Film

Erntedankfest ohne Leni

20. November 2002 Ein angeblicher Kurzfilm der Regisseurin Leni Riefenstahl stammt nach Ansicht von Fachleuten doch nicht von der berühmten Dokumentarfilmerin. Nach Recherchen des „Hauses des Dokumentarfilms“ in Stuttgart wurde der sieben Minuten lange Farbstreifen mit dem Titel „Das deutsche Erntedankfest 1934 auf dem Bückeberg“ von der Ufa produziert und von Kurt Waschnek gedreht. Dies werde unter anderem durch einen Zeitungsartikel vom Dezember 1934 belegt.

Der Münchner Dokumentarfilmer Maurice Philip Remy, der den Film im Rahmen seiner Recherchen zum ARD-„Rommel“-Dreiteiler der 100-jährigen Leni Riefenstahl zugesprochen hatte, sei mit den neuen Erkenntnissen „einverstanden“, teilte das „Haus des Dokumentarfilms“ der dpa am Mittwoch mit.

Stilbruch

Das farbige Fragment, das im Bundesarchiv-Filmarchiv Berlin liegt, war bislang auf 1937 datiert worden. Es wurde aber nach übereinstimmender Meinung von Remy und den Stuttgarter Experten schon beim Reichsbauerntag 1934 gedreht. Der Film zeigt nach Ansicht der Fachleute unter anderem die erste Begegnung von Erwin Rommel mit Adolf Hitler in Goslar. In einem zeitgenössischen Artikel war angekündigt worden, dass auch Leni Riefenstahl mit einem Team drehen würde. Deshalb war Remy davon ausgegangen, dass es sich um einen Film von ihr handeln müsse.
„Uns hat aber zum einen gewundert, dass Riefenstahl nur drei Wochen nach ihrem Reichsparteitagsfilm 'Triumph des Willens' nicht mehr schwarz-weiß, sondern in Farbe drehen sollte“, erklärte Kay Hoffmann vom „Haus des Dokumentarfilms“. Zum anderen „hätte der Film auch stilistisch nicht zu Riefenstahl gepasst“.

Der Artikel aus dem Jahr 1934 geht detailliert auf die Szenen des „Kulturfilms“ von Waschnek ein, beschreibt die mit Blumen und Fahnen geschmückte „Reichsbauernstadt Goslar“, den Festakt mit Einzug der Fahnen und Standarten und den Auftritt Hitlers inmitten in der Menge. „Es ist ein Waschnek-Film, eventuelle Riefenstahl-Aufnahmen müssen weiterhin als verschollen gelten“, sagte Hoffmann, der zur Zeit in einem Projekt die Geschichte und Ästhetik der ersten fünfzig Jahre des dokumentarischen Films erforscht.

Text: dpa

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