Literatur

Kritikermord als literarisches Sujet: Auch Bodo Kirchhoff schreibt „Schundroman“

07. Juni 2002 Tod eines Kritikers, die Zweite: Kurz nach Martin Walsers umstrittenem Suhrkamp-Roman wird in der Frankfurter Verlagsanstalt Bodo Kirchhoffs Buch „Schundroman“ erscheinen, in dem ein „Großkritiker“ ums Leben kommt. Nach Angaben des Verlags ist mit der Nebenfigur „Louis Freytag“ wie in Walsers Buch „Tod eines Kritikers“ Marcel Reich-Ranicki gemeint.

Während André Ehrl-König, der Kritiker in Walsers Buch, nicht wirklich stirbt, fällt Freytag im Trubel der Frankfurter Buchmesse aus Versehen einem Killer zum Opfer. In der Öffentlichkeit wird jedoch gezielter Mord vermutet. Verdächtigt werden zwei Schriftsteller, die „unschwer als Martin Walser und Günter Grass zu erkennen sind“, wie das „Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel“ am Freitag berichtete.

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Im Zuge der Debatte um Walsers angeblich antisemitischen Roman zieht die Frankfurter Verlagsanstalt den Erscheinungstermin von September auf den 8. Juli vor. Walsers Buch soll am 26. Juni herauskommen. Mit dem fast gleichzeitigen Erscheinen solle der Eindruck vermieden werden, die Verlagsanstalt habe sich an die Walser-Diskussion anhängen wollen, hieß es am Freitag. Das Manuskript habe bereits im Februar vorgelegen.
Laut Verleger Joachim Unseld, Sohn von Suhrkamp-Chef Siegfried Unseld, ist Kirchhoffs Roman keine Abrechnung und „insgesamt entspannter“ als Walsers „Tod eines Kritikers“. Auch „Schundroman“ sei eine Kritik am Literatur- und Medienbetrieb.

Dem „Börsenblatt“ zufolge schließt der Frankfurter Autor Kirchhoff („Parlando“) nicht aus, dass auch sein Buch „von Leuten, die es nicht gelesen haben“ ähnlichen Verdächtigungen ausgesetzt sein könne wie Walsers Roman. In der Verlagsvorschau wird Kirchhoffs neues Buch als Gangster- und Liebesroman angekündigt.

Text: dpa

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