18. November 2004 Gleich zwei legendäre Könige halten derzeit Hof in Bonner Museen. Beide stammen sie aus Memphis - und könnten doch unterschiedlicher nicht sein.
Die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik präsentiert äußerst erfolgreich die Grabbeigaben des Pharaos Tutanchamun. Nur wenige Schritte entfernt, im Haus der Geschichte, sind ab Sonntag die Erinnerungsstücke eines ganz anderen Kings zu bewundern. Bis 27. Februar zeigt die am Sonntag beginnende Schau Elvis in Deutschland mehr als 300 Objekte aus öffentlichen und privaten Sammlungen rund um den King of Rock 'n' Roll.
Darunter sind Raritäten und Kuriositäten, wie der Original-Führerschein von Presley, ein Stück Teppichboden aus dem Presley-Domizil Graceland in Memphis und eine Locke des Kings. Allein das pinkfarbene Cadillac-Cabrio, mit dem Elvis 1959 durch die Straßen gekurvt war, ist den Ausflug an die Museumsmeile wert. Neben all den Memorabilien versucht die Schau aber auch, dem Phänomen Presley auf die Spur zu kommen.
Böse Briefe an Howland
Anlaß für die Ausstellung ist der 70. Geburtstag des Musikers am 8. Januar 2005. WDR-Urgestein Chris Howland war wohl der erste, der Elvis-Platten im deutschen Radio gespielt hatte: Ich dachte zuerst, das ist eine Hitparadensache, die in ein paar Monaten wieder vergessen sein wird. Da habe ich mich allerdings geirrt. Weil er am Mikrophon über Presley als Elvis Preßluft gewitzelt hatte, habe es damals Unmengen böser Briefe an den Sender gegeben, erinnerte sich Howland am Donnerstag in Bonn: Elvis schlug als erster den Bogen zwischen 'weißer' und 'schwarzer' Musik. In der Musik war er für die Jugendlichen das, was James Dean im Film war.
Ein Schwerpunkt bildet die Zeit von Presleys Wehrdienst in Deutschland. Hierzu gehören der Seesack, mit dem Presley 1958 in Bremerhaven von Bord ging, sowie Teile der Originaleinrichtung des Friseursalons in den Friedberger Ray Barracks, in dem der King sich die Haare schneiden ließ. Es war eine bewußte Entscheidung der amerikanischen Regierung, daß Elvis seinen Wehrdienst ausgerechnet in Deutschland ableisten sollte, sagte Museumsdirektor Hermann Schäfer. Der King sollte als Botschafter Amerikas in Deutschland wirken - und das gelang ausgesprochen erfolgreich.
Die Exposition erinnert an die Jugendproteste, die durch den Rock'n Roll in Deutschland ausgelöst wurden. Es fehlt auch nicht der Blick auf die DDR, wo Funktionäre diese Form amerikanischer Kulturbarbarei argwöhnisch beobachten. Walter Ulbricht polemisiert 1959 in Bitterfeld gegen die ekstatischen 'Gesänge' eines Presley. Der Versuch der staatlichen Kulturpolitik, mit dem Lipsi einen eigenen Tanz dem Rock 'n' Roll entgegen zu stellen, scheiterte allerdings kläglich. Und nicht zuletzt widmet sich die Schau den Elvis-Doppelgängern und den auch eher abseitigen Blüten des Presley-Kults, die sich auch in dem kuriosen Wackel-Elvis für den Pkw manifestierten. Eine Schau nicht nur für Fans, die ihren Machern sichtlich Spaß gemacht hat. Zur feierlichen Eröffnung am Samstag abend haben sich 1000 geladene Gäste angekündigt.
Text: Markus Peters, ddp
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb
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