Verbrechen

Angeklagter gesteht Tötung Jakob von Metzlers

11. April 2003 Im Mordprozess Jakob von Metzler hat der Angeklagte Magnus Gäfgen gestanden, den Frankfurter Bankierssohn getötet zu haben. Am ersten Verhandlungstag hatte das Landgericht Frankfurt am Main alle früheren Geständnisse für nichtig erklärt, weil die Polizei den Angeklagten mit Gewaltdrohungen unter Druck gesetzt hatte. Als Motiv für die Entführung nannte Gäfgen Geldbedarf wegen seines aufwändigen Lebensstils mit seiner Freundin.

Der Angeklagte schilderte, wie er den Jungen zunächst unter einem Vorwand in seine Wohnung gelockt und dort erst über seinen Mund und später auch über seine Nase Klebeband geklebt habe. „Ich habe die Hand auf sein Gesicht gepresst, und dann ist er ruhig gewesen“, sagte der 28-Jährige. Jakob habe sich gewehrt und sich nicht beruhigt, nachdem er ihm zunächst nur einen Streifen auf den Mund geklebt und ihn auf den Boden gelegt habe, sagte der Angeklagte weiter. Da habe er nicht gewusst, was er tun solle. Aber er habe Ruhe haben müssen. Danach legte er den kleinen Jakob in seine Badewanne. Er habe ihn dort auch noch einmal unter Wasser gedrückt, „weil ich sehen wollte, ob er noch lebt.“

Vorwurf der Entführung, des Mordes und der Erpressung

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 28-Jährigen vor, den Sohn der Bankiersfamilie Metzler am 27. September 2002 auf dem Heimweg von der Schule entführt und ermordet zu haben. Danach soll er versucht haben, eine Million Euro von den Eltern zu erpressen.

Das Gericht hatte am ersten Verhandlungstag alle früheren Geständnisse Gäfgens für nichtig erklärt, weil die Polizei ihn mit Gewaltdrohungen unter Druck gesetzt hatte. Der stellvertretende Frankfurter Polizeipräsident Wolfgang Daschner, gegen den inzwischen ein Ermittlungsverfahren läuft, hatte die Drohungen damit begründet, dass die Polizei damals befürchtet habe, Jakob könne bei einem weiteren Zeitverzug sterben. Mit dem neuen Geständnis bleibt dem Gericht ein Indizienprozess und der Familie Metzler ein Auftritt im Zeugenstand erspart.

"Das habe ich nicht gewollt"

„Dass er jetzt tot ist, damit muss ich leben. Daran habe ich die Schuld, aber ich habe es nicht gewollt", sagte Gäfgen. „Ich wäre der allererste, der sein Leben dafür geben würde, wenn Jakob seines dafür zurückbekommen könnte" und „Ich kann nur sagen, wie leid es mir tut.“ Gäfgen beschrieb sich als schüchternen Menschen ohne echte Freunde, der vom Vater mit Geld knapp gehalten worden sei, katholische Jugendgruppen geleitet und von einer Eigentumswohnung geträumt habe. Schon mit 16 habe er dafür einen Bausparvertrag abgeschlossen. Die Sitzung wurde mehrfach unterbrochen, weil Gäfgen in Tränen ausbrach.

Alle seine Wertvorstellungen und Ziele hätten sich aber verändert, als er in einer Clique wohlhabender Jugendlicher Aufnahme gefunden und deren Reichtum und Möglichkeiten erlebt habe, sagte der Angeklagte. Diese neuen Freunde seien Menschen gewesen, „die viel befreiter auftreten und durchs Leben gehen als ich selbst, die wissen, dass ihnen die Welt offen steht". Mit ihnen sei er auf die Anwesen ihrer Eltern in ganz Europa gereist und habe eine neue Welt erlebt, in der eine Flasche Wodka in der Nobeldisko auf Ibiza schon mal 300 Dollar kosten durfte. Außerdem habe er mit der wesentlich jüngeren Katha zum ersten Mal eine Freundin gehabt. Er habe sie für ihr Selbstbewusstsein bewundert, sagte Gäfgen. Sie habe ihm klar gemacht, dass für sie nur ein reicher Mann in Frage komme.

Straftaten zur Geldbeschaffung

Um der Clique und Katha zu imponieren, habe er weit über seine Verhältnisse gelebt und sich immer mehr in Lügen verstrickt. „Ich hatte Angst, aus dem Freundeskreis herauszufallen, wenn ich nicht mithalte.“ Nach und nach habe er Sparverträge aufgelöst und Aktien verkauft, insgesamt 30.000 bis 60.000 Mark seien am Ende weg gewesen. Als ihm klar geworden sei, dass seine Ersparnisse am Ende waren, habe er begonnen, zur Geldbeschaffung über Straftaten nachzudenken.

Nach anfänglichem Schwanken seien die Pläne zur Beschaffung von Geld konkreter geworden. „Es war mir sehr schnell klar, dass es eine Sache sein muss, die mit einem Mal, mit einem Schlag mein Dilemma beendet", sagte Gäfgen. Ohne Kontakte zur Halbwelt sei indes ein größerer Banküberfall nicht in Frage gekommen. Im Scherz habe dann ein ihm bekannter Börsenmakler in einem Cafe eine Entführung ins Gespräch gebracht, wodurch er auf Jakob von Metzler gekommen sei. „Mietet euch einen VW-Bus, nehmt einen Kartoffelsack, und ihr habt doch die Elena (von Metzler) in der Klasse", habe der Bekannte gescherzt. Gäfgen fügte allerdings hinzu, er wolle niemanden die Verantwortung für seine Tat zuschieben. „Ich möchte klarstellen, dass ich mich mit alledem nicht herausreden will, dass ich niemand anderem einen Vorwurf mache und dass nur ich allein die Schuld habe.“



Text: @cop
Bildmaterial: dpa/dpaweb

 
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