FAZ.NET Spezial

Die Nobelpreise 2004

09. Dezember 2004 Derzeit werden die neuen Träger des Nobelpreises in den verschiedenen Disziplinen verkündet. Ein FAZ.NET-Spezial begleitet die Bekanntgabe der neuen Preisträger und beleuchtet ihre herausragenden wissenschaftlichen Leistungen. Ein Thema sind auch der Ig-Nobelpreis und der alternative Nobelpreis.

Wirtschaftswissenschaften

Der aus Norwegen stammenden Finn Kydland und der Amerikaner Edward Prescott erhalten den diesjährigen Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften für ihre Arbeiten zum Problem der Zeitinkonsistenz wirtschaftspolitischer Entscheidungen und zu den treibenden Kräften hinter Konjunkturzyklen. Die Forschungsarbeiten der beiden haben große Bedeutung für die geld- und fiskalpolitische Gestaltung. Kydland lehrt an der Carnegie Mellon University, Pittsburgh, Prescott an der Arizona State University, Tempe.

Frieden

Der Friedensnobelpreis geht überraschend an die Umweltschützerin Wangari Maathai aus Kenia. Die 64 Jahre alte Maathai gilt als Symbolfigur der afrikanischen Frauenbewegung. Das Komitee in Oslo sieht in ihr „eine Quelle der Inspiration für jeden, der in Afrika für eine nachhaltige Entwicklung, Demokratie und Frieden kämpft.“ Die Biologin, die ihr Studium in den Vereinigten Staaten absolvierte, hatte 1977 mit dem „Green Belt Movement“ das größte Aufforstungsprojekt Afrikas ins Leben gerufen. Seither wurden mehr als 30 Millionen Bäume gepflanzt. Inzwischen ist sie stellvertretende Umweltministerin in Kenia. Ihre Reaktion: „Ich bin sehr glücklich, und ich danke Gott für alles.“

Literatur

Mit der „sprachlichen Leidenschaft“ ihrer Werke begründet die Schwedische Akademie der Wissenschaften die Vergabe des Literatur-Nobelpreises an die Österreicherin Elfriede Jelinek. In ihren Büchern finde sich ein „musikalischer Fluß von Stimmen und Gegenstimmen“, womit sie „die Absurdität gesellschaftlicher Klischees und ihrer unterjochenden Macht“ offengelegt habe. Jelineks Reaktion: „Eine überraschende und große Ehre“.

Chemie

Die zwei israelischen Forscher Aaron Ciechanover und Avram Hershko sowie der amerikanischen Wissenschaftler Irwin Rose erhalten den Nobelpreis für Chemie für ihre Entdeckungen zum Eiweißabbau. Funktioniert dieser nicht korrekt, so können schwere Krankheiten entstehen. Die Erkenntnisse der neuen Preisträger bilden damit die Grundlage für neue Medikamente - beispielsweise gegen Krebs oder die schwere Lungenkrankheit Mukoviszidose.

Physik

Der Nobelpreis für Physik geht an die drei amerikanischen Wissenschaftler David Gross, David Politzer und Frank Wilczek. Sie erhalten die mit 1,1 Millionen Euro dotierte Auszeichnung für ihre Entdeckungen über die Wechselwirkungen zwischen Elementarteilchen, sogenannten Quarks. Die Wissenschaftler hätten durch ihre theoretischen Beiträge ermöglicht, das Standardmodell der Teilchenphysik zu vervollständigen und damit einen weiteren Schritt in Richtung der angestrebten Weltformel getan.

Medizin

Für ihre Arbeiten zur Erklärung des menschlichen Geruchssinns haben die beiden amerikanischen Forscher Richard Axel und Linda B. Buck den Medizin-Nobelpreis erhalten. Das Forscher-Duo habe eine Erbgutfamilie aus etwa tausend Genen entdeckt und das Geheimnis gelüftet, wie der Mensch etwa 10.000 unterschiedliche Gerüche erkennt und erinnert, teilte die Königliche Schwedische Akademie in Stockholm mit. Der mit 1,1 Millionen Euro dotierte Preis wurde demnach für den Beitrag zum Verständnis des menschlichen Organismus verliehen und weniger für den unmittelbaren medizinischen Nutzen daraus.

