28. Juni 2004 Nach dem Riesenerfolg seines gegen die Bush-Regierung und deren Irak-Krieg gerichteten Dokumentarfilms Fahrenheit 9/11 hat der amerikanische Regisseur Michael Moore seinen politischen Gegnern gedankt. Mit Boykottaufrufen und öffentlichen Schmähungen hätten sie das Interesse an dem Streifen erheblich angefacht, sagte er am Sonntag im Gespräch mit Kinobesuchern vor einem Filmtheater in Manhattan.
Mit Fahrenheit 9/11 gelang es Moore als erstem Regisseur der Filmgeschichte, einen politischen Dokumentarstreifen auf den Spitzenplatz der amerikanischen Kino-Hitparade zu bringen. Etwa drei Millionen Amerikaner bescherten dem Film, in dem Präsident George W. Bush und sein engsten Mitarbeiter als Kriegstreiber hingestellt werden, von Freitag bis Sonntag abend Kasseneinnahmen von rund 18 Millionen Euro. Damit könne der Streifen wahrhaftig als Amerikas Film bezeichnet werden, sagte der Direktor der Verleihfirma Lions Gate, Tom Ortenberg.
Der Dokumentarfilm, mit dem Moore erklärtermaßen die Wiederwahl Bushs zu verhindern hofft, setzte sich gegen Hollywood-Spielfilme durch, die in dreimal mehr Kinos angeboten wurden - und dennoch weniger Zuschauer hatten. Fahrenheit 9/11 lief landesweit in 868 Kinos, während andere Filme in mehr als 2500 Filmtheatern gezeigt wurden.
Rund 16 Wochen vor der amerikanischen Präsidentschaftswahl erzielte Fahrenheit 9/11 auch in Bundesstaaten, die als überwiegend Republikaner-freundlich gelten, Spitzenbesucherzahlen. So waren Vorstellungen des Films, der den Irak-Krieg scharf kritisiert, jedoch Sympathie mit einzelnen Soldaten und deren Familien zeigt, nach Angaben der Verleihfirma auch in Städten unweit von Militärstützpunkten ausverkauft. Dazu gehörte die Stadt Fayetteville beim Luftwaffenstützpunkt Fort Bragg (North Carolina).
Fahrenheit 9/11 spielte in nur drei Tagen mehr Geld ein als Michael Moores im vergangenen Jahr mit einem Oscar ausgezeichneter Film über die amerikanische Waffenlobby Bowling for Columbine. Dieser Film, der bereits als einer der finanziell erfolgreichsten Dokumentarfilme der amerikanischen Kinogeschichte galt, hatte während seiner neun Monate währenden Laufzeit in insgesamt 250 Kinos 21,5 Millionen Dollar in die Kassen gebracht. In Deutschland läuft Fahrheit 9/11 am 29. Juli an.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: Reuters