Privatsammlungen

Flick-Erbe will Kunst in Berlin präsentieren

Von Katja Blomberg

Friedrich-Christian Flick

Friedrich-Christian Flick

16. Juli 2002 In Zürich hat man ein Jahr lang um das geplante Privat-Museum des Kunstsammlers Friedrich-Christian Flick gestritten: Es hatte bereits eine Direktorin und einen weltberühmten Architekten, es hatte einen Galeristen-Berater und ein eigenes Grundstück, aber es hatte keine Öffentlichkeit. Aus politischen Gründen machte die intellektuelle Szene 2001 Front gegen den deutschen Erben eines im Zweiten Weltkrieg führenden Rüstungsimperiums.

An der Limat wollte man keinen Kunstmäzen, dessen Sammlung mit Geld, wie kritisiert wurde, aus der Nazikriegsmaschinerie zusammengekauft wurde. In Deutschland, so hieß es, bekäme ein Mitglied der Flick-Dynastie niemals die Möglichkeit, ein eigenes Museum öffentlich einzurichten. Es ging also nicht um die Kunst, die zahlreich und von hoher Qualität in der erst seit zehn Jahren aufgebauten Flick-Kollektion vorhanden ist. Es ging um historische Schuld und den Vorwurf, dass der 1944 in Düsseldorf geborene Enkel von Friedrich Flick sich weigere, seinen Beitrag zur Entschädigung der Zwangsarbeiter zu leisten.

Guggenheim winkte ab

Flick zog sich aus der Schusslinie der Zürcher Szene zurück. Er entließ seine Direktorin, sagte eine geplante Ausstellung im Haus der Kunst in München für diesen Sommer ab und entließ auch den von ihm bereits beauftragten weltberühmten Rotterdamer Architekten Rem Kohlhaas aus seinen Diensten. Statt dessen streckte er seine Fühler nach New York aus. Das Guggenheim-Museum winkte ab. Dann interessierte sich die Dia Art Foundation für Flicks einmaligen Schatz an Werken des Amerikaners Bruce Naumann.

In Deutschland kamen Gerüchte auf, Flick verhandele mit Berlin. An diesem Dienstagnachmittag wurden sie nun überraschend zur Gewissheit: Peter-Klaus Schuster, Direktor der Staatlichen Museen zu Berlin, will die gesamte Sammlung mit 2500 Stücken erstmals öffentlich machen. Eine Diskussion wie in Zürich ist nicht zu erwarten, soll die hochkarätige Kollektion doch erklärtermaßen nur temporär in einem ehemaligen Lagerhaus unmittelbar neben dem Hamburger Bahnhof, dem Museum für aktuelle Kunst, gezeigt werden.

Berlin zeigt Interesse

Seit geraumer Zeit verhandelte Schuster bereits mit Friedrich-Christian Flick, der neben Werken von Bruce Nauman vor allem über wichtige Arbeiten von Martin Kippenberger, Dieter Roth und Jason Rhoades verfügt.

Erst vor einer Woche hatte Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin in Berlin den Erwerb der 700 Werke zählenden Sammlung Marzona verkündet. Sie wird in die Sammlung im Hamburger Bahnhof eingehen. Nun steht eine weitere, viel größere Kunstsammlung vor der Tür. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich ein Privatsammler über die Präsentation seiner Schätze Eintritt in die etablierte Museumswelt verschafft, um sie ihr am Ende zu überlassen. Sind die appetitanregenden Ausstellungen erst einmal beendet, folgen nicht selten Schenkungs- und Leihgabenangebote, die Bedingungen an den Staat stellen - nach dem Motto: „Ich gebe dir meine Kunst, und du baust dafür ein Haus und kümmerst dich um Pflege und Öffentlichkeit bis in alle Ewigkeit.“

Ein Kunst-Basar der Eitelkeiten?

Das Verhältnis zwischen Sammler und Staat ist in Deutschland angespannt. Mag auch jede Sammlung anders motiviert sein, kann man den Fall Ludwig auch nicht mit Goetz, Grothe, Brandhorst oder Burda, Bergruen oder Buchheim vergleichen, so muss man sich doch fragen: Will das Publikum überhaupt so eine Fülle moderner Kunst sehen? Oder verwandelt die Inflation der auf den Ausstellungsmarkt geworfenen Privatsammlungen unsere städtische Kulturlandschaft langsam in einen gigantischen Kunst-Basar der Eitelkeiten, wie man ihn sonst bestenfalls stundenweise auf internationalen Kunstmessen erträgt?

Friedrich-Christian Flick hat aus der Lektion von Zürich gelernt. Im Herbst vergangenen Jahres gründete er in Potsdam die „F.-C. Flick Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz“. Ein erster Schritt des seit 30 Jahren in der Schweiz lebenden Düsseldorfers in Richtung Berlin? Dort wird man den Wohltäter nun freundlicher begrüßen.

Text: @blo
Bildmaterial: dpa

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