Der Künstler als Messegast

Alles Canossa!

Die Art Basel gibt sich grenzenlos, doch Künstler gibt es auf Messen nur in limitierter Anzahl.

Die Art Basel gibt sich grenzenlos, doch Künstler gibt es auf Messen nur in limitierter Anzahl.

11. Juni 2007 Der Künstler auf einer Kunstmesse: Da beschleiche einen doch ein ähnliches Gefühl wie einst in der fernen Kindheit, als man mitten in der Nacht ins Schlafzimmer der Eltern geflüchtet sei und an deren Mienenspiel in einer Nanosekunde wahrgenommen habe, dass man hier im Moment überhaupt nicht hingehöre, soll John Baldessari geäußert haben. Claes Oldenburg zugeschrieben wird zum Thema Künstler und Kunstmesse hingegen der eher drastische Vergleich mit einem Rind, das eine Besichtigungstour durch den Schlachthof machen müsse.

Und Tobias Rehberger begibt sich allenfalls auf eine Moderne-Messe, um nach einer eigenen Arbeit zu sehen - freilich nicht ohne für den Hin- und Rückweg virtuelle Scheuklappen anzulegen: Die riesige Anzahl von Einzigartigkeiten zur Rechten wie zur Linken würde ihn sonst allzu sehr deprimieren, wie er sagt. Eine gute Kunstmesse sei immer noch sehr viel besser als eine schlechte Biennale, ist die Meinung von Maurizio Cattelan, zumal Messen mit ihrem kompletten Angebotspaket, inklusive sogar eines ausgedehnten Nightlifes, heute zunehmend wie Clubs Méditérannées der Kunst auf ihn wirkten. Für ihn seien Kunstmessen wie Outlets und Biennalen wie Kataloge - zwei Ereignisse, die sich mehrfach überlappen.

Prestigefördernde Auftritte

Dass der Spaßfaktor auch bei Biennalen durchaus von einiger Bedeutung ist, war während der Eröffnungstage in Venedig jetzt wieder sehr schön zu beobachten. Immerhin scheinen die Feste, bei denen sich namhafte Maler oder Bildhauer plötzlich in der Rolle eines - das Prestige des Gastgebers natürlich enorm hebenden - Tafelaufsatzes wiederfinden, nicht gänzlich ununterscheidbar zu sein. Und so merkte es ein prominenter Künstler doch schon nach ein paar Minuten, dass das Wassertaxi ihn versehentlich zu einem ganz falschen Palazzo am Canal Grande gefahren hatte und er keineswegs beim feinen Prada-Abendessen als gefeierter Ehrengast gelandet war, sondern als weiter nicht beachteter Teilnehmer bei der lauten und vergnügten Feier des ukrainischen Biennale-Pavillons.

Ein neuer Trend ist es offenbar, den an sich naheliegenden und der Realität durchaus entsprechenden Eindruck des Besuchers, dass es bei einer Messe eigentlich nur darum geht, Kunstwerke zu verkaufen, am liebsten möglichst wirkungsvoll zu verschleiern - als ob die Verbindung von Kunst und Kommerz etwas ganz Böses sei. So wirken manche Kunstmessen wie museale Ausstellungen; andere bieten neben viel Spaß auch viel Diskurs: Hier sind wieder die Künstler gefragt, die sich, wie es scheint, auch sehr gerne bei Vorträgen und Podiumsdiskussionen über das Woher, Wie und Warum ihrer Produktion auslassen. Und hier haben wir als Publikum auch garantiert echte Künstler vor uns, die wir auf der Messe schon so oft vergeblich gesucht haben.

kcd.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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