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Breeders und die Rückkehr des Indie Rocks

Von Thomas Klein

20. Mai 2002 Gigantic, gigantic, gigantic, a big big love - nie klang Rockmusik besser. „Gigantic“ war der Hit auf der ersten LP der amerikanischen Band Pixies. Die Bassistin Mrs John Murphy alias Kim Deal sang das Stück. Indie Rock nannte man das damals. Und die Pixies trugen das Prädikat Extraklasse. Das war 1988. Die Szene traf sich in muffeligen, kleinen Musikclubs, trug Schlabberlook als Lebensstil zur Schau und erfreute sich an kleinen musikalischen Sensationen zwischen Dilettantismus und hoher Kunst.

Kim Deal lebte im Epizentrum dieser Bewegung. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Denn die neue Platte ihrer Band The Breeders ist die Wiederauferstehung des Indie Rocks. „I am the autum in the scarlet, I am the make up on your eyes“, heißt es in „Off You“, dem vielleicht besten Stück auf der CD. Nur Gitarre und Bass zu Kims Gesang - Lagerfeuerromantik vorm Ölradiator.

Neun Jahre Wartezeit

Neun Jahre sind seit ihrer letzten LP vergangen - in der popmusikalischen Zeitrechnung ein ewige Zeit. Nirvana waren damals die ersten Millionenseller der Szene. In ihrem Sog kamen auch die Breeders zur Dauerrotation auf MTV und zu Platinauszeichnungen. Aber die Band zerbrach an ihrem Erfolg. Ständig wechselnde Mitglieder zermürbten das Gruppengefühl. Kims Zwillingsschwester und Co-Songschreiberin Kelley Deal wurden beinahe Opfer ihrer Heroinsucht. Kim Deal stand plötzlich ohne Band da. Mit dem Tod von Kurt Cobain verlor der Indie Rock dann endgültig seine Unschuld. Das sensible Gebilde zerbrach, neue Musikströme kamen und gingen, und Indie Rock wurde fast schon zum Schimpfwort.

Steve Albini produzierte

Aber nun wird alles wieder gut. Kim Deal hat durchgehalten, und „Title TK“ ist die richtige Antwort auf all die angeblichen Retter der Rockmusik, die derzeit bejubelt werden. Die CD klingt wie der Nachfolger des Debüts „Pod“ von 1990. Schwester Kelley ist wieder mit dabei. Produziert hat die Scheibe, wie damals, Steve Albini. Alles beim Alten also. Nur dass man diesmal zum Festhalten an gewohnt Gutem gratulieren darf.

Zwölf Stücke enthält „Title TK“. Das längste dauert dreieinhalb Minuten. Zerbrechliche Lieder, scheinbar ohne klare Refrains und ohne die sattsam bekannten Gitarrenriffs prägen die CD. Dafür gibt es merkwürdige Gitarrenläufe, einsam rumpelnde Schlagzeuge und kleine Bassmelodien. Das ganze klingt nicht nach Studio, sondern nach Raum. Jeder Ton in diesem spartanischen Soundkosmos ist platziert, nichts scheint zufällig entstanden. Kim Deal, die fast alle Stücke geschrieben hat, erzählt immer noch keine Geschichten. Sie reflektiert und dichtet über komischen Sex, über verrückte Freunde und verlorene Orte. Wie die Pixies klingt das Ganze natürlich auch. Manchmal zumindest. Aber das muss auch so sein, denn es ist Indie-Rock.

„Title TK“ von The Breeders ist bei 4AD erschienen.



Text: @tk
Bildmaterial: 4AD

 

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