19. Oktober 2006 Der neue europäische Wettersatellit MetOp ist am Donnerstag nach einer Serie von Pannen im siebten Anlauf an Bord einer Sojus-Trägerrakete ins All geschossen worden. Nach seinem Start vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan wird das Europäische Raumfahrtkontrollzentrum (Esoc) in Darmstadt den Satelliten in den kommenden drei Tagen auf eine gut 800 Kilometer hohe Umlaufbahn lenken.
MetOp ist der erste einer neuen europäischen Satellitengeneration, die die Wettervorhersagen künftig deutlich verbessern und Umwelt- und Klimainformationen in bislang unbekannter Genauigkeit ermöglichen sollen. Mit dem auf 14 Jahre angelegten Projekt wird Europa erstmals Wettersatelliten einsetzen, die in nur gut 800 Kilometern Höhe über die Erdpole kreisen. Der Satellit soll auch Daten zur Früherkennung möglicher Naturkatastrophen liefern.
Der Start des hoch modernen Satelliten wurde schon mehrfach verschoben. Allein im Juli war der Countdown nach immer neuen technischen Problemen an der Sojus-Trägerrakete an drei aufeinanderfolgenden Tagen kurzfristig gestoppt worden. Daraufhin beschlossen die Verantwortlichen der Betreiberfirma Starsem, die Sojus-Rakete von der Startrampe zu nehmen. Rakete und Satellit wurden gründlich untersucht, ein neuer Starttermin wurde für den 7. Okober angesetzt. Nach mechanischen Problemen beim Transport des Satelliten zur Startrampe wurde der Termin abermals verschoben.
Meilenstein in der Erdbeobachtung
Nach dem Start am Dienstag soll das Europäische Raumfahrtkontrollzentrum (Esoc) in Darmstadt den Satelliten in den kommenden drei Tagen auf eine gut 800 Kilometer hohe polare Umlaufbahn schwenken. Danach übernimmt die Europäische Organisation für die Nutzung von meteorologischen Satelliten (Eumetsat) in Darmstadt den Betrieb.
Das Gemeinschaftsprojekt der Europäischen Weltraumorganisation Esa und Eumetsat wird die bestehenden europäischen Satelliten sowie das polare amerikanische Wettersatellitensystem ergänzen. Während die amerikanischen NOAA-Satelliten den Äquator nach lokaler Ortszeit nachmittags überfliegen, übernehmen die MetOp-Satelliten den Vormittagsdienst. Die Technik des europäischen Satelliten ist völlig neu und stellt einen Meilenstein in der Erdbeobachtung dar, sagte der Präsident des Deutschen Wetterdienstes (DWD), Wolfgang Kusch.
Exakte Vorhersage über fünf Tage
Meteorologen erhoffen sich von MetOp dank neuer Technik und seiner Nähe zur Erde genauere Vorhersagen. Der neue Satellit fliegt 43mal näher an der Erde als die geostationären Satelliten und umrundet den Planeten in 100 Minuten, während seine Vorgänger etwa vom Typ Meteosat für die Erdumrundung 24 Stunden benötigen.
Insgesamt drei MetOp-Satelliten sollen die Wettervorhersage in Europa verbessern. Das Projekt ist auf 14 Jahre angelegt und kostet 2,4 Milliarden Euro. Es wurde von den nationalen europäischen Wetterdiensten in Auftrag gegeben. Gebaut werden die fliegenden Stationen im All vom europäischen Raumfahrtkonzern EADS Astrium. Die Wettervorhersage wird genauer und langfristiger möglich, sagte Uwe Minne, Direktor Erdbeobachtung und Wissenschaft von Astrium Friedrichshafen. Bisher können Meteorologen das Wetter für drei Tage ziemlich exakt vorhersagen, künftig sind es fünf Tage.
MetOp ist beim Start gut vier Tonnen schwer. Der Satellit sieht aus wie ein großer goldener Schuhkarton von 17,6 Metern Höhe und 6,6 Metern Länge. Aus seinem Korpus ragen zahlreiche Antennen wie Insektenfühler heraus.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: AFP, ddp, dpa