Kein Witz: Martin Walser will auswandern. Auch kein Witz: Er hat sich das Walsertal ausgesucht, und zwar das große, nicht etwa das kleine Walsertal
05. Juni 2002 Der Schriftsteller Martin Walser erwägt einen Umzug nach Österreich. Grund: Er fühlt sich von der deutschen Kritik schlecht behandelt.
Die Antisemitismus-Debatte um seinen noch unveröffentlichten Roman weckt in ihm den Wunsch, mich außerhalb dieser Grenze zu begeben, soll der am deutschen Bodensee-Ufer lebende Walser der österreichischen Illustrierten News gestanden haben. News zitiert den Dichter mit den Worten: Ständig denke ich: Nichts wie weg. Entfernung würde helfen. Vorarlberg ist ja nicht weit und ein schönes Land. Meine Vorfahren sind erst 1720 aus dem Großen Walsertal hierher gezogen.
Mehr als die Kritik von Marcel Reich-Ranicki habe ihn sein bisheriger Freund Hellmuth Karasek mit dem Text Selbstmord eines renommierten Schriftstellers getroffen. Wir kennen einander seit 40 Jahren, er war Dramaturg in Stuttgart, ich habe dort Stücke herausgebracht, sagte Walser der Wochenillustrierten. Wenn man liest, was er jetzt geschrieben hat, glaubt man nicht, dass man dableiben kann.
Text: @hc
Bildmaterial: FAZ.NET