26. Februar 2004 Was wäre wohl geschehen, wenn Daniel Küblböck - dem wir von hier aus gute Besserung wünschen - bei dem schweren Autounfall, den er am Dienstag offenbar selbst verursacht hat, sein Leben verloren hätte? Was hätten die Medien aus dieser tragischen Geschichte gemacht, wie hätten sie das Thema - um im Nachrichtenjargon zu sprechen - "gewichtet"? Nicht nur Küblböck-Fans müssen froh sein, daß sie die Antwort auf diese Fragen nicht erfahren werden. Eine Ahnung davon, was ein solcher Vorfall in den Medien auslösen würde, bekam man allerdings auch so.
Am Nachmittag hatte sich die Nachricht verbreitet - über die "Passauer Neue Presse", die Agenturen und die Laufbänder von n-tv und N24, deren Nachrichtensendungen den Unfall als eine der wichtigsten Meldungen präsentierten; zu diesem Zeitpunkt hieß es noch, Küblböck sei lebensgefährlich verletzt. Um 17.18 Uhr verschickte RTL eine Pressemitteilung, nach der der Sender am Abend "exklusive Interviews" mit Daniels Vater Günther zeigen werde - und zwar "bei Exclusiv, RTL aktuell, Explosiv, Guten Abend RTL, im Nachtjournal und auf n-tv".
Alte Verbundenheit
Tatsächlich meldet sich Günther Küblböck erst bei RTL-"Explosiv" zu Wort und gibt ein knappes Statement ab zum Gesundheitszustand seines Sohnes. In die anderen Sendungen, sagt anderntags eine Sprecherin, habe er es "zeitlich nicht geschafft". Hatte er aber noch Zeit und Nerv dafür gehabt, mit RTL in dieser Situation einen Exklusivvertrag abzuschließen? Günther Küblböck habe von sich aus angeboten, nur mit RTL zu sprechen, heißt es beim Sender, aus alter Verbundenheit und um den Medienrummel ein wenig steuern zu können. Es sei aber kein Vertrag abgeschlossen und auch kein Geld gezahlt worden.
Die Konkurrenzsendung "Blitz" von Sat.1 wartet statt mit Günther Küblböck mit einem aus diversen Fernsehmagazinen bekannten Verkehrsrichter auf, der sich empört: "Dieser junge Mensch hätte gar kein eigenes Auto haben dürfen!" Küblböck war zwar Fahrer, aber nicht der Halter des Wagens.
"TV-Sender: So viel Küblböck war nie", meldet derweil die im Internet erscheinende "Netzeitung". Dabei entwickelt ihre eigene Redaktion in Sachen Küblböck einen Aktionismus, als sei gerade Usama Bin Ladin gefaßt worden, und schickt eine Geschichte nach der anderen online: was Costa Cordalis sagt, was Caroline Beil sagt (",Sie wünscht ihm gute Besserung und hofft, daß er sich bald wieder erholt'", so Beils Sprecherin zur "Netzeitung"), was Küblböcks Fans im Internet sagen. Der Informationswert ist gleich Null, doch durch die Statistik dürfte sich die Redaktion bestätigt fühlen: Am Mittwoch waren unter den zehn meistgelesenen Artikeln sechs Küblböck-Geschichten.
Text: jöt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.02.2004, Nr. 48 / Seite 41
Bildmaterial: FAZ.NET
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