Tonträger

Geschnipsel und Geschmeide: „Zoomer“ von Schneider TM

Von Fridtjof Küchemann

02. September 2002 Schneider - ein Name, den man sich merken muss. Den man schützen muss. Daher das fesche „TM“ hinter dem Namen des jungen Mannes, der jetzt, vier Jahre nach dem Debüt „Moist“, sein zweites Solo-Album namens „Zoomer“ veröffentlicht hat. Den bürgerlichen Namen verbirgt Sänger, Songwriter und Soundlaboranten Dirk Dresselhaus hinter einem Allerwelts-Pseudonym, und das ist fast schon die ganze Geschichte.

Was sonst noch schützenswert ist: ein warmes Herz, innen drin. Das zumindest singt Schneider TM in „Reality Check“, dem ersten Song auf „Zoomer“. Mehrstimmig, zur akustischen Gitarre einmal durch den Stimmverfremder geschickt. Denn legt sich erst einmal ein schnipseliger Rhythmus quer zu dem Stück. Später wird er eingemeindet. Ein synthetischer Bass mit Blupp macht den „Reality Check“ hinten rund. Das beruhigende: Er bleibt verdächtig.

Markenschutz

Das warme Herz innen drin ist eine Grundzutat der acht Tracks auf „Zoomer“. In der Tat bestens geschützt, liegt es hinter einer Iso-Schicht aus Pop-Posen, ausgewähltem Geschmeide aus dem Zitatenschatz und dem gut sortierten Melodienvorrat eines ausgeruhten Songwriters. Jenseits, draußen also, Hagelschauer aus elektronischem Geschnipsel, Klangfetzen, Verzerrungen und Verzierungen. Taschenspielertricks und Höheres.

Wie Schneider TM den gewöhnlichen Namen mit Markenschutz belegt, spielt er auch musikalisch die Varianten von Verbergen, Enthüllen und Kennzeichnen des Banalen durch, des Antäuschens von Oberfläche und Hintergrund. Das Album changiert hochfrequent zwischen schierem, eingängigem Pop, zuweilen mit Anklängen bis an die Beach- oder Pet Shop Boys, und elektronischer Zumutung. Ein attraktives Zusammenspiel.

„Zoomer“ von Schneider TM ist auf City Slang / Labels erschienen.



Text: @kue
Bildmaterial: Virgin Records

 

Tonträger

Nur kein Revival: Tarwaters andere 80er

Spezial Die Musik des Berliner Duos Tarwater lässt die Vergangenheit faszinierend schillern, verweigert sich aber der Nostalgie.

Tonträger

Somnambuler Soundtrack: Funki Porcinis elektronische Experimente

Spezial Der Brite James Bradell alias Funki Porcini hat ein Album voll akustischer Traumlandschaften aufgenommen.

Tonträger

Zu schüchtern für diese Welt: "Scary World Theory" von Lali Puna

Auf "Scary World Theory" von Lali Puna hört man elektronische Popmusik, die durch ihre schüchterne Schönheit entzückt.

Elektronische Musik

Das Cello brutzeln: Murcof verbindet elektronische Sounds und klassische Instrumente

Aus schlichten klassischen Figuren und nervösen elektronischen Rhythmen formt Murcof eine faszinierend hybride Musik.

Tonträger

Schüchterne Klangskizzen

Spezial Das erste Solo-Album des Bassisten und Keyboarders Stefan Schneider, "A Way to find the Day".

Tonträger

Taylor Savvys bittersüße Revue elektronischer Tanzmusik

Der elektronische Entertainer Taylor Savvy jongliert auf seinem Debütalbum virtuos mit den Klischees der Pop- und Rockgeschichte.