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Liebe auf den ersten Klick

Von Catherine Hoffmann

Sehnsucht in Zeiten des Internet

Sehnsucht in Zeiten des Internet

08. August 2005 Nur eines erscheint noch schwieriger, als den Partner fürs Leben zu bekommen - ihn im Internet zu finden. Mehr als 2500 Singlebörsen, Datingportale, Partnervermittler und Seitensprung-Agenturen bieten online ihre Liebesdienste an. Das Angebot wächst beinahe täglich.

Vorbei sind die Zeiten, in denen Surfer und Chatter das Netz auf der Suche nach heißen Aktientips durchstreiften. Die Internet-Generation hat längst ein anderes Thema entdeckt: Liebe, Sex und Flirt. Sie baut die Datenautobahn zum Kontaktnetz aus für die Jagd nach den einsamen Herzen.

Balzplatz Internet

Das Vertrauen der Deutschen in die Mittlerdienste des Internets wächst. „Früher wurden wir mit Pornos und Prostitution assoziiert“, sagt Arndt Roller, Geschäftsführer von Parship, „heute sind wir akzeptiert.“ Beinahe ein Viertel aller Singles glaubt, daß man heutzutage seinen Partner im Internet kennenlernen kann. Zwar halten die meisten Partys, Diskos und Vereine noch immer für den erfolgversprechenderen Balzplatz.

Allerdings haben die virtuellen Singlebörsen längst klassische Kontaktanzeigen in Zeitungen und Zeitschriften überholt. Die Zahlen basieren auf einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Innofact im Auftrag der Partnerbörse Parship.

Wachsender Markt

Es ist normal geworden, im Internet anzubandeln. Weit mehr als 40 Prozent aller Singles haben bereits im Netz einen Partner gesucht. 20 Prozent können sich vorstellen, es in Zukunft auszuprobieren. Der Markt wächst, allein weil es immer mehr Einpersonenhaushalte in Deutschland gibt. In der Altersgruppe zwischen 18 und 69 Jahren lebt jeder fünfte allein.

Was noch vor ein paar Jahren belächelt wurde und peinlich war, wundert heute keinen mehr. Für viele ist Flirten im Internet zum Gesellschaftsspiel und Freizeitspaß geworden, über den man freizügig mit Freunden spricht. Das liegt ganz einfach daran, daß die neuen Medien tief in unseren Alltag eingedrungen sind. Surfen, E-Mails, Chatten sind längst selbstverständlich - zumindest für die Generationen bis Mitte vierzig, immer öfter aber auch für ältere Menschen.

Anbandeln im karierten Flanellanzug

Hinzu kommt, daß die Hauptzielgruppe der 35- bis 50jährigen beruflich stark eingespannt ist. „Viele haben keine Lust, sich nach einem anstrengenden Arbeitstag noch einmal anzuhübschen und auszugehen“, weiß Sabine Wery v. Limont, Psychologin und Single-Coach. Sie setzen sich lieber im karierten Flanellanzug vor den Computer und umwerben den Wunschpartner allein mit einfallsreichen Mails. Das ist bequem.

So bleibt man zunächst mal anonym und bewegt sich auf sicherem Terrain. „Die Wahrscheinlichkeit, daß man online als Mensch wahrgenommen wird ist viel größer als offline“, glaubt Wery v. Limont. Beim Baggern in der Bar werde man allzu schnell taxiert und in eine Schublade geschoben. Das Wichtigste aber: An der Flirtbörse haben alle das gleiche Ziel - sie wollen unbedingt jemanden kennenlernen.

Zu teuer für ein kurzes Abenteuer

Kontaktbörsen und Partnervermittlungen teilen sich den wachsenden Markt. Zur zweiten Gruppe gehört die Hamburger Agentur Parship. Seit fünf Jahren versucht sie, Paare mit Hilfe eines aufwendigen Psychotests zusammenzubringen. Angesprochen werden vor allem die 30- bis 60jährigen; ihnen soll eine glückliche und dauerhafte Beziehung vermittelt werden.

Gegen ein kurzes Abenteuer spricht allein schon der Preis: Wer sich sechs Monate bei der Partnersuche helfen lassen will, muß dafür 179 Euro zahlen. Die Partnerbörse Be2 verlangt für einen ähnlichen Service 146 Euro.

Frauen sind rar

Einfacher und oft auch billiger als die Partnervermittlungen sind Kontaktbörsen im Netz. Friend-scout24, Meetic, Ilove, oder Neu bieten ihre Dienste schon ab 7,99 Euro im Monat an. Ein Premiumangebot kostet aber auch hier 29,45 monatlich. Wer länger dabei- bleibt, kommt günstiger weg.

Da Frauen - wie in mancher Disco - oft rar sind, ist für sie die Kontaktaufnahme mitunter kostenlos, so zum Beispiel bei Meetic. Welche Börse nun den größten Erfolg verspricht, das ist ganz subjektiv.

Keine Garantie für das Liebesglück

Generell gilt natürlich: Je größer die Zahl der Mitglieder, desto größer die Chance, gute Leute kennenzulernen. Bei der Suche nach der passenden Plattform helfen Vergleichsdienste wie singleboersen-vergleich, flirtseiten-vergleich und flirtboersen-ranking. Eine Stiftung Warentest der Liebe sind sie freilich nicht.

Der Rechner soll der romantischen Liebe auf die Sprünge helfen. Klappt das? Eine Untersuchung der Universität Zürich belegt, daß immerhin 26 Prozent der Kontaktsuchenden im Internet einen festen Partner finden. Vor enttäuschten Erwartungen und Zurückweisung schützt die Maschine freilich nicht. Zwar kann man sich im Netz auch über Liebesschmerzen austauschen. Am Ende hilft aber nur jemand, der einen in den Arm nimmt.

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 07.08.2005, Nr. 31 / Seite 45
Bildmaterial: F.A.Z., F.A.Z.-Dieter Rüchel

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