Wellenreiter

Soviel Information für den Augenblick

Von Fridtjof Küchemann

11. April 2005 Jonathan Betz freut sich. Der junge Mann ist Softwareexperte bei „google.com“, und er freut sich, den Nutzern des Marktführers unter den Internet-Suchmaschinen den neuen Dienst „Google Q&A“ vorstellen zu können.

Aus dem ganzen Internet, schreibt Jonathan Betz im „Google Blog“ (www.google.com/googleblog), hat er mit seinen Mitarbeitern Fakten zusammengetragen, um besagten Nutzern den schnellstmöglichen Zugriff auf die Informationen zu bieten, die sie jeden Tag benötigen. Einfach eine Frage ins Suchfeld der üblichen Google-Seite eingeben, und schon erscheint die Antwort in Grün vor den gewohnten Verweisen auf die passenden Internetseiten.

Nun ist das im Internet mit den Fakten, also mit gesicherter Information, so eine Sache. Und mit dem Zusammentragen auch. Wie viele Monde hat eigentlich der Uran? Siebenundzwanzig. Stimmt. Wie heißt noch mal schnell der Präsident der Vereinigten Staaten? George W. Bush. Genau. Und wer ist Prinz Charles? Der CEO von Citigroup.

Gerührt und geschüttelt

Knapp daneben. Der Vorstandsvorsitzende des größten Finanzdienstleisters der Welt heißt Charles Prince. Und die Online-Enzyklopädie Wikipedia, auf deren Eintrag sich der Google-Alleswisser bezieht, hat in dessen Biogramm nicht einmal den Nachnamen vorangestellt. Kein Flüchtigkeitsfehler der Suchmaschine also, nicht einfach ein übersehenes Komma, sondern ein echter Fehlgriff, gerührt und geschüttelt für die Informationshungrigen im Google-Schnellimbiß.

Ein kurzer Test der Zukunftsfähigkeit von „Google Q&A“: Wie heißt der nächste Papst? Der Dienst verweigert die Antwort. Wie wird sich Bayern im Rückspiel gegen Chelsea schlagen? Schweigen. Die Antwort auf die Frage, wer Joschka Fischer ist, greift sich „Google Q&A“ abermals von Wikipedia, die Antwort darauf, wie es ihm so geht, bleibt das Angebot schuldig.

So schnell geht das

Aber bleiben wir im Lande: Der Name der Bundeshauptstadt? Kein Problem. Auf die Frage nach den Bundesländern weiß der Google-Dienst jedoch keine Antwort, auch wenn die Suchmaschine als drittes konventionelles Ergebnis ebenfalls auf die Wikipedia-Seite mit der richtigen Information (www.en.wikipedia.org/wiki/States_of_Germany) verweist.

Wer allerdings unter den Stichwörtern „countries of Germany“ sucht, erhält die verblüffende Antwort „Latvia“, Lettland also. Das weiß „Google Q&A“ von der Website der Internationalen Jugendbibliothek München. Dort findet sich eine harmlose Übersicht der Länder, in denen im Jahr 1996 der „Weiße Rabe“, eine Art internationaler lobender Erwähnung für Kinder- und Jugendbücher, vergeben worden ist. Zufällig hat die Liste die Anmutung einer Tabelle, und zufällig stehen in dieser Tabelle Deutschland und Lettland in derselben Zeile. Schon kennt der schnellste Antwortdienst der Welt sich aus.

So lange braucht es

„Probiert es aus“, jubelt Jonathan Betz der Google-Gemeinde zu. Und rät: „Überprüfen nicht vergessen.“ Das können wir nur unterstützen. Auch wenn es bei der Online-Recherche wertvolle Hundertstel kostet. Die allerdings gehen nicht mehr auf das Konto von „Google Q&A“. Und dort hat man schließlich nur Tempo versprochen, keine Zuverlässigkeit.

„Google Answers“ übrigens, der große kostenpflichtige Bruder des neuen Antwortdienstes, garantiert die Zufriedenheit seiner Kunden. 500 sorgfältig ausgewählte Forscher kümmern sich hier um die Fragen, und üblicherweise, verspricht Google, kommt die Antwort in den nächsten vierundzwanzig Stunden.



Text: @kue
Bildmaterial: FAZ.NET

 
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