16. November 2005 Die frühere Lichtgestalt der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc, Anna Walentynowicz, will gegen den deutschen Filmregisseur Volker Schlöndorff vor Gericht ziehen. Grund ist der von Schlöndorff derzeit in Danzig gedrehte Film über ihr Leben.
Der Zeitung Rzeczpospolita (Mittwochsausgabe) sagte Walentynowicz, Schlöndorff gehe rüpelhaft mit ihrer Biografie um. Das Drehbuch von Andreas Pflüger zu Vergessene Heldin sei unannehmbar. Bereits die erste Fassung des Drehbuchs hatte die 76jährige frühere Kranführerin derart erbost, daß sie Schlöndorff aufforderte, sein Projekt abzublasen.
Andrzej Gwiazda, ihr Mitstreiter aus alten Tagen und wie sie noch jetzt führend in der antikommunistischen Opposition, sagte der Zeitung: Anna wurde darin als Analphabetin dargestellt und die Arbeiter als Alkoholiker gezeigt. Walentynowicz will nach eigenen Angaben nur noch über ihre Anwälte mit den Filmleuten sprechen.
Schlöndorff hatte unlängst erklärt, was ihn an Walentynowicz interessiert: Die Geschichte einer Fau, einer einfachen Arbeiterin, die Probleme im Leben hat, aber ihren Prinzipien immer treu bleibt. Walentynowiczs Entlassung im August 1980 hatte den Streik der Arbeiter auf der Lenin-Werft ausgelöst und danach zur Gründung von Solidarnosc geführt. Mit dessen ersten Vorsitzenden, Lech Walesa, überwarf sich Walentynowicz und verließ Solidarnosc in den achtziger Jahren. Dem späteren Friedensnobelpreisträger Walesa warf sie Zusammenarbeit mit kommunistischen Geheimdiensten vor.
Text: FAZ.NET mit Material von AFP
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