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Kauzig und cool: „Trouser Jazz“ von Mr Scruff

Von Fridtjof Küchemann

09. September 2002 „Wenn du einer Sache erst mal einen Namen gegeben hast, ist eigentlich klar, wie du weiter machen musst“, erklärt Mr Scruff. „Aber wenn du nicht sicher bist, was für ein Stück du überhaupt machst, kannst du alles mit ihm anstellen.“

Und so ist das dann auch: Was der Produzent und DJ aus Manchester mit den Tracks seines neuen Albums „Trouser Jazz“ anstellt, ist eine eigentümliche Mischung aus Disco, Funk, Jazz-Signalen und 70er-Jahre-Geschmeidigkeit. Wo geht's hier bitte zur Gegenwart? Allerdings: Richtig alt fühlt sich das Album auch nicht an. Nur so viel steht fest: Es macht wirklich Spaß.

Der eiskalten Winde rauhes Gesicht

„'Trouser Jazz' ist vielleicht die beste Art, meine Musik zu beschreiben“, sagt Mr Scruff, mit bürgerlichem Namen Andy Carthy. „Sie ist nicht immer albern, aber es gibt immer dieses Lächeln.“ Und diesen Hang zum Überbordenden: Wenn er, wie in „Shrimp“, dem vierten Track des Albums, einem Synthesizer-Sound aus der Zeit freien Lauf gibt, in der noch mit Wörtern wie „Sägezahnspannung“ über solche Instrumente gesprochen wurde, dann klingt das nach den gefürchteten fünfminütigen Soloausflügen der Tastengötter jener Zeit. Wenn er zartsamtene Damenstimmen zum Jazzgesang auffährt - Seaming To ist auf „Trouser Jazz“ zu Gast - dann wird schon mal gescattet bis zum Abwinken. Und eine Querflöte hält mit.

Gefragt nach den Unterschieden zwischen erstem und zweitem Album, verweist Andy Carthy auf die Studio-Technik, die er inzwischen bei sich zu Hause angehäuft hat. „Vor fünf Jahren habe ich noch mit ziemlich primitiver Technik gearbeitet. Seitdem habe ich eine Menge übers Produzieren gelernt.“ Was er sich dabei erhalten hat, ist die Holprigkeit mancher Sounds: Nicht nur das Eröffnungsstück „Here We Go“ wirkt rührend handgemacht. Mr Scruff unterscheidet fein zwischen Geschmeidigkeit und Glätte, wie er auch Jazzbezug und Ernsthaftigkeit nicht in einen Topf wirft.

Ein Freund aller Lebewesen im Meer

Dringend muss man auf das letzte Stück des Albums hinweisen. Andy Carthy: „Ich habe mich verpflichtet, auf jedem Album auch ein gesprochenes Seemannslied zu veröffentlichen.“ Und deshalb schnipselt sich Mr Scruff einmal quer durch Kinderkassetten und Fernsehfilme, in denen es um Abenteuer auf See geht. „Ich bin zu allem bereit. Und ich hoffe, du bist ein guter Seemann“, sagt ein Sprecher zu Beginn, und in den folgenden vier Minuten kann schon der eine oder andere Freund selbst des Exzess-Samplings seekrank werden.

„Vergiss nie, was du auf dieser Reise gehört und gesehen hast.“ - Mit diesen Worten entlässt der Sprecher uns Schiffjungs dann wieder mit weichen Knien auf festen Boden. Das werden wir gewiss nicht tun. Mit „Trouser Jazz“ ist Mr Scruff übrigens noch einem zweiten Diktum treu geblieben, das er sogar als Titel seiner ersten Platte gewählt hat: „Keep it unreal.“ Ahoi.

„Trouser Jazz“ von Mr Scruff ist auf Ninja Tune / Zomba erschienen.



Text: @kue
Bildmaterial: Ninja Tune

 

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