Bambi-Gala 2005

„Magdeburg ist eine schöne Stadt in Thüringen“

Von Bernd Mikosch

Jung, schön, prämiert: Julia Stegner

Jung, schön, prämiert: Julia Stegner

02. Dezember 2005 Das war sie also, die Gala zum „wichtigsten deutschen Medienpreis“. Viel zu schnell ging sie vorbei, fast wie im Flug, und doch blieb manches hängen. Wir haben viel gelernt an diesem Abend.

Wir wissen endlich, daß Veronica Ferres zuhause selbst putzt. Sie war „unendlich glücklich“, das Bambi sei eine „sensationelle Auszeichnung“, es „wird mir Kraft geben“. Sie bedankte sich artig bei „Herrn Professor Burda“ und der Jury und meinte mit Blick auf das goldene Rehkitz: „Ich werde es auch immer schön putzen.“

Sachsen-Anhalt aufgepaßt!

Wir haben gelernt, daß „Magdeburg eine schöne Stadt in Thüringen“ ist, wie die MTV-Moderatorin meinte. Sachsen-Anhalt aufgepaßt! Es geht um Deine Hauptstadt!

Wir haben auch einiges über das Selbstverständnis des Joseph Blatter erfahren. Wir dachten, der Fifa-Präsident vertritt den Fußball nur. Nein, er ist der Fußball: „Es ist eine große Ehre für mich und den internationalen Fußball, heute abend hier zu sein.“

Ein Bambi und acht Millionen für Bill Clinton

Wir haben gelernt, daß das Wort „sehr“ von Nicht-Muttersprachlern sehr häufig verwendet wird. Einer der Klitschko-Brüder herzte sein Bambi und meinte: „Sehr anerkannter Preis, sehr bekannt, nicht nur in Deutschland, sondern sehr weit.“

Wir wissen jetzt, was das Rote Kreuz mit überzähligen Spenden-Millionen macht: Es schenkt sie Bill Clinton. Von den zehn Millionen Dollar, die Michael Schumacher für die Tsunami-Opfer spendete, konnte die Organisation bisher nur zwei Millionen ausgeben. Über die restlichen acht Millionen freute sich Clinton grinsend. Seine Stiftung wird hoffentlich wissen, wohin mit dem ganzen Geld.

Öffentlich-rechtlicher Bildungsauftrag?

Wir haben erfahren, daß auch Promis Lampenfieber haben, was Live-Produktionen durchaus eine gewisse Spannung gibt. Moderatorin Bettina Zimmermann erwischte es gleich beim ersten Satz. „Guten Abend.“ Sekundenlange Pause. „Äh, heute abend ist allerdings auch ein Servus erlaubt, denn wir sind in München.“ Später am Abend sprach Boris Becker munter weiter, auch als der Einspielfilm über Deutschlands tollste Sportler längst lief. Und Yvonne Catterfeld wird froh sein, wenn sie wieder Telenovela-Drehbücher auswendig lernen darf und nicht mehr Mariah Carey loben muß: „Plattenvertrag? Ehevertrag? Wo war ich denn jetzt stehen geblieben?“

Nur eines, das bleibt uns nach wie vor ein Rätsel: Warum gibt es diese Veranstaltung? Warum verteilt ein Verlagshaus aus weitgehend undurchsichtigen Gründen künstliche Rehkitze an prominente Menschen? Und warum überträgt die ARD das alles? Ist das der öffentlich-rechtliche Bildungsauftrag? Um das zu erfahren, bleibt nur eines: Nächstes Jahr wieder einschalten.

Bei der Bambi-Verleihung 2005 wurden folgende Preisträger geehrt:

1. Bill Clinton (Charity)
2. Franz Beckenbauer (Milliennium-Bambi)
3. Uschi Disl, Meredith Michaels-Beerbaum, Vitali und Wladimir Klitschko, Timo Boll, Faris Al-Sultan, Michael Ballack (Sport)
4. Julia Stegner (Shooting-Star)
5. Karl Lagerfeld (Kreativität)
6. Bundeswehr, BKA-Identifizierungskommission, Technisches Hilfswerk (Engagement)
7. Theodor Hänsch (Wissenschaft)
8. Mariah Carey (Pop international)
9. Tokio Hotel (Pop national)
10. Veronica Ferres (Schauspiel)
11. Til Schweiger (Film national)
12. Joseph Blatter (Kommunikation)
13. Caterina Valente (Ehren-Bambi)
14. ZDF-Spendengala „Wir wollen helfen“ (Publikumspreis)

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb, REUTERS

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