Umweltpolitik

Botho Strauß: Man muß wissen, wie die Sonne funktioniert

20. Oktober 2005 Welche Partei kann künftig am meisten für die Erhaltung der Umwelt tun? Botho Strauß glaubt: die CDU oder die Grünen. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Freitagsausgabe) skizziert der Schriftsteller seine Vision einer Elementarpolitik.

In den vergangenen Jahren, schreibt Strauß, habe „die Politik der Elemente zu einigen unbestritten positiven und nachhaltigen Ergebnissen“ geführt, „etwa bei der Gewässersanierung, Abfallwirtschaft, Schadstoffentlastung und dem Biosphärenschutz. Das Konservative im parteilosen Wortsinn, nämlich als Erhaltung unserer Lebensgrundlage, bildete also im Gegensatz zu den gesellschaftspolitischen Verlegenheiten und Ungewißheiten ein Paradigma der erfolgreichen Verbindungen von innovativer Technologie und Verantwortungsethik.“

Die technische Nachahmung des Göttlichen

Die Grünen seien seit ihren Anfängen auch „eine metapolitische Partei“ gewesen, „den Elementen Licht, Wind, Erde, Gewässer verantwortungsvoller zugewandt als dem allgemeinen wirtschaftlichen Wohlergehen“. Unter bestimmten Umständen wäre den Grünen nun der Wandel zu einer Partei zuzutrauen, „die sich zu den provozierenden Entwicklungen in Technik und Forschung nicht zuvörderst kritisch oder abweisend verhielte, sondern sie, wo dies seriös möglich ist, der Bevölkerung vermittelte und reflektierte“.

Schließlich müsse man „wissen wollen, wie die Sonne funktioniert, wenn man an neue Energiegewinnung denkt, und muß die göttliche Fusion studieren, um sie - zu eigenem Nutzen - technisch nachzuahmen“. Hinderlich bliebe bei den Grünen indes der „Gesinnungsfaktor“, da die Partei die Ursache für den Klimawandel allein „im umweltbelastenden Verhalten der Industrienationen“ sehe, kritisiert Strauß.

Neue Entscheidungsstrenge

Die CDU wiederum begehe den Fehler, „einseitig sich jener Fraktion der Forschung anzuschließen, die das Verursacherprinzip in Zweifel zieht“. Die richtige Politik erfordere den Blickwinkel eines Sowohl-als-auch. Mehr noch als die Grünen könnte Strauß zufolge die CDU eine notwendige neue „Entscheidungsstrenge“ verkörpern, eine „Politik der erheblichen Vereinfachungen auf beliebigen Gebieten des öffentlichen Lebens“, für die das Kirchhofsche Steuermodell im Wahlkampf „eine kuriose Kostprobe“ geliefert habe: „Vermutlich handelte es sich um einen Vorgriff auf einen zukünftig unvermeidlichen Elementarismus in der Politik, bei dem mit einem Schnitt die gesetzlich verwickelten und überregulierten Bereiche im Zusammenleben der Bürger tatsächlich gelichtet und auf das Notwendigste zurückgeführt werden.“ In der Politik erhofft sich Strauß einen Methodenwechsel, „der den Akteuren mehr Wahrheit und Phantasie abverlangt“.

Den vollständigen Beitrag von Botho Strauß lesen Sie im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom Freitag, den 21. Oktober 2005.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, F.A.Z.-Barbara Klemm

 
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