Kino

Spielberg-Film: Krieg den Kritikern

21. Juni 2005 Weltweit startet am 29. Juni 2005 Steven Spielbergs neuer Film „Krieg der Welten“. Auch in Deutschland findet an diesem Tag die Invasion feindlich gesinnter Außerirdischer statt.

Ob das Spektakel gelungen oder mißraten ist, sollen die Filmkritiker dem Publikum allerdings gezielt erst am Tag des Kinostarts oder gar später anvertrauen dürfen. Denn kein Teilnehmer der ohnehin äußerst kurzfristig vorm Starttermin angesetzten Pressevorführungen darf den Film danach vorab einer Kritik unterziehen, ohne juristische Folgen zu riskieren.

Erhebliches Unverständnis

Wer sein Einverständnis zu dieser ungewöhnlichen Beschränkung kritischer Berichterstattung verweigert, soll vom Besuch der zahlreichen Pressevorführungen in Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt/Main und München ausgeschlossen bleiben - so will es ausdrücklich die in Frankfurt ansässige Verleihfirma UIP. Doch stößt dieses Vorgehen auf erhebliches Unverständnis nicht nur unter den unmittelbar betroffenen Filmjournalisten der verschiedenen Medien. Auch eine Vertreterin von UIP selbst zeigte sich im AP-Gespräch nicht glücklich über das Vorgehen ihres Unternehmens.

Sie verwies aber darauf, daß sowohl die den Spielberg-Streifen produzierenden Paramount-Studios in Hollywood wie auch die Filmemacher selbst zur Bedingung gemacht hätten, „Krieg der Welten“ nicht vor dem offiziellen Weltstart am 29. Juni bewertet zu wissen. Peter Sundarp, Vorstandsmitglied im Verband der Filmverleiher, hat seine private Meinung zu dem Konflikt. Offiziell will er aber keine Stellung nehmen: „Das ist ausschließlich Sache der einzelnen Mitglieder unseres Verbandes.“

Deutsche Filmkritiker wollen protestieren

Andreas Kramer, Geschäftsführer der Kinobesitzervereinigung HDF in Berlin, findet die Geheimniskrämerei um das neue Spielberg-Werk „nicht klug“ und bekennt: „Ich kann das nicht nachvollziehen“. Beim Verband der deutschen Filmkritik wird derzeit noch diskutiert, wie auf die berufliche Einschränkung reagiert werden soll. Die Saarbrückener Journalistin Andrea Dittgen kündigt für ihre Organisation aber „auf jeden Fall Proteste“ an. Denn die Filmkritiker fürchten einen Präzedenzfall, wenn es UIP auf Druck Hollywoods gelingen sollte, Journalisten zur Abgabe einer Unterschrift zu nötigen, nicht vor dem 29. Juni über die Qualität von „Krieg der Welten“ zu berichten.

Wer die Unterschrift leistet, gleichwohl aber vorab kritisiert, riskiert hohe Schadensersatzforderungen der amerikanischen Filmemacher um Spielberg. Deren umstrittene Intervention könnte jedoch zum Eigentor werden: Denn es gibt schon jetzt Kritiker und Medien, die eine Beschränkung ihrer Arbeit nicht hinnehmen wollen.

Vor dem „Krieg der Welten“ auf den Leinwänden droht deshalb nun eine Schlacht um die Freiheit der Berichterstattung. Das Publikum stellt sich unter diesen Umständen die Frage, ob vielleicht nicht grundlos der Einfluß der Kritik auf den erhofften kommerziellen Erfolg von „Krieg der Welten“ eingeschränkt werden soll. Gelungene Filme haben das Urteil der Fachwelt jedenfalls noch nie scheuen müssen.



Text: Wolfgang Hübner, AP
Bildmaterial: AP

 
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