18. November 2004 Einer der anspruchsvollsten und zugleich unterhaltsamsten Musiksendungen des deutschen Fernsehens droht das Aus: Nach Informationen der Musikzeitschrift Spex beendet Viva Fast Forward mit Charlotte Roche.
Laut Spex fällt die Sendung den Programmreformen bei Viva zum Opfer; im Dezember solle die letzte Ausgabe ausgestrahlt werden. Fast Forward war innerhalb des weitgehend seelenlosen, infantilisierten Musikfernsehens eine letzte Oase der unkommerziellen Klänge und der Individualität.
Das lag vor allem an der Moderatorin Charlotte Roche, die mit umfangreichen Kenntnissen ihren heiligen Respekt vor der alternativen Musik demonstrierte, zugleich aber nichts und niemanden ernster nahm als nötig - schon gar nicht Leute mit dem Label Superstar. Und während den meisten VJs bei Viva und MTV Sprache als notwendiges Übel erscheint, dessen Grundkenntnisse man beherrschen muß, um auf dem Bildschirm das glatte Gesicht zeigen zu dürfen, erfreute Charlotte Roche mit der dank zweisprachiger Erziehung erworbenen Fähigkeit, wortgewandte, geistreiche und witzige Interviews auf englisch wie auf deutsch zu führen. In diesem Jahr erhielt Charlotte Roche für Fast Forward den Grimme-Preis.
Man wünsche sich, daß die wunderbare Chefrevolutionärin und mittollste Frau der Welt überhaupt bald ein ebenso erstaunliches Comeback im regelmäßigen TV-Betrieb (oder wo auch immer) ankündigt, wie ihr geschätztes Vorbild (?) Harald Schmidt, heißt es auf der Homepage von Spex. Dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Vielleicht nur, wenn wir schon mal beim Thema sind, die leider gänzlich unbegründete Hoffnung, die ARD würde sich auch für die Schmidt-freien Spätabende noch etwas Schönes ausdenken.
Text: @jöt
Bildmaterial: AP
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