Die Alternativen Nobelpreise

Ein prominenter Name steht auf der Liste der Träger der Alternativen Nobelpreise: Bianca Jagger, erste Ehefrau des Rolling-Stones-Sängers Mick Jagger, für ihr soziales Engagement ausgezeichnet. Weitere Preisträger sind der Argentinier Raul Montenegro (Umweltschutz), die Organisation Memorials (Einsatz für die Menschenrechte in Rußland) sowie die Inder Swami Agnivesh und Ashgar Ali Engineer (Einsatz für Toleranz in Südostasien).

Die Ig-Nobelpreise

Nicht so ganz ernst gemeint sind die Ig-Nobelpreise, die ebenfalls alljährlich verkündet werden. Dort werden „Forschungen, die nicht wiederholt werden können, oder besser nicht wiederholt werden sollten“ ausgezeichnet. In diesem Jahr hat es unter anderem der Vatikan in die Liste der Preisträger geschafft - als Anerkennung für das Outsourcing von Messen. Weitere Preise wurden vergeben für die Erkenntnis, daß Heringe sich offenbar durch Fürze verständigen, und für eine patentierte Kämm-Methode, mit der man durch gezieltes Verteilen des Resthaares



Text: @dho
Bildmaterial: AP

 

Nobelpreisträgerin Jelinek

Beschimpft und gefeiert

Spezial Elfriede Jelinek, die den Literaturnobelpreis 2004 erhält, ist eine zwar höchst überraschende, doch gute Wahl. Eine radikalere, unbequemere Autorin hätte das Stockholmer Komitee kaum finden können.

Friedensnobelpreis

„Eine Quelle der Inspiration“

Der diesjährige Friedensnobelpreis geht überraschend an die Umweltpolitikerin Wangari Maathai aus Kenia. Die 64 Jahre alte Maathai gilt als Symbolfigur der afrikanischen Frauenbewegung.

Chemie-Nobelpreis

Ein Todeskuß den Eiweißen

Zwei israelische und ein amerikanischer Forscher erhalten den Nobelpreis für Erkenntnisse über den Abbau nicht mehr benötigter Eiweiße im Körper. Ihre Arbeit gibt Hoffnung im Kampf gegen Mukoviszidose und Krebs.

Physik-Nobelpreis

Farbenlehre für die Quarks

Drei amerikanische Theoretiker teilen sich den Nobelpreis für Physik: H. David Politzer, Frank Wilczek und David J. Gross. Sie lieferten einen wertvollen Beitrag für eine künftige Weltformel.

Medizin-Nobelpreise

Immer der Nase nach

Wie schaffen wir es, uns zu merken, wie Omas Geburtstagskuchen damals gerochen hat? Zwei Geruchsforscher haben es herausgefunden und dafür den Medizin-Nobelpreis bekommen.

Alternativer Nobelpreis

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Wirtschaftsnobelpreis

Die treibenden Kräfte hinter den Konjunkturzyklen

Der Norweger Finn Kydland und der Amerikaner Edward Prescott erhalten für ihre Forschungen im Bereich Makroökonomie den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.

Ig-Nobelpreise

Von tödlicher Country-Musik und outgesourceten Messen

Forscherdrang geht nicht selten merkwürdige, aber dennoch preiswürdige Wege. Wo wären wir, wüßten wir nichts von der windigen Kommunikation der Heringe und der Todesgefahr, die Country-Musik erzeugt?

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Sind die Mechanismen des Marktes geeignet, um kommende Nobelpreisträger zu prognostizieren? Die Nobelpreisbörse, ein Experiment der Universität Frankfurt, soll diese Frage beantworten. FAZ.NET-Nutzer können sich daran beteiligen.

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