Knut des Tages

Arroganter Rehbock

Von Marco Dettweiler

02. Mai 2007 Heute ist es an der Zeit, sich Gedanken über das Verhältnis von Mensch und Tier zu machen. Manche Menschen lieben Tiere. Sie halten sich Hunde, Katzen, Meerschweinchen oder Ratten. Sie pflegen, füttern und streicheln sie, suchen ständig ihre Nähe. Des Tieres Zuneigung ist den Tierliebhabern gewiss. Und daher sehen die meisten Tiere davon ab, sich ihrer Gefangenschaft zu widersetzen.

Hunde fügen sich aufgrund fehlender Willensstärke sowieso, Katzen pflegen zwar den Mythos eines eigenen Willens. Doch wenn es darauf ankommt, werden sie sich ebensowenig den Befehlen ihres Herrchen widersetzen wie das Meerschweinchen beim verführerischen Hofgang oder der Vogel beim verlockenden Freiflug.

Andere Menschen interessieren sich überhaupt nicht für das Wohl der Tiere. Sie essen Schwein, Rind und Lamm, rasen über die Autobahn ohne Rücksicht auf tierische Verluste. Ihre Abneigung zeigt sich zuweilen auch in Form einer Allergie. Grund genug also, um den gehassten Viechern nicht näher zu kommen.

Nur gut für den Erfolg

Im Reitsport haben Reiter und Pferd ein ganz besonderes Verhältnis, das manchmal an eine zwischenmenschliche Beziehung erinnert. Zweifelsohne gehört die ehemalige Liaison zwischen Deutschlands erfolgreichsten Reitsportler Hans Günter Winkler und seinem längst verstorbenen Olympiapferd Halla dazu. Beide mochten und verstanden einander, sie führte ihm zum Olympiasieg, er machte sie weltberühmt. Als sie ihm nicht mehr genügte, ließ er sie im Stall stehen und nahm sich ein neues, jüngeres Pferd.

Dass man noch nicht einmal einen Reiter braucht, um in die Medien zu kommen und zudem den Menschen als leicht zu überwindende Hürde benutzen kann, bewies ein Rehbock im schleswig-holsteinischen Preetz. Er wartete an einer Straße, bis ihn ein Motorradfahrer passierte, um dann „leichtfüßig zu einem Sprung“ anzusetzen und „den Zweiradfahrer wie ein Naturhindernis“ zu überspringen. Weil der Rehbock wohl noch in der Trainingsphase war, streifte er den Kopf des Motorradfahrers, worauf dieser das Gleichgewicht verlor und stürzte. „Glücklicherweise verletzte er sich dabei nicht“, versichert die Polizei, „aber das unwirklich anmutende Erlebnis wird ihm sicher noch lange in Erinnerung bleiben.“

Vielleicht wird sich der Biker auf die Suche machen nach diesem arroganten Rehbock, um ihm seine tierische Abneigung zu zeigen. Vielleicht wird er sich aber auch mit ihm anfreunden, um mit ihm eine Zirkusnummer einzustudieren. Und hoffentlich spricht sich diese Methode der Straßenüberquerung unter den Tieren herum. Es wäre allen zu wünschen.

Knut - es kann nicht nur einen geben! Auch andere Tiermütter haben knuddelige Babys. Ebenso verdient Menschliches abseits der großen Geschehnisse manchmal unsere Aufmerksamkeit. Nicht nur Ereignisse wie ein Besuch im Berliner Zoo können ans Herz gehen. FAZ.NET wird daher in loser Folge so lange den „Knut des Tages“ ausrufen, bis der kleine Eisbär erwachsen geworden ist. Dann - und nur dann - könnte er sogar selbst zum Knut des Tages werden.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: FAZ.NET

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