Von Katharina Iskandar
08. Mai 2008 Bekannt geworden ist der Fall am Montag. Ein Mann erstattete Anzeige, weil Unbekannte von seinem Konto Geld abgehoben hatten - aus zunächst unerklärlichen Gründen waren sie in den Besitz seiner Bankdaten und der dazugehörigen PIN gelangt. Dann häuften sich die Anrufe. Immer mehr Menschen meldeten sich bei der Polizei, weil ihr Konto quasi leergeräumt worden war. Inzwischen sind es mehr als hundert, und die Anrufe, hieß es, hörten nicht auf.
Fest steht inzwischen, dass die Anrufer Opfer einer Skimming-Bande geworden sind. Alle hatten im selben Baumarkt in Mainz eingekauft und mit Karte gezahlt - ohne zu bemerken, dass das Lesegerät zuvor manipuliert worden war. Beim Bezahlen wurden die auf der Karte gespeicherten Daten abgelesen, der PIN wurde beim Eintippen gleich mit erfasst. Die Täter hoben das Geld später in Italien oder Rumänien ab.
BKA: 459 Skimming-Fälle im vergangenen Jahr
Ersten Erkenntnissen zufolge waren die Täter vermutlich schon Mitte April in den Markt eingebrochen und hatten sich an dem Lesegerät zu schaffen gemacht. Der Modus Operandi erinnert an einen ähnlichen Fall, der sich im November in einem Baumarkt in Hofheim ereignet hat. Auch dort waren Unbekannte eingebrochen und hatten ein Lesegerät an der Kasse manipuliert. 560 Geschädigte wurden nach Angaben der Frankfurter Staatsanwaltschaft um insgesamt 1,4 Millionen Euro gebracht. Die Polizei vermutet nun, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Fall in Mainz und dem in Hofheim gibt.
Über die Täter ist bislang wenig bekannt. Skimming-Fälle sind in der Vergangenheit immer wieder aufgetaucht, heißt es beim Bundeskriminalamt, das die Ermittlungen aufgenommen hat. Vorwiegend haben die Täter Bankautomaten manipuliert, allein im vergangenen Jahr waren es 459 Fälle, die der Polizei bekannt geworden sind. Dass sich die Täter nun auch auf Zahlterminals im Einzelhandel konzentrierten, sei ein relativ neues Phänomen, sagt Sandra Clemens, Sprecherin beim BKA.
Unabhängig von dem Fall in Mainz, warnt die Behörde noch vor einer anderen Vorgehensweise, die von den Tätergruppen ebenfalls erst seit kurzem angewendet wird: In zahlreichen Fällen wurden die Kartenschlitze statt am Automaten an den Eingängen von Kreditinstituten manipuliert. Das BKA rät, wenn möglich zum Türöffnen eine andere Karte zu benutzen als die, mit der später das Geld abgehoben wird. Die Tätergruppen sind laut Clemens professioneller geworden. Sie passen sich schnell den neuen Sicherheitsentwicklungen an.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp
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