17. April 2003 Der als Nazi-Jäger weltbekannte Simon Wiesenthal hat seinen Rückzug in den Ruhestand angekündigt. In einem am Donnerstag vorab veröffentlichten Interview des Wiener Wochenmagazins Format sagte Wiesenthal, seine Arbeit sei getan.
Die Massenmörder, die ich suchte, habe ich gefunden", sagte der 94-Jährige. Er habe sie überlebt. Wenn es welche gäbe, die ich nicht gesucht habe, sind sie heute zu alt und gebrechlich, um vor Gericht zu stehen", fügte er hinzu.
Als Gründer und Leiter des Wiener Dokumentationsarchivs des Bundes jüdischer Verfolgter des NS-Regimes widmete Wiesenthal nach seiner Befreiung aus dem KZ Mauthausen sein Leben der Suche nach NS-Verbrechern. Er half mit, mehr als tausend ausfindig zu machen, unter ihnen Adolf Eichmann, der die Judentransporte in die Vernichtungslager organisierte.
Auf Wiesenthals Recherchen ging auch die Verhaftung des Kommandanten des KZ Treblinka, Franz Stangl, zurück. Als wichtigsten österreichischen NS-Verbrecher, der bislang nicht gefasst wurde, nannte Wiesenthal in dem Interview Alois Brunner, der als Eichmanns rechte Hand galt. Brunner werde in Syrien vermutet, wenn er noch lebe, sagte Wiesenthal. Wiesenthal wurde in Buczacz in Galizien geboren, das damals zu Österreich-Ungarn gehörte und heute in der Ukraine liegt. Von Beruf ist er eigentlich Architekt.
Text: Reuters
Bildmaterial: CTK