Armen, Notleidenden und Kranken gekümmert.
Warum Frau Heidenreich also in den sonst sehr unterhaltsamen und guten Artikel einen sachlich ungerechtpersönlichen Kreuzzug gegen die katholische Kirche einbauen muß, ist mir schleierhaft - und überdies wird mir davon schlecht.

Geiz ist geil war für mich die größte Antiwerbung seit langem.

... da gibt es wenig Rechtfertigendes zu sagen!
Aber eine Frage hätte ich doch: Womit verdient man sich denn den "Medienpreis für Sprachkultur", wenn man so dahinschludert?

Jemandem ist langweilig und er/sie beschäftigt sich mit solchen Dingen. Wenn man sich dann überlegt, welche guten Taten die Autorin in dieser Zeit vollbringen hätte können, ist ihr anzulasten, dass sie nicht lieber diese getan hat. Seine Energie und seinen Intellekt auf die Hatz auf einen Werbespruch ! zu investieren...
Vor allem: Liebe Frau, Sie haben noch viel zu tun! Waschmittel waschen jetzt nicht sauber sondern rein, nur die perfektesten ! Hausfrauen verwenden in Österreich splendid! usw. Viel Spaß dabei.

Liebe Frau Heidenreich,
eine tolle Analyse, jedoch meiner Meinung nach am Thema vorbei. Unsere Konsumwelt will dem Kaeufer das Geld aus der Tasche ziehen. Je mehr, je schneller, desto besser. Da ist dieser Slogan erfrischend anachronistisch. Fordert dieser 'Satz' doch eigentlich zum Konsumverzicht auf. Oder, wenn schon Konsum, dann zum möglichst geringen Preis. Wie auch anders, wenn die Realeinkommen seit vielen Jahren zurueckgehen. Hier trifft der Slogan das Herz der Zeit, und alles moralische, ästhetische und semantische Klagen wirkt konfrontiert mit der schlichten Ebbe im Geldbeutel nur albern.
Pervers wir die Sache allerdings dadurch, daß Saturn ja gar nicht diesen elementaren Spartrieb befriedigte, sondern -von einigen Lockangeboten mal abgesehen- meist teurer war als die Konkurrenz! Langsam haben die Leute das kapiert. Der Satz funktionierte nicht mehr.
Wirklich schade, daß diese Werbekampagne vorbei ist! Vielleicht haette am Ende, konfrontiert mit Saturn's realer Preispolitik, demnächst noch der letzte Kretin begriffen, daß er in diesem Deutschland unwiderruflich zu den verarschten und verlachten Verlierern gehoert.

...ist sein Gebrauch in der Sprache. Das Grimmsche Wörterbuch wird Frau Heidenreich nicht weiterhelfen, wenn sie diesen Werbespot und seine tatsächliche Wirkung verstehen will.
Glaubt die AUtorin tatsächlich, dass Saturn eine Charaktereigenschaft fördern wollte wie die, mit der sie das Wort "Geiz" verknüpft? Warum sollte er das Unternehmen so etwas tun. Letztlich sollte auch dieser Spot zum Geldausgeben anstiften, nicht zum Geizigsein - das ist auch die Antwort auf Frau Heidenreichs Frage, warum die deutsche Wirtschaft nicht gegen Saturn geklagt hat.
Oder glaubt Frau Heidenreich vielleicht, die armen Konsumenten hätten nicht durchschaut, was Saturn da gemeint und bezweckt hat?
Jemand, der sich wie Frau Heidenreich mit Sprache beschäftigt, sollte wissen, dass es nicht nur darauf ankommt, was jemand sagt, sondern auch darauf, wer es sagt und in weilchem Kontext, in welcher Situation.
Bezeichnend ist auch, dass dann Geiz und Kapitalismus mal eben in einen Topf geworfen werden. Dass das kapitalistische System vielleich gerade auch die Freizügigkeit jener netten Genuesen und Kölner ermöglicht, scheint Frau Heidenreich noch nicht in Erwägung gezogen zu haben.

Und Adam Smith wusste sehr viel mehr über Ökonomie als Elke Heidenreich, die uns ja doch wieder nur mit Besinnungsaufsätzen wider den Kapitalismus langweilt.