22. Dezember 2000 Australien ist das Land, das am stärksten vom Ozonloch betroffen ist. Folglich ist die Sorge um die Zukunft des Planeten nirgendwo größer als hier. Ein Reporter des Sydney Morning Herald hat Arthur C. Clarke, den Autor von 2001 - Odyssee im Weltraum, jetzt in seinem Haus in Sri Lanka besucht und ihn nach dem Leben nach dem Jahr 2001 befragt.
Clarke, heute 83 Jahre alt, lebt in Colombo mit seinen drei Adoptivtöchtern, seiner Frau Marilyn und einer Vielzahl von Bediensteten. Ein Sekretär, ein Diener, ein persönlicher Assistent, zwei schöne Boys und eine Frau, die Tee und süßes Fleisch bringt, lassen den alten Mann nie aus den Augen. Ein 17-jähriges Mädchen stellt er als seine Adoptivtochter vor. Das ist Cherene, sagt er. Sie ist mein ganzer Stolz.
Der alte Mann im Rollstuhl - seit Kindesbeinen leidet er unter den Folgen einer Kinderlähmung - verblüfft den Ankömmling mit dem Satz: Ich habe möglicherweise die menschliche Rasse gerettet. Dass Clarke in den vierziger Jahren die Theorie der Kommunikations-Satelliten entwickelte und damals für diese Erfindung für den Nobelpreis nominiert wurde, war bekannt. Dem Besucher zeigt Clarke nun Dokumente der Nasa, die bezeugen, dass er auch der Mann war, der Safeguard entwickelte, die internationale Initiative, welche die Erde vor tödlichen erdnahen Objekten im Orbit schützen soll. Sie werde mit etwas Glück die Zukunft des Planeten zumindest für eine Weile sicherstellen, sagt er. Ich versuche, nützlich zu sein, wo immer ich kann. Letzten Samstag wurde ein Observatorium zur Beobachtung erdnaher Objekte in West Virginia nach ihm benannt.
Clarke ist vor allem als prominentester Science-Fiction-Autor seiner Generation bekannt - ein Jules Verne des 20. Jahrhunderts. Er schrieb mehr als achtzig Bücher, und zusammen mit den Verlagen verdiente er an seinen Prophezeiungen 125 Millionen Dollar. Er sagte das wiederverwendbare Raumschiff und den Durchbruch des Mobiltelephons voraus, und er war der Urheber der Angst vor dem Millennium Bug. Schon daran ist zu erkennen, dass nicht jede seiner Visionen eintraf.
Mehr als einmal habe er sich geirrt, gesteht er. So glaubte er an den weltweiten Durchbruch des Luftkissen-Boots. Ich habe sogar eines gekauft. Seine Hoffnungen wurden enttäuscht. Er habe auch gehofft, dass im Jahre 2001 Menschen auf dem Mond leben würden. Es gibt immer noch kein Hilton im All. Aber die Mir sei immerhin eine Art Hotel im Weltraum, tröstet er sich. Und was wurde aus HAL 9000, dem sprechenden, intelligenten Roboter aus 2001?
Wir haben ein großes Stück des Weges zur künstlichen Intelligenz hinter uns, sagt er dem Besucher des Sydney Morning Herald. Im Jahr 2020 wird es ohne Zweifel Maschinen geben, die dem Menschen an Intelligenz entsprechen, sagt er voraus. Im Jahre 2030 werden wir Kontakt zu Leben auf anderen Planeten haben.
Und was wird aus dem Leben auf diesem Planeten? Wir werden neue Formen der Energie-Gewinnung entwickeln. Wir werden all unser Essen künstlich herstellen. Damit wäre das Welthungerproblem gelöst. Die Landwirtschaft werde völlig verschwinden. Die Gentechnik wird unser Leben revolutionieren. Es wird Schwimm-Athleten mit zusammengenähten Füßen und eingebauten Schnorcheln geben.
Zu den Dingen, die er bedauert, gehört dass er seinen Vater kaum kennengelernt habe. Der starb, als Arthur 13 Jahre alt war. Und ich vermisse Stanley Kubrick. Er sei der intelligenteste Mensch gewesen, den er kennengelernt habe. Wenn wir uns sahen, sprachen wir über Mathematik. Clarke ist bekennender Atheist. Er glaubt weder an Gott noch an ein Leben nach dem Tod. Seine - allerdings physische - Wiedergeburt hat er auf andere Weise vorbereitet. Sechs Haare von ihm seien per Satellit auf dem Weg ins All. Meine DNS ist auf dem Weg zu den Sternen. Wer weiß, vielleicht werde ich von jemandem neu zusammengebaut. Stellen Sie sich vor: In einer Millionen Jahre schwirrt ein halbes Dutzend Arthur C. Clarkes durch die Galaxis. Unglaublich, staunt der Besucher. Nein, sehr glaubhaft, antwortet Clarke, dieser Stupor Mundi des Weltraum-Zeitalters: Jede einigermaßen fortgeschrittene Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.
So erreicht uns vom anderen Ende der Welt eine Neujahrsbotschaft, die wie keine zweite in diese Zeit passen will.
Text: @HC, unter Verwendung des Sydney Morning Herald
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