
Muschelförmig: Im „Art Space“ stellt der Kölner Künstler Florian Kuhlmann seine digitalen Collagen aus.
Der Kölner Künstler Florian Kuhlmann alias Lance Kanno stellt seine Werke gleichzeitig in Second Life und der realen Welt aus. Im Gespräch mit den Second-Life-Journalisten Friederike Barzane und Shanta Fargis äußert sich Kuhlmann zu den Ausstellungsbedingungen in der virtuellen Welt.

Künstler, Besucher und Galerist: Lance Kanno alias Florian Kuhlmann begrüßt seine Gäste als Fuchsavatar
Mal sehen, ob ich so bleibe (verwandelt sich in einen Roboter, entscheidet sich dann aber für den Fuchskopf).
Es macht Spass, ist aber bisher nicht Antrieb der Arbeit gewesen. In meinen wichtigen Second-Life-Projekten war ich auch immer per Video als reale Person zu sehen. Vielleicht bekommt Lance Kanno auch mal ein Eigenleben; er macht ja auch eigene Kunst, die ist wiederum auf seiner Myspace-Seite im Internet zu sehen.
Der rote Faden meiner Arbeit als Künstler ist der Hybridspace, die Verbindung zwischen Wirklichkeit und Virtualität.
Ja, das sind Fotos der Demo von Wut aus dem Jahr 2005. Das war mein erstes Happening. Der Betrachter braucht manchmal ein bisschen, um die Pointe zu sehen und zu verstehen. Was mich interessiert, ist, nicht zu wissen, was realer ist - die Wirklichkeit oder diese zweite Welt.

Der Künstler betrachtet sein eigenes Werk: Lance Kanno lädt seine in der "realen Welt" gefertigten Collagen ins zweite Leben hoch
Exakt, schon wenn wir jetzt darüber reden, fällt immer wieder auf, dass es Schwierigkeiten gibt - immer noch - mit den Begriffen: was real, was virtuell zu nennen ist. In gewisser Weise ist das hier ja auch real, nur eben nicht physisch; es ist nicht greifbar. Neulich bin ich zum Beispiel im Park gejoggt und dachte, als ich auf der anderen Seite Leute stehen sah, dass ich doch mal eben rüberlaufen könnte, um sie zu begrüßen - so wie ich es sofort in Second Life tun würde. Es war nur ein Bruchteil einer Sekunde, bevor mir klar wurde, dass das im ersten Leben nicht möglich ist. Das zweite Leben bekommt in einem solchen Moment eine Form von Realität. Es ist real für mich. Eindeutige Antworten gibt es in dieser Sache aber nicht.
Ja, genau. Zum anderen ist es natürlich eine tolle Chance, als junger Künstler dabei zu sein, wenn ein neues Medium entsteht, gerade wenn man, wie ich, ohnehin schon seit acht Jahren mit Netzen und Computern Kunst macht. Second Life bietet neue Chancen und Möglichkeiten, die es künstlerisch auszuloten gilt. Und dann ist es reine Neugier. Aber die wichtigste Frage bleibt, welche Form von Realität wir hier in Second Life vor uns beziehungsweise gerade um uns herum haben? Ist es also eine Erweiterung des Realen oder einfach nur ein dreidimensionaler Chat-room?
Naja, schon bei der Beschreibung des Umfelds in Second Life bekommen wir sprachliche Probleme und benutzen sofort Begriffe, die wir gewohnt sind in der ersten Welt zu benutzen, räumliche Begriffe wie oben und unten. Das sind sehr spannende Momente und natürlich ein perfektes Arbeitsumfeld für Künstler.
Hier ist ja in dem Sinne keine Materie mehr vorhanden, sondern nur noch Idee, Konzept, Virtuelles. Ich sehe es als Künstler unter dem Gesichtspunkt der Erweiterung. Ohne dass das Physische, Materielle oder Reale verschwindet, entsteht eine hybride Welt; sie wird sichtbar. Technologie durchdringt unseren Alltag immer mehr, das birgt Chancen und Risiken.

Doppelexistenz: Der reale Florian Kuhlmann auf einer Videoleinwand während des Geprächs mit seiner Besucherin
Hybrid steht für mich für eine Vermischung von virtuellem, medialem und realem Raum. Allein der Prozess der Zusammenarbeit der vergangenen Tage, also der Aufbau dieser Ausstellung war außergewöhnlich. Die Kommunikation lief über Telefon, Videoskype (Internet-Telefon mit Webkamera), Chat und Second Life. Wobei man sagen muss, dass mein Galerist und ich uns noch nie begegnet sind, und trotzdem haben wir bereits gemeinsam eine ganze Ausstellung realisiert.
Ob Sie es glauben oder nicht, zu guter Letzt bewährt sich die Kommunikation im Medium Second Life: Handlungen passieren, die man sonst nur aus der nicht-medialen Realität kennt, mit einem Mal auch hier. Und dann ist das Entscheidende, dass wir das Projekt in der Wirklichkeit nicht so leicht und kostengünstig hätten umsetzen können.
Doch, irgendwie schon. Man erkennt sogar intuitiv, was der andere für eine Person ist, fast wie bei zufälligen Straßenbegegnungen. Aber ich bringe ja auch meine reale Person mit ein, was eigentlich gegen die Netiquette (Netz-Etikette) von Second Life verstößt. Viele der Avatare haben gar keine Angaben zum ersten Leben in ihrem Profil.
Die Fragen stellten Swantje Karich und Thomas Thiel.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Second Life
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