Atlas Maior

Kartographie der Sehnsucht

19. August 2005 Zwischen 1662 und 1665 veröffentlichte der Amsterdamer Verleger Joan Blaeu einen Atlas, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hatte. Der „Atlas Maior“ umfaßte elf Bände, die die gesamte damals bekannte Welt in einer ungekannten Präzision zeigten. Neben den sehr genauen Karten fanden sich Darstellungen von Tieren und Pflanzen, und Blaeus Atlas galt bald als Standardwerk für Kapitäne, Forscher und andere Weltreisende.

Blaeu, der als Kartograph der „Veeinigden Oost-Indischen Compagnie“ Seekarten für die niederländische Handelsflotte herstellte, wollte aber nicht nur eine Orientierungshilfe für Reisende schaffen. Wenn wir eine Landkarte anschauen, schreibt er im Vorwort zu seinem Atlas, „überschreiten wir unbetretbare Berge, überqueren ohne Risiko Meere und Flüsse, ziehen ohne Wegzehrung um die ganze Welt, mit nicht zu zählenden Aussichten und berührenden Momenten“.

Katapultiert in die Welt des Barock

Das war keine Anleitung für die Reisenden, sondern eine Aufforderung an die Daheimgebliebenen, die Karte als Projektionsfläche zu benutzen und, ausgehend von den Linien und Namen auf der Karte, eine Reise voller „berührender Momente“ zu imaginieren. Noch heute funktioniert dieser Blick auf die alten Karten - und zur geographischen Distanz kommt die historische hinzu. Wer auf die alten Karten blickt, wird durch Raum und Zeit katapultiert: an ferne Orte und in die Welt des Barock.

Die gezeichneten, mit Darstellungen von Tieren und Menschen reich verzierten Länder und Inseln wirken wie erfunden - und fast erstaunt entdeckt man in den phantastischen Konturen Länder, die man kennt. Zur Neuauflage des größten und teuersten Reiseführers des Barock, der in diesen Tagen im bibliophilen Nachdruck erscheint, sind wir Blaeus Aufforderung gefolgt und haben die doppelte Reise angetreten: Eine Reise an die Orte, die noch heute die Sehnsüchte der Daheimgebliebenen wecken, und eine Reise in eine Vergangenheit, die Gegenwart war, als der Atlas vor 440 Jahren erschien.

Sämtliche Karten dieser Ausgabe entnehmen wir dem Nachdruck des „Atlas Maior“ aus dem Jahr 1665,

der jetzt im Taschen-Verlag erscheint. Er stützt sich auf ein Originalexemplar aus der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien.

Der Atlas hat 626 Seiten, zahlreiche Erläuterungen und kostet 150 Euro.

Sämtliche Karten entnehmen wir dem Nachdruck des „Atlas Maior“ aus dem Jahr 1665, der jetzt im Taschen-Verlag erscheint. Er stützt sich auf ein Originalexemplar aus der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien. Der Atlas hat 626 Seiten, zahlreiche Erläuterungen und kostet 150 Euro.



Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 14.08.2005, Nr. 32 / Seite V1
Bildmaterial: Taschen Verlag

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Jangtse

Auf dem Strom, den die Chinesen einfach nur Changjiang, „langer Fluß“, nennen, bleibt die Zeit stehen. Bisher. Denn bis 2010 wird der größte Staudamms der Welt das Aussehen des Jangtse erheblich verändern. Von Mark Siemons

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Die Masse hat Recht! Oder können fünfzehn Millionen Touristen etwa irren, wenn sie in Venedig den schönsten Fleck der Erde suchen? Von Dirk Schümer

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Wer sich nicht entscheiden kann, welche der Luxushotelinseln der Malediven er betreten mag, kann sich auf dem Four-Seasons- „Explorer“, einem Fünfsternehotel in Katamaranform, einbuchen. Von Barbara Liepert

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Dieses Erlebnis hat man wohl nur auf dem Hudson River: Durch Brooklyn, eines der geballtesten, aggressivsten Stadtquartiere der Welt auf einem Ausflugsdampfer zu schippern und sich kurz darauf als Entdecker zu fühlen. Von Tobias Rüther

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Chichiriviche, Venezuela

Die Inselchen in der Nähe des Fischerdorfes Chichiriviche sehen genauso aus, wie kleine Kinder Robinson-Inseln malen: ein runder Haufen weißer Sand mit drei Palmen in der Mitte. Von Peter Richter

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Europas nördlichster Hafenstadt hat schon mehrere Zerstörungen erlebt: 1809 durch die Engländer, 1890 durch eine Feuersbrunst, 1945 durch die abrückenden deutschen Besatzer. Die besondere Atmosphäre dieses Ortes konnte jedoch keiner zerstören. Von Kerstin Holm

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Cape Breton, Nova Scotia

Wer weit genug auf die Seenkette hinaussegelt, wird irgendwann den Wunsch des Erfinders Alexander Graham Bell verstehen, ein Leben lang gelassen über die „Bras d'or lakes“ zu schauen. Von Tilman Spreckelsen

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Bhutan

Das abgeschirmte Königreich ist das sogenannte Land des Drachens, an dessen Hochgebirgsspitzen die Täler mit ihren Bächen auf einem modernen Satellitenbild züngeln wie die Flüsse am See. Von Eckart Nickel

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In das Restaurant „The Caprice“ am Paradise Drive kommt man nicht wegen des Essens. Sondern weil der Blick auf die Golden Gate Bridge am Abend genauso ist wie der Straßenname: einfach paradiesisch. Von Heinrich Wefing

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Von wegen provinziell: Als an der Isar nur ein paar Bären traurig im Regen herumstanden, trieb man in Augsburg bereits fleißig Handel mit der ganzen Welt. Von Andreas Lesti

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Wer durch Devons Wiesen und Weiden streifen will, sollte an ein paar Dinge denken: Wachsjacke und Gummistiefel mitbringen und um Himmels willen niemals Kaffee bestellen. Von Andreas Kuther

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Kein Ort auf der Welt ist so verlockend: Oder wo gibt es sonst einen See, der so grün ist, als sei er gekachelt und ein Bergmassiv, das aus einer Traumlandschaft zu stammen scheint? Von Michael Winter

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Kurz nach Silvester sind die Yachten, die größer als der Hafen selbst sind, aus ihm verschwunden. Dann kann man sie endlich genießen, diese karibisch überhitzte Mischung aus Frankreich und einem bißchen New York und etwas Skandinavien. Von Niklas Maak

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Zermatt

Außer dem Matterhorn nichts geblieben. Dem Wahrzeichen, Stolz und Grund, warum der exklusive Ort Zermatt von heute nichts mehr mit dem Walliser Bergdorf von 1665 zu tun hat. Von Andreas Lesti

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