08. März 2004 Der amerikanische Star-Architekt Peter Eisenman hat den mit einem antisemitischen Witz ausgelösten Eklat im Kuratorium des Berliner Holocaust-Mahnmals bedauert. Indirekt in der Presse an ihn herangetragene Forderungen nach einem Rückzug aus dem Projekt wollte Eisenman am Sonntagabend jedoch vorerst nicht kommentieren. Eisenman, der das Mahnmal entworfen hat, verwies darauf, daß er sich bereits in aller Form schriftlich bei Bundestagspräsident Wolfgang Thierse für seine umstrittenen Äußerungen während einer Sitzung des Mahnmal-Kuratoriums Mitte Februar entschuldigt habe.
Alexander Brenner, der die Berliner Jüdische Gemeinde im Kuratorium vertritt, und der Geschäftsführer der Stiftung Topographie des Terrors, Andreas Nachama, forderten in der Berliner Morgenpost von diesem Montag, Eisenman solle Konsequenzen ziehen. Dazu sagte Eisenman, diese Forderungen seien bislang nicht an ihn herangetragen worden. Sollte nach seinem Rückzug gerufen werden, sei es wohl das beste, wenn man den Kuratoriums-Vorsitzenden Thierse frage, was der davon halte.
Antisemitischer Witz eines Juden
Nach Darstellung mehrerer Teilnehmer hatte Eisenman, der selbst Jude ist, während der Sitzung zur Erheiterung erzählt, er sei bei einem Zahnarztbesuch in New York gefragt worden, ob seine - Eisenmans - Goldfüllungen von der Firma Degussa aus den Zähnen ermordeter Juden stammten. Brenner habe darauf unter Protest die Sitzung verlassen. Eisenman solle sich selbst fragen, ob er für dieses Projekt noch tragbar sei, sagte Brenner der Zeitung. Nach Darstellung des Nachrichtenmagazins Der Spiegel warf er dem Architekten eine zynische Verunglimpfung des Andenkens der ermordeten, vergasten, erschossenen und verbrannten Juden vor.
Nachama sagte der Berliner Morgenpost, hätte sich ein deutscher Stararchitekt derart geäußert, wäre er ohne Zweifel unhaltbar geworden: Der wäre weg. Dies sei nicht das Ende des Holocaust- Mahnmals, aber Eisenman könne nicht länger der verantwortliche Ansprechpartner sein. Auf der Ehrentribüne zur Mahnmals-Eröffnung im Mai kommenden Jahres könne er sich den amerikanischen Architekten nicht mehr vorstellen, sagte Nachama.
Im Herbst hatte es einen heftigen Streit um die Rolle des Chemiekonzerns Degussa beim Bau des Mahnmals gegeben. Die Produktion der Stelen wurde vorübergehend gestoppt, weil bekannt wurde, daß zum Schutz vor Graffiti ein Degussa-Produkt benutzt worden war. Die Degussa-Tochter Degesch hatte Giftgas für die Ermordung von Millionen Juden in den deutschen Vernichtungslagern der Nazis hergestellt.
Text: dpa
Bildmaterial: AP
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