Pop

No Angels nehmen sich eine Auszeit

07. September 2003 Deutschlands erfolgreichste Girlgroup macht Pause. Wie lang sie sein wird, darüber gehen die Meldungen auseinander. „Unbestimmt, aber nicht endgültig“ meldet das Management, „für immer“, schreibt die „Bild am Sonntag“

Das Management der Band bezeichnete den Zeitungsbericht über die Trennung der Band als „übertrieben“. Zwar bräuchten die Sängerinnen einen längeren Urlaub, aber die Sache sei „halb so wild“, sagte Managerin Regina Weber. Sie sei über das Vorpreschen der Zeitung verärgert und überrascht gewesen. Alle angesetzten Konzerte würden auf jeden Fall stattfinden.

Soloprojekte wahrscheinlich

Dagegen hatten die Sängerinnen der Gruppe - Nadja (21), Vanessa (23), Lucy (27) und Sandy (22) - im Interview bereits ein Abschiedskonzert angekündigt. Sie benötigten eine Auszeit und würden vorerst getrennte Wege gehen, sagten sie. Solokarrieren seien nicht ausgeschlossen. Erst kürzlich hatte die Band eine Tournee mit Auftrittsverpflichtungen ins nächste Jahr hinein angekündigt.

Die Vier äußerten sich zugleich traurig über das Ende ihrer Zusammenarbeit. „Natürlich sind auch Tränen geflossen“, sagte Nadja. Ob die vier künftig solo arbeiten wollen, ließen sie offen. „Wenn jemand sich solo entfalten kann, freuen wir uns für ihn“, sagte Nadja und fügte hinzu: „Wir sind Künstler - wir können nicht zwölf Monate auf der Couch liegen“.

Produkt einer Castingshow

Die No Angels waren Phänomen und Trendsetter. Als erste deutsche Band aus einer TV-Castingshow gelang ihnen der Durchbruch. Die fünf ursprünglichen Mitglieder waren in der ersten Staffel der RTL2-Sendung „Popstars“ ausgewählt worden - lange vor „Deutschland sucht den Superstar“. Zu Beginn hatten sie gegen zahlreiche Vorurteile zu kämpfen. Zweifel an ihren Gesangsfähigkeiten konnten sie nicht zuletzt mit einigen A-Capella-Auftritten ausräumen, ohnehin hatten die meisten von ihnen zuvor eine Gesang- oder Tanzausbildung absolviert.

Auch die Prognose, die Band werde schnell wieder in der Versenkung verschwinden, bewahrheitete sich nicht. Ihre drei Alben stiegen in Deutschland alle direkt auf Platz eins der Charts ein. Nach der ersten Nummer-Eins-Single „Daylight in Your Eyes“ folgten zahlreiche weitere Hits, insgesamt verkaufte die Band etwa fünf Millionen Tonträger und absolvierte zwei erfolgreiche Tourneen durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Große Tournee für 2004 geplant

Bereits Mitte Juli war Bandmitglied Jessica Wahls ausgestiegen. Die 26jährige hatte ihren Schritt damit begründet, daß sie sich um ihr Baby kümmern wolle. Die vier verbliebenen Bandmitglieder waren fortan zu viert aufgetreten. Trotzdem kam das Aus jetzt überraschend. Erst in der vergangenen Woche hatte der Vorverkauf für die große „The Pure Acoustic Tour“ mit 22 Konzerten ab Ende Januar 2004 begonnen - bei sehr großer Nachfrage, wie eine Sprecherin des Veranstalters MLK sagte. Auf der Homepage der Plattenfirma wurden am Sonntagnachmittag noch Karten für die Konzerte angeboten.

Unzählige Termine führten zum Burn-out

Das Management der Band und die Verantwortlichen bei RTL2 und der Plattenfirma Polydor müssen sich die Frage gefallen lassen, ob sie die Band nicht verheizt haben. Wegen der unzähligen Auftritte, Termine, Videodrehs, Proben und Interviews hätten die vier Bandmitglieder gerade in den vergangenen Monaten mit Krankheiten und Erschöpfung zu kämpfen gehabt, hieß es auf der Homepage der Band.

Wieso es bis zum Bruch kommen mußte und niemand vorher die Notbremse gezogen hat, bleibt offen. Bereits vor gut einem Jahr war Vanessa bei einem Auftritt in Hannover zusammengebrochen, von einem Schwächeanfall war damals die Rede. Die Verträge, die die Bandmitglieder bereits vor ihrer ersten Platte geschlossen hatten, räumten ihnen nur wenig Einflußnahme ein, wie es immer wieder geheißen hatte.

„Schon im Sommer ging mir die Kraft verloren. Geist und Körper haben gestreikt. Ich war sechs Wochen nur krank“, erklärte die 27jährige Lucy der „Bild am Sonntag“. Auch die 23jährige Vanessa machte die Erschöpfung für das Ende der Band verantwortlich: „Im ersten Jahr hatten wir alle noch superviel Kraft. Aber jetzt sind wir gesundheitlich sehr angeschlagen. Immer ist irgendjemand krank.“



Text: AP, dpa
Bildmaterial: AP

 
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