Von Katja Blomberg
16. September 2002 Die Meinungen zur Documenta11 haben sich zum Schluss etwas verdüstert. Lagen sich Kritiker und Publikum Anfangs fast euphorisch in den Armen, weil die D11 von Okwui Enwezor und seinem Kuratorenteam viel weniger theorielastig erschien als erwartet, so verschafften sich auch auf den FAZ.NET Seiten bereits in der zweiten Ausstellungswoche kritische Stimmen Gehör:
Peter Weibel hätte lieber Werke von Künstlern aus den unterschiedlichen Kulturen der Welt gesehen, statt diese nur zu dokumentieren. Bazon Brock findet, dass die Documenta eine Geläufigkeit zeige, die die Betrachter durch Fernsehkonsum trainiert haben und somit jeder TV-Geübte ein qualifizierter Betrachter sei - nur mit Kunst habe das wenig zu tun. Sowohl die Form der Dokumentation, als auch die Inhalte der meisten filmischen Arbeiten seien journalistisch aufbereitet längst bekannt, meinte Bazon Brock, der selbst ein TV-Format Bilderstreit nach Vorbild des Literarischen Quartetts unterhält.
Trotz Erfolg auch kritische Stimmen
Auch Mark Siemons fand in einem Essay in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass die Documenta11 die Sicht auf die Wirklichkeit nicht verändert hat.
Eine engagierte Diskussion unter Künstlern, Sammlern und Kuratoren ist bei dieser Documenta nicht richtig in Gang gekommen. Dafür war sie viel zu perfekt, viel zu anonym durchorganisiert, viel zu sehr eine Filmvorführkammerflut, in die man sich geduldig und am besten allein einreihen musste. Wer ist sich schon in den vielen Dunkelräumen zufällig begegnet? Wer hat sich länger aufgehalten und hatte Zeit für nachdenkliche Gespräche?
Die Super funktionierende Maschinerie des Mega-Events hat die Besucher in Massen verarbeitet. Die Organisation war gut, aber sie erdrückte auch die Stimmung für Spontanes und Ungeplantes. Betrachter mussten sich den Rhythmen der Filmsequenzen anpassen.
Die D11 war keine Künstlerdocumenta
Kaum ein jüngerer deutscher Künstler hatte die Documenta bis Mitte Juli gesehen. Und auch danach erschien es so, dass sie entweder immer noch nicht, oder nur der Pflicht halber nach Kassel fuhren. Insider hatten also keine sehr hohe Erwartung an die Veranstaltung, die über die Medien überraschend gut vermittelt werden konnte. Unter den Teilnehmern häuften sich am Schluss die Stimmen, die bedauerten, dass das Groß-Ereigniss ihnen kaum Platz zum Austausch mit Kollegen aus anderen Ländern und mit dem Publikum ließ.
Auch wenn die Documenta11 ein wirtschaftlicher Erfolg war und sie ihre Besucherzahlen gegenüber der documenta X noch einmal steigern konnte, war es doch, wie keine der Kasseler Documenten zuvor, ein Ereigniss, dass das breite Publikum mehr ansprach, als die Welt der Künstler und Vermittler selbst.
Wenig Anregung zu einer neuen Kommunikation
Was ist also aus der Documenta als Institution geworden, wenn sie, wie die D11, nicht mehr versucht den Stand der Dinge widerzuspiegeln, das heißt zu zeigen, was in der Kunst in den verschiedenen Regionen der Welt passiert, und wenn sie auf der anderen Seite unter kommerziellem Erfolgsdruck mehr auf die Zahlen, als auf die Teilnehmer und ihr Publikum schaut?
Es wurde wieder mehr über Inhalte, statt über Formales diskutiert. Aber außer einigen wenigen Ansätzen zu einer veränderten Kommunikation zwischen den Kulturen der Welt, unter denen die Arbeit von Thomas Hirschhorn herausragte, hat man auf der D11 am Ende weder über die Welt, noch über die Kunst viel Neues erfahren.
Text: @blo
Bildmaterial: dpa
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