22. Januar 2004 Ohne ihn gäbe es Fleetwood Mac nicht, und Eric Clapton hätte in den sechziger und siebziger Jahren wohl etwas länger gebraucht, um als herausragender Blues-Gitarrist gefeiert und zur Legende zu werden. Keine Frage: John Mayall ist einer der einflußreichsten europäischen Popmusiker der vergangenen Jahrzehnte - wenn auch nicht einer der erfolgreichsten und bekanntesten.
Aber Gitarrist Peter Green, Schlagzeuger Mick Fleetwood und Bassist John McVie, die 1967 Fleetwood Mac bildeten, Clapton sowie die Gitarristen Mick Taylor und Jack Bruce gingen allesamt durch die Mayalls Schule und spielten in dessen Begleitband Bluesbreakers. So darf sich Mayall nicht nur als Talentförderer, sondern auch als einer der Väter des britischen Blues feiern lassen.
Sommerlich statt naßkalt
Zuletzt wurde der am 29. November 1928 in der Grafschaft Cheshire geborene Musiker am 19. Juli ausgiebig bejubelt. An jenem Abend beging er im Liverpooler Kings Dock mit der aktuellen Besetzung seiner Bluesbreakers und Weggefährten aus alten Zeiten seinen vorgezogenen 70. Geburtstag. So feiert es sich einfach besser als im naßkalten englischen Spätherbst. Und es muß ein schöner Abend gewesen sein, zumindest läßt darauf die Doppel-CD mit der Aufnahme des Konzerts schließen, die jetzt bei Eagle Records veröffentlicht worden ist.
Mit seinen 19 Stücken in über zwei Stunden schafft das Doppelalbum die Balance zwischen Klangqualität und Live-Atmosphäre. Mayall und seine Mitmusiker, darunter Clapton, Taylor und Jazz-Posaunist Chris Barber, spielen Stücke, die einen Querschnitt durch seine Karriere bilden und die Vielseitigkeit des Genres zeigen. Es beginnt mit rockigen Auszügen aus dem knapp zwei Jahre alten Album Stories, die die Bluesbreakers ohne ihren Frontmann spielen.
30 Jahre Vielseitigkeit
Erst beim dritten Song steigt Mayall ein, singt mit seiner jetzt auch siebzigjährigen, dafür erstaunlich hellen, leicht rauhen Stimme und spielt Harmonica. Nach dem poppigen Ohrwurm Dirty Water zeigen Mayall und die Band mit Taylor, wie vielseitig sie schon vor mehr als dreißig Jahren waren und wie weit sie Blues interpretiert haben: Somebody's Acting Like a Child ist weder schleppend noch erdig, sondern klingt fast funky.
Mit dem folgenden Stück bieten sie dagegen ein Kontrastprogramm. Blues for the lost days, der Titel legt es nahe, ist von Melancholie geprägt. Und von der Vorliebe für lange Soli. Taylor und Bluesbreaker Buddy Whitington verlieren sich in minutenlangen Soli, unterbrochen von Tom Canning, der selbstredend kein mit tausend Sounds gefüttertes Keyboard bedient, sondern eine Orgel. Der Song ist mehr als zwölf Minuten lang - für Angehörige der MTV-Generation sicher eine Zumutung. Für Freunde ausgiebiger Solo-Ausflüge jedoch ein Genuß.
Text: @thwi
Bildmaterial: Eagle Records
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