Wellenreiter

„Playboy“ für Heimwerker

Von Michael Hanfeld

WELLENREITER - durch die Informationsflut mit FAZ.NET

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11. März 2004 Die interessanten Fragen werden auf Seite 74 beantwortet: Wer erfand den Striptease? Wie funktionieren "chinesische Liebeskugeln"? Warum nennt man Zuhälter auch "Luden"? Wie funktioniert die "pazifische Stellung"? Und: Wie definieren sich "BH-Größen"? Das alles sind Dinge, die im Leben eines Mannes eine Rolle spielen können, sofern er nicht zölibatär lebt oder sich für Frauen nur platonisch interessiert.

Und selbst für diejenigen, welche die Fotostrecken dieser neuen Zeitschrift aus dem Bauer-Verlag achtlos überblättern, könnte die Seite "Fragen Sie uns!" ein Haltepunkt sein. Und wer mit dem Werbespruch "Männer wollen's wissen" antritt, darf ja um Antworten nicht verlegen sein. "Matador", die neue deutsche Konkurrenz des "Playboy", nimmt sich in dieser Hinsicht allerhand vor, bleibt aber viel schuldig.

Bilderstrecken aus dem Baumarkt

Die Erfinderin des Striptease, erfahren wir, war eine Tänzerin namens Mae Dix, die 1917 in dem New Yorker Theater "Winter Garden" sich auf der Bühne zuerst ihres Stehkragens und dann spontan weiterer Textilien entledigte. Die in diese Richtung gehenden Stilleben gab es, ohne daß wir das Datum historisch genau angeben könnten, ja schon viel früher. Sie spielen für "Matador" die Rolle, die sie spielen müssen, wirken als Blickfang aber lieblos in Szene gesetzt.

Von einem fotografischen Aufwand, wie sie die erste Burda-Ausgabe des "Playboy" noch mit der Bilderstrecke von Cosma Shiva Hagen betrieb, ist das weit entfernt. Es wirkt eher wie eine Anfertigung aus dem Baumarkt und für Leute gemacht, die auch von einer inszenierten Umgebung nicht mehr erwarten als einen Holzverschlag. Dazu würde am ehesten eine Werbestrecke von Ikea oder OBI passen, die aber finden wir - zum Vergleich - in der April-Ausgabe des besagten, vor eineinhalb Jahren unter unfreundlichen Umständen von Bauer zu Burda gewanderten Konkurrenzprodukts. "Schmerz ist Schwäche, die den Körper verläßt", heißt es; die Firma Hornbach meint, es gebe in dieser Hinsicht viel zu tun und zeigt einen zementsackschleppenden Muskelpacker im Badezimmer.

Jeder Schuß kein Treffer

Weder hier noch dort fehlt das zweite "F" der Thementrias der Männermagazine (Frauen, Fahrzeuge, Fußball). "Matador" stellt uns den "Mythos Ford GT 40" sowie einen gepanzerten Range Rover vor ("jeder Schuß kein Treffer"), den selbst Handgranaten "nicht aus der Fassung bringen", und führt ein langweiliges Interview mit dem ehemaligen Formel-1-Piloten Gerhard Berger. In Burdas April-"Playboy" stellt sich Michael Schumacher zum Gespräch, an dessen Ende man genausoviel von ihm weiß wie vorher.

Eine echte Sensation aber ist dort nicht Pamela Anderson, sondern ein Interview mit dem Schauspieler Kiefer Sutherland, der in der Serie "24" den Antiterrorpolizisten Jack Bauer spielt. Das wilde Leben, das die Männermagazine ihren Lesern in genau jenen Dosen vorspielen, die sich mit einer bürgerlichen Existenz verträgt, scheint Sutherland geführt zu haben. Wenn auch der eine oder andere Spruch ein bißchen sehr dicke wirkt: "Ich habe sechs Tattoos. Sie sind meine Landkarte. Ich brauche keine Rede zu meiner Beerdigung. Man muß mir nur auf die Arme schauen." Daneben verblassen die Waschbrettbauch-ich-fahre-einen-Zwölfzylinder-Posen, welche die Männer-Blätter sonst noch zu bieten haben. Kiefer Sutherland, fürchten wir, liest sie auch nicht.

Wolkenkratzer als Centerfold

Und bestimmt bedarf er auch nicht der gutgemeinten Hinführung, die uns zweifeln läßt, warum Männern, die doch anscheinend fast alles haben, vor allem das entsprechende Kleingeld nebst weltmännischem Flair, um die hier besungenen Produkte erwerben zu können, ausgerechnet das kleine Einmaleins abgeht, das es braucht, um das andere Geschlecht für sich einzunehmen. Nicht, daß "Cosmopolitain" & Co. auf ihre Weise für die Frauen nicht dasselbe täten, doch es überrascht schon, wenn immer noch darüber gerätselt wird, ob es den "G-Punkt" gibt und man auf dem Weg dahin auf Komplimente, einen gut sitzenden Anzug und eine rote Rose zum Schampus davor angewiesen ist.

Was an "Matador" aber vor allem auffällt, ist die Paarung der Erklärweise von "Geo" mit einem Heftaufbau von "Focus". Gerade die Rubrik "Wissen" glänzt mit Erklärgrafiken der Burda/Markwort-Schule. Dabei geht es nicht um die Frage, wie man eine Frau erobert, sondern, wie das höchste Haus der Welt entsteht. Den in Dubai geplanten "Burj-Tower" gibt es sogar zum Ausklappen, als Centerfold sozusagen. Für ein Männermagazin, das von heute an zweimonatlich zum Preis von vier Euro im Handel ist, ganz schön keusch.

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.03.2004, Nr. 60 / Seite 43
Bildmaterial: FAZ.NET

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