Paul Metzger im Gespräch

Der Muttertagsrebell von Bretten

08. Mai 2008 Die baden-württembergische Landesregierung hat sich gegen einen Blumenverkauf am Muttertag ausgesprochen. Paul Metzger, Oberbürgermeister von Bretten, möchte dennoch die Mütter beschenken: mit der Hilfe von Pfadfindern und anderen Freiwilligen.

Herr Metzger, wochenlang hat die baden-württembergische Landesregierung über das Blumenverkaufsverbot am Muttertag gestritten. Sie als CDU-Oberbürgermeister von Bretten und Ihr Kollege aus Gottmadingen haben sich gegen das pfingstliche Verkaufsverbot gewendet. Nun sind Sie der „Muttertagsrebell von Bretten“. Trotz der Eilentscheidung des Verwaltungsgerichtshofs, trotz des Verbots des Regierungspräsidiums, am Muttertag Blumen per Lieferservice zu verteilen, geben Sie nicht auf. Wie kommen die Mütter in Bretten denn nun zu ihren Muttertagsblumen?

Feuerwehrleute und Pfadfinder, also Freiwillige, verteilen am Pfingstsonntag über 2000 langstielige Rosen und fünfzig bestellte Sträuße, die ganz normal von den sieben Blumengeschäften angeliefert werden. Verteilt wird auf dem Marktplatz und vor den zwölf Kirchen der Stadt. Ein Privatunternehmen finanziert die Aktion. Mit dieser Aktion halten wir uns an das Gesetz. Ich habe sehr viele Mails bekommen. Zwei Drittel der Mailschreiber befürworten meine Haltung, eine Minderheit beschimpft mich als Sabbatschänder oder Antichrist.

Der Verwaltungsgerichtshof hält das Gesetz für eindeutig. Der Gesetzgeber habe dem Feiertagsschutz den Vorrang gegeben. Was macht Sie so sicher, recht zu haben?

Es war eine Eilentscheidung, materiell-rechtlich ist nichts entschieden. Wenn der Muttertag auf einen normalen Sonntag fällt, dürfen die Geschäfte statt drei Stunden sechs Stunden öffnen. Außerdem sieht das Gesetz vor, Ausnahmen zu genehmigen. Weil der nächste Muttertag aber erst 2035 wieder auf einen Pfingstsonntag fällt, wollen wir uns juristisch nicht weiter streiten. Es bleibt dabei: Ich kann den Bürgern als Oberbürgermeister von Bretten die Ungereimtheiten des Gesetzes nicht plausibel erklären: In Kur- oder Wallfahrtsorten gibt es den Muttertagsblumenverkauf. Fliegende Händler wird man gewähren lassen: Dass Bauern auf ihren Hofstellen am Sonntag nichts mehr verkaufen dürfen, ist ebenso inkonsequent.

Lehnen Sie den Schutz der Sonntagsruhe ab?

Überhaupt nicht! Die weitere Kommerzialisierung der Gesellschaft sollten wir bremsen. Das hat mit dem Verkauf von Muttertagsblumen aber auch gar nichts zu tun.

Haben Sie versucht, Ihre Einwände der Landesregierung vorzubringen?

Ja, natürlich, mehrfach. Ich habe auch vorgeschlagen, den Muttertag am 4. Mai stattfinden zu lassen, wie dies in einigen Kalendern angekündigt ist. Ich bin aber nur auf taube Ohren gestoßen. Als ich den CDU-Fraktionsvorsitzenden Stefan Mappus Anfang April auf einer Veranstaltung ansprach, verlief das Gespräch sehr unerquicklich. Der Fraktionsvorsitzende reagierte erregt. Es werde bei einem strikten Verkaufsverbot am Pfingstsonntag bleiben. Meiner Meinung nach ist es ein einmaliger Vorgang im Südwesten, dass Landtag und Landesregierung ein Gesetz so auslegen, wie es ihnen passt.

Das Gespräch führte Rüdiger Soldt.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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