Atlas Maior

Jangtse

Von Mark Siemons

16. August 2005 Auf dem Strom, den die Chinesen einfach nur Changjiang, „langer Fluß“, nennen, bleibt die Zeit stehen. „Drei Sonnenaufgänge über dem Gelben Ochsen“, schrieb der Tang-Dichter Du Fu über eine der berühmten Schluchten des Jangtse: „Drei Sonnenuntergänge - / Und wir fahren so langsam. / Drei Sonnenaufgänge - wieder drei Sonnenuntergänge - / Und wir bemerken nicht, daß unser Haar weiß geworden ist wie Seide.“ Und plötzlich ist der Jangtse, der mit seinen Nebeln, Felsen und Wasserfällen jahrtausendelang ein Hauptreservoir der Mythen und Schönheitsvorstellungen des Landes war, doch noch von der Zeit eingeholt worden: in Gestalt des größten Staudamms der Welt nämlich, eines wahrhaft titanischen Projekts, das bis 2010 das Aussehen der wichtigsten Passagen erheblich verändert haben wird.

So können Reisende, die heute eine Kreuzfahrt auf dem Jangtse machen, den Strom als Bild der gesamten Umwälzungen des neuen China nehmen und darüber rätseln, ob die Veränderungen noch etwas Chinesisches übriglassen oder am Ende selbst das eigentlich Chinesische sind. Schön ist es hier ohnehin.

Bildmaterial: Taschen Verlag

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