Tonträger

Schüchterne Klangskizzen

Von Aram Lintzel

27. Mai 2002 Kenner kennen Stefan Schneider als Bassisten und Keyboarder der Berlin-Düsseldorfer Band To Rococo Rot und als ehemaligen Bassmann bei Kreidler.

Mit "A Way to find the Day" präsentiert er sich nun erstmals solo in voller Albumlänge. Anmutig und schüchtern schleichen die elf Songs zwischen Reggae, Minimalismus und elektronischer Musik umher. Anstatt auf vordergründige Wirkungen zu setzen, fügt Schneider die Töne und Rhythmen zu verzweigten Clustern zusammen.

Bilder der Natur

Zu Beginn, im ersten Stück namens "A Map of Africa", scheinen sich die einzelnen Sounds wie sprießende Krokusse über eine große weiße Fläche zu verteilen. Manche Blüten bleiben auf halber Strecke hängen, andere öffnen sich zu voller Pracht, wieder andere kriechen zurück in die Erde. Ein organisch sich verstreuendes Cluster elektronischer Töne prägt die klangliche "Map" von Mapstation. Die bildhaften Assoziationen haben einen Grund: Der Künstler Schneider arbeitet auch mit Fotografie, war bis 1998 an der einflussreichen Fotozeitschrift "Ohio" beteiligt. Es scheint, als habe Schneider vorab eine fotografische Vorstellung dessen gewonnen, was er dann in ein musikalisches Raum-Zeit-Kontinuum übersetzte.

Dubreggae als Methode

Wie viele seiner elektronischen Kollegen arbeitet Stefan Schneider dabei mit Elementen des Dub-Reggae. Jedoch benutzt er dessen Merkmale eher als Methode denn als Mode: Der verschleppte Takt ist hier untergründig am Werk und gestaltet die einzelnen Songs auf versteckt-abstrakte Weise. In zwei Stücken werden die typischen Effekte des Dub (Wiederholung, Tiefe, Banalitätsvernichtung) durch die beeindruckend schöne Stimme von Ras Donovan verstärkt. Anders als bei vielen anderen Adepten erzeugt Dubreggae bei Mapstation aber nicht die obligatorische Massivität, Erhabenheit und Macht.

Nein, der Effekt ist äußerst verhalten, ja manchmal im guten Sinne schmächtig und schwächlich. Hier wird eher schüchtern gestottert und gestammelt als geprotzt und geprahlt. Schneider hat den Mut zur Lücke. Das ist sympathisch und angenehm, das ist vor allem von sehr eigensinniger Schönheit.

Im Innern des Computers

Der musikalische Minimalismus ist für die unaufdringlichen Botschaften Schneiders das perfekte Medium. Mal bewegt sich der Sound mehr in die klassische Minimal-Richtung (Steve Reich, Philipp Glass), dann wiederum mehr Richtung aktuelle Knisterelektronik mit Groove. Während zu Anfang der CD natürliche, organische Atmosphären vorherrschen, wird es im Zeitverlauf immer plastikhafter und elektronischer. Von der Krokuswiese vertrieben, findet man sich dann plötzlich im Innern des Computergehäuses wieder. Eine langer Weg, auf dem man sich am Ende genau vierzig Minuten fortbewegt hat - gemächlich, gemütlich und ohne falsche Tricks.

„A Way to find the Day“ von Mapstation ist auf Staubgold / A-Musik / Groove Attack erschienen.



Text: @aram
Bildmaterial: mapstation, Staubgold

 

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