28. August 2003 Die Hamburger Kunsthalle hat für die Rückgabe des vor neun Jahren geraubten Bildes Nebelschwaden des Romantikers Caspar David Friedrich kein Geld bezahlt. Das teilte die Kunsthalle am Donnerstag in Hamburg mit. Vielmehr habe ein Vermittler das Gemälde wieder beschafft.
Das Bild war 1994 aus der Schirn Kunsthalle in Frankfurt gestohlen worden. Anfang dieses Jahres meldete sich ein Mittelsmann bei der Kunsthalle, um seine Mithilfe bei der Rückführung des Bildes anzubieten, heißt es in einer Mitteilung der Kunsthalle. Er habe nachweisen können, über die notwendigen Kontakte zu verfügen und 1,5 Millionen Euro Lösegeld und 250.000 Euro Vermittlungsgebühr gefordert. Die Kunsthalle lehnte die Forderung ab, hielt den Kontakt in Abstimmung mit der ermittelnden Staatsanwaltschaft in Frankfurt jedoch aufrecht.
Aufwandsentschädigung
Die Kunsträuber reduzierten ihre Forderung immer weiter, zuletzt auf 250.000 Euro Aufwandsentschädigung. Im Juli erklärte der Vermittler, er habe das Bild selbst in Besitz genommen. Damit konnte der Anspruch auf Herausgabe einer Person zugeordnet werden, mit allen straf- und zivilrechtlichen Konsequenzen. Am Dienstag nachmittag habe der Mann dann angerufen und gesagt, er wolle das Bild ganz schnell auch ohne Gegenleistung loswerden. Daraufhin habe er es um 17.30 Uhr in der Frankfurter Schirn Kunsthalle abgeliefert, sagte Kunsthallen-Vorstand Tim Kistenmacher. Museen sind nicht erpreßbar und es gibt keinen Markt für Diebesgut aus Museen, heißt es in der Erklärung der Hamburger Kunsthalle.
Die Frankfurter Polizei war nach eigenen Angaben bei der Übergabe nicht zugegen. Die Person sei namentlich ermittelt. Ob es Festnahmen im Zusammenhang mit dem Kunstraub gab, konnte Kistenmacher nicht sagen. Auch kriminaltechnisch wurde das Bild bislang nicht untersucht. Von dem Bild aus dem Jahr 1820 mit einem Versicherungswert von 1,9 Millionen Euro wurden lediglich der Rahmen und das schützende Glas entfernt. Ansonsten muß das Bild sehr sorgfältig behandelt worden sein, sagte Schneede. Ab Dienstag wird es wieder in der Sammlung Alter Meister der Kunsthalle zu sehen sein.
Am Donnerstag morgen hatte die Kunsthalle bekanntgegeben, daß das Bild wieder in ihrem Besitz sei. Das Werk ist seit heute wieder in unserem Haus und wurde bereits auf seine Echtheit überprüft, so eine Sprecherin. Das damals von Hamburg an Frankfurt entliehene Gemälde wurde am 28. Juli 1994 bei einem spektakulären Kunstraub in der Ausstellung Goethe und die Kunst in der Schirn geraubt. Die Räuber hatten sich in dem Museum einschließen lassen, einen Wachmann überwältigt und die Gemälde von den Wänden geschraubt.
Turner-Werke auch zurück
Bei dem Coup stahlen sie drei Meisterwerke im Versicherungswert von insgesamt 70 Millionen Mark: Das 1820 entstandene, 32,5 mal 42,4 Zentimeter messende Ölgemälde des deutschen Romantikers Friedrich (1774-1840) sowie zwei Bilder des englischen Malers William Turner (1775-1851), Schatten und Dunkelheit und Licht und Farbe, beides Leihgaben der Tate Gallery in London. Die beiden Turner-Werke wurden der Tate Gallery bereits im Dezember 2002 zurück gegeben.
Tate-Direktor Sir Nicholas Serota wollte damals keine Details zur Auffindung der Bilder nennen. Über einen Vermittler habe es seitdem Verhandlungen der Hamburger Kunsthalle zur Rückgabe des Caspar-David-Friedrich-Werkes gegeben. In der Vergangenheit waren aber immer wieder Vermutungen aufgetaucht, eine serbische Organisation stecke hinter dem Verschwinden der Bilder. Zwei Räuber und ein Hehler wurden im Februar 1999 in Frankfurt zu Haftstrafen zwischen zweieinhalb und elf Jahren verurteilt. Hinweise auf die Hintermänner und den Verbleib der Bilder hatte der Prozeß nicht ergeben.
Text: dpa/ddp
Bildmaterial: dpa
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