Der Philosoph Peter Sloterdijk erzählt in seinem rhetorisch wieder ausgefeilten Buch die kurze rabiate Geschichte der Globalisierung des Kapitals, deren Gesetz auf der Weltausstellung 1851 gleichsam zu sehen war: als Londoner Kristallpalast.
Die Welt wurde in ein Innen und Außen geteilt. Wir selbst stehen nun im Weltinnenraum des Kapitals, und draußen warten Milliarden von Menschen, die hinein wollen. Das kann für die Bewohner drinnen letztlich nicht gut ausgehen.
Gut ausgegangen aber ist die Ehe zwischen Martin Heidegger und seiner Frau Elfride Petri, die sechs Jahrzehnte währte, trotz der Eskapaden des Mannes, der, wie der Briefwechsel mit seiner Frau zeigt, gerne ins dunkle philosophische Schwärmen geriet, wenn Neigungen, die sich anderswo als daheim ihren Platz zum Leben suchten, nicht an den Tag sollten.
Modelle eines nicht bürgerlichen Lebens und Schaffens untersucht der emeritierte Politikwissenschaftlicher Klaus von Beyme in seiner detaillierten Studie über die Avantgarden, in denen sich der Gedanke, Speerspitze des Fortschritts zu sein, jahrzehntelang fokussierte. Diese Stellung an der Front vom Leben als Kunst hatte ihre Schattenseiten: Sie war mit großen persönlichen Opfern verbunden.
Klaus von Beyme: Das Zeitalter der Avantgarden. Kunst und Gesellschaft 1905-1955. C. H. Beck Verlag, München 2005. 995 S., 104 Abb., geb., 58,- Euro.
Heidegger, Gertrud (Hrsg.): ,Mein liebes Seelchen'. Briefe Martin Heideggers an seine Frau Elfriede 1915-1970. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2005. 416 S., geb., 22,90 Euro.
Peter Sloterdijk: Im Weltinnenraum des Kapitals. Für eine philosophische Theorie der Globalisierung. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005. 415 S., geb., 24,80 Euro.
Text: 25-11-2005, F.A.Z., Neue Sachbücher (Literaturbeilage), Seite L18
Bildmaterial: F.A.Z.-Rainer Wohlfahrt