Von Peter Lückemeier
18. März 2007 Jetzt mal gleich eine interessante Frage: Wann ist im Falle fortgeschrittener Annäherung zwischen Frau und Mann der richtige Moment gekommen, sich der Kleidung zu entledigen? Und mit welchen Worten leitet man die Aktion ein? Hier ist vor allem der Mann gefordert, die Initiative zu ergreifen. So schreibt es jedenfalls das Bauchmuskel-Magazin mit dem doofen Namen Men's Health. Noch beknackter ist freilich der Titel Zuhause wohnen, aber zurück zum Ausziehen. Fragen Sie ganz charmant, rät das Männerheft: Sollten wir uns nicht ausziehen? Das klingt ja wenig einfallsreich, aber jetzt kommt's: Fragen Sie in dem gleichen Tonfall, in dem Sie fragen würden, ob sie angesichts eines nahenden Gewitters nicht in Ihrem Auto mitfahren möchte.
Super, werden wir bald ausprobieren. Zunächst aber fragen wir uns in relativ verzweifeltem Tonfall, warum wir nicht Rennfahrer geworden sind. Auf der Neid-Skala von eins bis zehn schoss unser Wert auf 20, als wir in Bunte lasen, was der deutsche Rennfahrer Adrian Sutil über seine Chancen sagt: Natürlich weiß ich, dass Rennfahrer bei Frauen äußerst begehrt sind. Es gibt 22 Piloten, und die Frauen im Formel-1-Zirkus sind die schönsten, auch wenn sie vielleicht nicht die klügsten sind. Natürlich versuchen alle, einen von uns abzubekommen.
Als englischer Patient vor sich hin gelitten
Also das ist doch ein Abgrund von Ungerechtigkeit, aber die Schauspieler haben es ebenso leicht wie die Rennfahrer. Ralph Fiennes hat zwar als englischer Patient elegisch vor sich hin gelitten, im wirklichen Leben aber treibt er es über und unter den Wolken. Die Sittenwächter von Bunte registrieren das genau: Nachdem sein Sexabenteuer mit einer Stewardess in 10.000 m Höhe publik geworden war, beschwerten sich jetzt Gäste eines Hotels in Brügge (Belgien). Grund: Er vergnügte sich mitten in der Nacht lautstark mit vier nackten Damen im öffentlichen Gästepool.
Und kann uns mal jemand erklären, warum die Schauspieler, Rennfahrer, Prinzen und Fußballmanager immer nur auf jüngere Frauen stehen? Ferfried von Hohenzollern (63), frisch entliebt von Tatjana Gsell, wird von Frau im Spiegel gefragt, ob er sich auch in eine Gleichaltrige verlieben könnte, und antwortet eiskalt: Ich glaube, das wäre eine Idee zu alt. Aber sie kann schon um die 40 sein. Wie huldvoll. Alt-Macho Rudi Assauer (62) entwickelt in Revue immerhin einen gewissen Witz, als er nach dem Altersunterschied zu seiner Simone (41) gefragt wird: Nein, Simone ist mir keinesfalls zu alt.
Auch Karel Gott (67) lebt ja mit einer wesentlich jüngeren Frau zusammen, der 30 Jahre alten Mutter seines Töchterchens Charlotte (neun Monate). Doch so sehr ihn Das Goldene Blatt auch zur Hochzeit drängt, er kennt ein gutes Gegenargument: Verheiratete Paare lassen sich oft gehen, weil sie sich nicht mehr anstrengen müssen. Unsere Partnerschaft soll aber spannend bleiben. Ob auch Horst Seehofer so denkt, er also bei seiner Familie bleibt, um gleichzeitig die Partnerschaft zur unverheirateten Mutter seines Babys vital zu erhalten? Wir wissen es nicht, wir wissen nur, dass Bunte ziemlich gemein ist.
Würden Sie es hinkriegen?
Das Blatt nimmt zwar den Namen Seehofers nicht in den Mund, meint ihn aber dennoch, wenn es Kanzleramtsminister Thomas de Maizière fragt: Würden Sie es hinkriegen, ein Doppelleben zu führen? Die Antwort schenken wir uns, denn wir wollen lieber Sie, lieber Herr Prof. Bert Rürup, etwas fragen. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung haben wir gelesen, dass Ihr Stundensatz für Vorträge bei scharf kalkulierten 14.500 Euro liegt. Jetzt die Frage, lieber Herr Prof. Rürup: Wären Sie bereit, uns mal einen privaten Fünf-Minuten-Vortrag für 1208,33 Euro zu halten?
Danke, das ist lieb, da werden wir auch jedes einzelne Wort auf die Goldwaage legen. Und dafür verraten wir Ihnen auch, wie der Sex der Zukunft aussehen wird: Reiche können sich zusätzliche Geschlechtsorgane einbauen lassen - für noch mehr Befriedigung. So stand es allen Ernstes in Bild, wir aber wollen das nicht kommentieren, sondern lieber Woody Allen zitieren, der in Das Goldene Blatt stöhnt: Sex ohne Liebe ist ein hohles Erlebnis - aber von den hohlen Erlebnissen ist es eines der schönsten.
Im übrigen wollen wir vor allem unsere jüngeren Leserinnen mal wieder vor sogenannten Schönheitsoperationen warnen und tun dies gern mit den Worten der jungen Chiara Ohoven (21) aus Revue: Ich sah die Lippen der Begum und dachte, die brauche ich auch. Da habe ich meine Lippen mit Kollagen aufspritzen lassen - und sah aus wie Duffy Duck. Traurig. Wir aber sahen neulich auf der Straße ein wunderschönes Mädchen mit natürlich verlaufenden Kurven und wundervollen Lippen. Mit jener Lässigkeit, mit der die Redakteure von Men's Health sagen: Sollten wir uns nicht ausziehen? hielten wir ihr die Autotür auf: Wollen Sie nicht einsteigen? Stellen Sie sich vor: Sie stieg sofort ein und zog sich sofort aus. Danke an Men's Health. Übrigens ein toller Titel.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 18.03.2007, Nr. 11 / Seite 66