Harald Schmidt - der Countdown

Der Verfall ist unverkennbar

11. Dezember 2003 Es ist schon ganz gut, daß Harald Schmidt die Brocken hinschmeißt. Es kann nämlich nicht schaden, sich ein wenig zu schonen. In seiner Sendung am Mittwoch abend spielte er das Zwiegespräch zweier Frauen ein, die sich ernsthaft um ihn sorgten: Gemeinsam stellten Hannelore Elsner und Sandra Maischberger in der nach letzterer benannten Talkshow fest, wie sehr Schmidt in den vergangenen Jahren gealtert, ja „verfallen“ (Elsner) sei.

Für Schmidt war das Anlaß, einen Gang zurückzuschalten. Er wickelte sich in eine warme Decke, setzte sich eine Rentner-Brille und eine alte Militärmütze auf und sprach und bewegte sich fortan in Zeitlupe. Erschreckend alt sah er aus, hustete furchterregend und verbrachte einen Gutteil der Sendezeit damit, den selbstgebackenen Nußkuchen einer seiner Mitarbeiterinnen zu verspeisen. Sonst passierte nicht viel. Es war einer dieser Momente, der klarmachte, daß Schmidts Show nie bei ARD oder ZDF funktionieren würde: Dort wären wütende Zuschauerbriefe die Folge, daß man für so etwas keine Gebühren zahlen wolle.

Geheimes Probenfoto

Ganz schön alt geworden, dieser Schmidt

Ganz schön alt geworden, dieser Schmidt

Zur Aufklärung seiner Zukunft hatte Schmidt zu Beginn der Sendung insofern beigetragen, als er erkennen ließ, wohl nicht ans Berliner Ensemble zu gehen. Dessen Intendant Claus Peymann hatte Schmidt einen Brief mit einem „geheimen Probenfoto“ geschickt, das im Vordergrund den BE-Schauspieler Martin Wuttke bei einer „Arturo Ui“-Probe und im Hintergrund verschwommen einen größeren Mann mit Brille zeigte. Bei diesem handelte es sich erkennbar, freilich nicht für Claus Peymann, nicht um Harald Schmidt. Der konnte nur soviel sagen: „Ich weiß leider nicht, wer's ist.“

Daß Peymann hier Schmidt zu erblicken glaubte, ist nicht sehr verwunderlich, behauptet der Intendant doch auch, daß er Schmidt 1974 sein erstes Theater-Engagement verschafft habe und ihn als Statist und Schauspielschüler ans Stuttgarter Staatsschauspiel geholt habe. Sein Debüt habe Schmidt damals als Räuber in Schillers gleichnamigem Drama gegeben. Schmidt selbst, 1957 geboren, wähnte sich zu diesem Zeitpunkt an sich noch in der Schule. Doch einem „Welt-Hammer-Mega-Theatermann“ wie Peymann müsse man wohl Glauben schenken, zumal da dieser seinen Brief mit „Ihr Freund, Förderer und Entdecker“ unterschrieb. Und wo habe seine Entdeckung durch Peymann damals wohl stattgefunden, fragte Schmidt seinen Andrack - und gab selbst die Antwort: „Auf seinem Rückweg vom Südpol, den hat er ja auch entdeckt.“

Harald Schmidt hört auf, und seine Sendung ist erfolgreich wie nie: Die letzten Ausgaben wollen so viele Menschen wie möglich verfolgen. Wer die Show vom Vorabend nicht gesehen hat, dem teilen wir hier mit, ob er etwas verpaßt hat.



Text: @jöt
Bildmaterial: dpa/dpaweb, FAZ.NET

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