Ermittlungen wegen Korruption

Fußballprofis sollen Führerschein gekauft haben

09. Mai 2008 Mehr als 50 Fußballprofis, vorwiegend aus Südamerika, haben nach Angaben der Staatsanwaltschaft Braunschweig einen deutschen Führerschein ohne ordnungsgemäße Prüfungen erhalten. Sie sollen dafür Geld gezahlt haben. Die Polizei habe umfangreiche Korruptions-Ermittlungen gegen einen Fahrlehrer aus Bad Gandersheim und dessen fünf mutmaßliche Komplizen vorerst abgeschlossen, sagte am Freitag in Braunschweig ein Sprecher der Ermittlungsbehörde und bestätigte einen Bericht der „Bild“-Zeitung. Eine Entscheidung über eine Anklage wolle man im Laufe des Jahres treffen.

Gegen die Fußballer, die vereinfacht Führerscheine bekamen, wurde bislang nicht ermittelt, wie es weiter hieß. Diese hätten zum Teil bereits einen ausländischen Führerschein besessen, sagte Staatsanwalt Joachim Geyer. „Ein vorsätzlicher Verstoß gegen deutsche Gesetze ist nur schwer nachweisbar“, betonte er.

Ermittlungen wegen Bestechlichkeit

Die Ermittlungen gegen Fahrlehrer wegen Bestechung und Bestechlichkeit wurden Ende 2006 aufgenommen. Nach Angaben des Staatsanwalts richten sie sich mittlerweile auch gegen drei Fahrprüfer des TÜV, einen Optiker und einen Mitarbeiter einer gemeinnützigen Hilfsorganisation.

Den Fußballprofis solle die deutsche Fahrerlaubnis gegen Geldzahlungen, aber ohne ordnungsgemäße praktische oder theoretische Prüfung, zum Teil auch ohne Sehtest oder Erste-Hilfe-Kurs ausgestellt worden sein, sagte Geyer. Je nach Fallkonstellation hätten eine, mehrere oder alle Voraussetzungen für die Fahrerlaubnis gefehlt. Man sei offenbar in der Lage gewesen, den Führerscheinbewerbern ein Rundumpaket zu liefern.

Die Verteidiger der sechs Beschuldigten haben mittlerweile Einsicht in die Ermittlungsakten erhalten. In den Akten befindet sich auch ein Ermittlungsbericht der Polizei. Laut „Bild“-Zeitung enthält der Bericht die Namen prominenter Fußballer aus einem halben Dutzend Bundesliga-Vereinen und spricht von Zahlungen in niedrigem vierstelligen Euro-Bereich. Staatsanwalt Geyer sagte lediglich, es seien Fußballer aus allen deutschen Profiligen betroffen.



Text: AP
Bildmaterial: AP, ddp

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