20. August 2002 Nur um Haaresbreite sind die einzigartigen Kunstschätze der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden vor dem Jahrhunderthochwasser in Sachsen gerettet worden. Die ungeheure Stabilität der Fundamente und Tonnengewölbe des 1580 erbauten Albertinums habe das Schlimmste verhindert, sagt der Generaldirektor der Kunstsammlungen, Martin Roth, in einer ersten Bestandsaufnahme am Dienstag in Dresden. Ansonsten hätten die Gewölbe des Gebäudes, in dem vier Sammlungen untergebracht sind, geflutet werden müssen. Die Skulpturensammlung und die Galerie Neue Meister wurden dennoch durch das Hochwasser schwer in Mitleidenschaft gezogen. Das Grüne Gewölbe und das Münzkabinett blieben verschont. In einem schildert Roth Schäden und nächste Schritte in seinen Museen.
Letztlich sind wir mit zwei blauen Augen davon gekommen, resümiert der Generaldirektor. Dies sei vor allem dem Einsatz der mehr 200 Helfer und dem Technischen Direktor der Sammlungen, Michael John, zu verdanken. Wir sind dem Hochwasser immer zeitlich voraus gewesen, wenn auch manchmal nur Minuten, freut sich Martin Roth. Unter unglaublichen Bedingungen hätten die Retter seit Dienstag vergangener Woche die Kunstwerke in Sicherheit gebracht - insgesamt 11.000 Werke der Skulpturensammlung und 650 Gemälde aus der Galerie Neue Meister. In der Gemäldegalerie Alte Meister im Dresdner Zwinger retteten die Helfer 4.000 Kunstwerke.
Ist alles heilgeblieben?
Vom Erfolg und den widrigen Bedingungen der Rettungsaktion können sich die Dresdner Bürger eine Woche nach Beginn der Flutkatastrophe nun selbst ein Bild machen. Bis Sonntag öffnet das Albertinum bei freiem Eintritt seine Pforten an der Brühlschen Terrasse. Ich will einfach wissen, ob alles heil geblieben ist, sagt die Dresdnerin Gerlinde Gärtner, die sich schon am Dienstagmorgen vor dem Albertinum eingefunden hat.
Bei der Evakuierung des 2.500 Quadratmeter großen Depots war von vornherein ein Teil des Kunstmuseums für eine schnelle Wiedereröffnung frei gelassen worden. In der Depression der Überschwemmung wollten wir ein positives Zeichen setzen, sagt ein Sprecher der Kunstsammlungen. Das Grüne Gewölbe und die Hälfte der Galerie Neue Meister und der Skulpturensammlung seien deshalb von der Nutzung als Notdepot ausgespart worden. Ein dichtes Gedränge an Kunstwerken herrscht dagegen in den anderen Räumen des Albertinums. In der Antikenhalle liegen und stehen mehrere tausend ägyptische, griechische und römische Figuren, Reliefs und Fragmente Seite an Seite auf dem Boden.
Die Schäden sind enorm
In die Freude über die geretteten Kunstwerke mischt sich aber auch ein banger Blick in die Zukunft. Der Restaurierungsbedarf sei kaum abzusehen, sagt der Generaldirektor der Sammlungen. Auch die Schäden an den Bauwerken und den technischen Anlagen seien enorm. Der Zwinger, das Dresdner Schloss und das Schloss Pillnitz seien stark in Mitleidenschaft gezogen worden.
Text: ddp
Bildmaterial: AP, dpa
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