25. Juni 2004 Das weltberühmte Lächeln der Mona Lisa ist auf ein Rätsel der menschlichen Wahrnehmung zurückzuführen. Mit Hilfe von Grauschleiern, die sie über das Bild Leonardo da Vincis legten, konnten amerikanische Wissenschaftler nachweisen, daß das Spiel um die Mundwinkel der Mona Lisa erst durch das Phänomen des so genannten visual noise im Gehirn als interessant entschlüsselt wird.
Es handelt sich dabei um die Auswirkungen auffälliger Muster und Kontraste, die mit den weißen Flecken auf einem schlecht eingestellten Fernseh-Bildschirm verglichen werden können. Die Untersuchungen von Christopher Tyler und Leonid Kontsevich vom Smith-Kettlewell-Institut in San Francisco werden in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Vision Research vorgestellt.
Betrachtungsdauer verändert Einschätzung
Das Grauschleier-Verfahren wurde mit Hilfe von zwölf Freiwilligen getestet, die das Spiel um Mona Lisas Mundwinkel in die Kategorien traurig, ein wenig traurig, ein wenig fröhlich und fröhlich einordnen sollten. Wenn die Filter so ausgelegt waren, daß die Mundwinkel nach oben gezogen wirkten, tippten die Versuchspersonen erwartungsgemäß verstärkt auf die fröhlichen Werte.
Erstaunlicher fanden die Forscher, daß die Zuordnung wechselte, wenn die Versuchspersonen das Bild länger betrachteten. Sie gehen davon aus, daß das Kontrast-Phänomen des visual noise die Wahrnehmung veränderte. Das dürfte zu der Erklärung beitragen, warum das Gemälde so stark ist, sagte Tyler. Visual noise ist ein bislang nur unzureichend geklärtes Phänomen der Wahrnehmung. Es geht auf die nervlichen Prozesse in der Netzhaut und die Weiterleitung des Gesehenen über Nervensignale ins Gehirn zurück.
Drei frühere Versionen vorhanden
Die Mona Lisa wurde von Leonardo da Vinci zwischen 1503 und 1506 gemalt. Das Gemälde befindet sich im Pariser Louvre-Museum und lockt jährlich Millionen Betrachter an. Einige Experten vertreten die Ansicht, das Bild sei im Grunde ein Selbstporträt Leonardos oder stelle einen jungen Mann dar. Möglicherweise handelt es sich aber auch um ein Porträt von Monna Lisa, der Gattin des florentinischen Edelmanns Francesco del Giocondo. In Italien ist das Leonardo-Gemälde deshalb als La Gioconda bekannt. Mit Hilfe von Radar-Analysen wurde festgestellt, daß unter der sichtbaren Bildoberfläche der Mona Lisa drei frühere Versionen verborgen sind.
Text: AFP
Bildmaterial: AP
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