10. Januar 2009 Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) ist am Freitag in das Universitätsklinikum Jena verlegt worden. Der Politiker, der bei einem Skiunfall am Neujahrstag schwer verletzt worden war und nach einem Schädel-Hirn-Trauma am Durchgangssyndrom leidet, wurde am Nachmittag aus dem österreichischen Schwarzach mit einem Hubschrauber nach Jena geflogen. Die Verlegung in die Heimat soll den Heilungsprozess unterstützen.
Er wurde auf dem Flug von einem Arzt und seiner Ehefrau Katharina begleitet. Die Verlegung soll den Genesungsprozess befördern. Bei dem Skiunfall war eine 41 Jahre alte Slowakin tödlich verletzt worden. Althaus' Anwalt erwartet Schadensersatzforderungen gegen seinen Mandanten. Es ist noch unklar, ob ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen Althaus eröffnet wird.
Räumlich und zeitlich desorientiert
Wann Althaus seine Amtsgeschäfte wieder aufnehmen kann, ist weiterhin ungewiss. In der CDU heißt es, es könne zwei oder drei Monate dauern. Im Juni sind in Thüringen neben der Europawahl auch Kommunalwahlen. Der Landtag wird am 30. August einen Monat vor dem Bundestag gewählt. Althaus ist Spitzenkandidat der CDU in Thüringen. Die Delegierten des CDU-Landesparteitags hatten ihn im vorigen November in seiner Heimatstadt Heiligenstadt mit 100 Prozent der Stimmen zum Landesvorsitzenden gewählt.
Für Althaus wurde in Jena ein Teil der neuro-chirugischen Station separiert. Er wird interdisziplinär behandelt, wozu eine intensive physiotherapeutische und psychologische Behandlung gehöre, hieß es in Jena. Es werden nur engste Angehörige zu Althaus gelassen.
Stabil, wach und ansprechbar
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die dieses Wochenende wegen der Tagung des CDU-Bundesvorstands in Erfurt in Thüringen weilt, wird Althaus voraussichtlich nicht besuchen können. Der Medizinische Vorstand des Uniklinikums Jena, Klaus Höffken, sagte, Althaus freue sich, wieder in Thüringen zu sein, obgleich er in Österreich gut behandelt worden sei. Der Direktor der Klinik für Neurochirurgie, Rolf Kalff, beschrieb Althaus' Zustand als stabil. Er sei wach und ansprechbar. Althaus habe ihn, Kalff, erkannt. Die beiden kennten sich vom Fußballspiel. Althaus leide nicht an neurologischen Ausfällen, sagte Kalff. Er sei aber vor dem Transport sediert worden, damit die Verlegung ihn nicht zu sehr belaste. Er sei gegenwärtig zeitlich und örtlich nicht voll orientiert.
Ob dies an dem Durchgangssyndrom liege, an dem Althaus verletzungsbedingt noch leide, oder an der Sedierung, könne er, Kalff, nicht sagen, bis die Wirkung der Medikamente nachgelassen habe. Kalff wollte sich noch nicht auf eine Zeit festlegen, die Althaus in dem Klinikum verbringen müsse. In der Regel kann man das sagen, aber nicht im Einzelfall, sagte der Arzt. In der Regel rechne er mit acht bis zehn Tagen, bis es Althaus besser gehen werde.
Umfänglich über die Details seines Unfalls informiert
Vielleicht sei Anfang übernächster Woche abzusehen, ob oder wann Althaus in eine Rehabilitationsklinik verlegt werden könne. Auf die Frage, ob Althaus polizeilich vernommen worden sei, hieß es in Jena: Wir gehen davon aus: Nein. Es sei gegenwärtig nicht zu sagen, bis wann eine Vernehmung möglich sein werde.
Auf die Frage, ob Althaus über die tödliche Kollision am Neujahrstag informiert sei, antwortete Regierungssprecher Fried Dahmen, Althaus sei in Österreich umfänglich über die Details seines Unfalls informiert worden. Nach Ansicht der Ärzte ist es aber möglich, dass Althaus Informationen, die er erhalten hat, wieder vergißt. Das werde sich in den kommenden Tagen bessern.
Gegen Althaus ermittelt die Staatsanwaltschaft im österreichischen Loeben routinegemäß wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Die Behörde erwartet, dass in vier Wochen die Gutachten über den Unafllhergang vorliegen. Althaus' österreichischer Anwalt Walter Kreissl rechnet dagegen schon in zwei Wochen mit einem Ermittlungsergebnis. Dann werde sich entscheiden, ob Althaus ein Strafverfahren drohe oder nicht. Unabhängig davon erwartet der Anwalt Schadenersatzforderungen, die aber auch außergerichtlich zu klären seien.
Ohne Alkohol auf der Piste
Unterdessen bestätigte die Staatsanwaltschaft in Loeben, dass weder Althaus, noch die Skiläuferin zum Zeitpunkt des Unfalls alkoholisiert waren. Die Alkoholkonzentration im Blut betrug bei beiden Läufern nach einer Untersuchung des Instituts für Gerichtliche Medizin der Universität Graz 0,0 Promille.
Der Witwer der Verstorbenen sagte gegenüber der Zeitschrift Bunte, für ihn spiele die Schuldfrage keine große Rolle: Es war ein Unfall. Meine Frau ist tot und sie wird auch nicht mehr lebendig. Aber er wolle genau wissen, wie seine Frau zu Tode gekommen sei. Der Witwer zollte Katharina Althaus, der Frau des Ministerpräsidenten, Respekt, da sie an der Trauerfeier für seine Ehefrau teilgenommen habe.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: ddp, dpa