Von Bert Rebhandl
24. Juni 2001 Die Verleihung der "Lola 2001 kann als der Versuch gelten, das deutsche Filmschaffen zurück in die Herzen des Publikums zu bringen. Die Annahme ist ganz einfach: Wer die Klatschspalten beherrscht, dem gehören bald auch die Säle.
Dazu bedarf es nur noch eines nationalen Kraftakts, an dem am Freitagabend in der Staatsoper unter den Berliner Linden von Seiten der Politik Kanzler Gerhard Schröder und sein Staatsminister für Kultur Julian Nida-Rümelin (SPD) teilnahmen, von Seiten der Medien die Medien und von Seiten des Publikums die vielen Stars und Starlets, auf die Deutschland stolz sein kann.
Der wichtigste abwesende Anwesende war Billy Wilder, der am selben Tag in Hollywood seinen 95. Geburtstag beging. Wilder wurde vor allem von den Politikern beschworen, schließlich hat er häufig, allerdings in einer anderen Epoche der Filmgeschichte, bewiesen, wie man den dornigen Weg von der Kunst zum Publikum abkürzen kann.
Richtige Entscheidung
Politisch betrachtet, war die Verleihung der "Lola" durchaus bedenklich. In Hollywood wäre eine Grundsatzrede des Regierungschefs zu Filmfragen undenkbar, aber dort muss man auch nicht den ganzen Abend über rätseln, was denn nun ein guter Film ist. In Deutschland ist ein guter Film in erster Linie ein fertiger Film.
Der größere Teil der Jahresproduktion war unter den Nominierungen für den "Deutschen Filmpreis 2001" vertreten, der Hauptpreis ging dann an den tatsächlich wichtigsten Film der Saison: Christian Petzolds RAF-Drama "Die innere Sicherheit" setzte sich gegen Konkurrenten wie "Der Krieger und die Kaiserin" von Tom Tykwer oder "Crazy" von Hans-Christian Schmid durch (die jeweils mit einem Filmpreis in Silber bedacht wurden).
Unter den Schauspielern gab es zwei Sieger: Moritz Bleibtreu musste mehrmals auf die Bühne, weil er sowohl vom Publikum wie von der Jury zum besten Darsteller des Jahres gewählt wurde (für "Im Juli" und "Das Experiment", der auch den Publikumspreis für den besten Film bekam), und Katrin Saß wurde für ihre Darstellung der "Heidi M." als beste Schauspielerin geehrt. Sie bedankte sich mit der schönen Formulierung, sie hätte mit diesem Film "meinen Beruf wieder neu begriffen".
... und das ist gut so
Die hübscheste Konstellation im Publikum bildete der neue Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit, dessen Bekenntnisformel "und das ist gut so" bereits ein geflügeltes Wort ist, mit seiner Sitznachbarin, der Hongkong-Schauspielerin Maggie Cheung, die den Preis für den besten ausländischen Film für "In the Mood for Love" von Wong Kar-Wai entgegennahm. Überreicht wurde diese Trophäe von der italienischen Schauspielerin Monika Bellucci, die den bei derartigen Zeremonien immer nur inoffiziell vergebenen Preis für das gewagteste Kleid bekommen hätte müssen - sie trug eine durchsichtige Toga.
Bei der anschließenden Party, zu der das neue Traditionshotel Adlon ein neobabylonisches Buffet beisteuerte, zogen dann aspirierende Show-Talente die Sandaletten aus und tanzten ekstatisch, bis die Fotografen aufmerksam wurden. Anwesende Herren nickten beifällig und beschlossen, Filmproduzent zu werden. An der Bar sagte in diesem Moment ein Routinier der Branche: "Wir schaffen das nur, weil Mecklenburg mitfördert." Neue Filme bahnen sich an.
Text: @reb
Bildmaterial: faz.net
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