22. Oktober 2002 Der französische Schriftsteller Michel Houellebecq darf den Islam ungestraft als dümmste Religion bezeichnen. Ein Gericht in Paris sprach den Autor der Bestseller Elementarteilchen und Plattform an diesem Dienstag vom Vorwurf der rassistischen Beleidigung und Beihilfe zur Anstiftung zum Rassenhass frei.
Vier muslimische Verbände hatten Houellebecq verklagt. Der Autor hatte vor einem Jahr in einem Interview gesagt: Die dümmste Religion ist doch der Islam. Er empfinde Hass dem Islam gegenüber. Die Staatsanwaltschaft schloss sich in der mündlichen Verhandlung Mitte September der Auffassung Houellebecqs an, die Äußerungen richteten sich gegen den Islam und nicht gegen die Muslime.
Verkürzte Wiedergabe eines Zeitschriften-Interview
Intellektuelle und Künstler sahen die Meinungsfreiheit gefährdet. In einer Petition für Houellebecq hieß es: Eine Meinung über die Religion zu haben, eine der anderen vorzuziehen oder alle abzulehnen fällt unter das Recht auf freie Meinungsäußerung. Die Unterstützer des in Irland lebenden Autors erklärten weiter, in dem Interview in der Zeitschrift Lire seien abschwächende Sätze Houellebecqs nicht widergegeben worden. Zudem habe sich das Gespräch um Romanfiguren gedreht.
Der Anwalt des Autors, Emmanuel Pierrat, sagte, aus Fragen seien Antworten gemacht worden. Houellebecq warf in der mündlichen Verhandlung Chefredakteur Pierre Assouline journalistische Fehler vor. Dieser hatte dagegen in seiner Zeitschrift betont, Houellebecq habe niemals den Inhalt des Interviews dementiert. Alles, was in diesem Gespräch gesagt wurde, entspricht genau seinen Gefühlen, wenn nicht seinen Überzeugungen. In dem Interview hatte der offenbar angetrunkene Autor zudem gesagt: Der Islam ist eine gefährliche Religion. Der Rektor der Pariser Moschee, Daniel Boubakeur, sah in den Äußerungen eine Erniedrigung der Muslime und eine Beleidigung seiner Religion.
Text: AP
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