Ranking

Deutschlands wichtigste Denker 2003

Von Harald Staun

03. Februar 2003 Ob jemand ein Intellektueller ist oder nicht: das meinten einige Kritiker aus jener Liste herauslesen zu können, die diese Zeitung vor einem Jahr veröffentlichte. Daß das Ranking der deutschen Intellektuellen, das wir anhand der Suchmaschinen "Google" und "Alltheweb" zu ermitteln versuchten, Qualität mit Quantität verwechselte, war der häufigste Vorwurf an die Liste; es ist nur leider auch deren Grundprinzip. Und weil der Begriff "Intellektueller" nun mal kein offizieller Titel ist, lag es im Zweifelsfall im Ermessen der Redaktion zu entscheiden, wen man überhaupt der Prüfung unterzieht.

Wir sind auch diesmal wieder nach dem gleichen Prinzip vorgegangen, bei der Aktualisierung der besten 50, haben auch diesmal weder reine Journalisten, Schriftsteller oder Politiker aufgenommen noch andere Prominente, die mancher vielleicht für einen Geistesmenschen hält. Auch die Toten des vergangenen Jahres verzeichnen wir nicht mehr, auch wenn ihre aktuellen Werte zeigen, wie lebendig sie im öffentlichen Bewußtsein noch sind: Ivan Illich hätte sich mit 27158 Treffern auf den achten Platz verbessert (im Vorjahr: 11. Rang), Hans-Georg Gadamer mit 22197 auf den elften (Vorjahr: 12.), Rudolf Augstein würde den 18. Platz belegen (13693 Treffer, Vorjahr: 3.).

Neu aufgenommen wurden die Theologen Hans Küng und Eugen Drewermann, Daniel Cohn-Bendit, André Heller, Robert Gernhardt und Peter Rühmkorf. Das Ergebnis überrascht nicht weniger durch Konstanz als durch spektakuläre Veränderungen. Günter Grass ist nach wie vor der wichtigste deutsche Intellektuelle - auch wenn dies angesichts des knappen Abstands zu Jürgen Habermas von der Tagesform abhängt. Dem Polit-Grafiker Klaus Staeck gelang der größte Sprung nach vorne, was ebenso bemerkenswert ist wie die Tatsache, daß er diesen alleine dem nicht ganz nachvollziehbaren Ergebnis bei "Google" zu verdanken hat (66400 Treffer; im Vergleich: 2376 bei "Alltheweb"). Aber vielleicht ist es ja gerade ihre Unschärfe, in der die Relevanz dieser Zahlen liegt.


Tabelle:


1. (1) Günter Grass 63 773

2. (2) Jürgen Habermas 63 669

3. (58) Klaus Staeck 34 388

4. (10) Marcel Reich-Ranicki 30 244

5. (5) Peter Handke 27 786

6. (4) Joseph Ratzinger 27 466

7. (9) Martin Walser 27 340

8. (8) Christa Wolf 25 019

9. (6) Hans-Magnus Enzensberger 24 119

10. (20) Alice Schwarzer 23 183

11. (-) Daniel Cohn-Bendit 22 087

12. (-) Hans Küng 19 719

13. (7) Ulrich Beck 18 620

14. (-) André Heller 14 838

15. (15) Elfriede Jelinek 14 782

16. (14) Peter Weibel 14 301

17. (18) Peter Sloterdijk 13 832

18. (13) Florian Rötzer 13 542

19. (17) Wolf Biermann 12 538

20. (23) Christian Meier 11 770

21. (22) Ralf Dahrendorf 11 139

22. (27) Alexander Kluge 10 296

23. (-) Robert Gernhardt 10 112

24. (26) Botho Strauß 10 091

25. (29) Walter Jens 9 868

26. (34) Ernst Nolte 9 382

27. (19) Michael Krüger 7 124

28. (28) Peter Härtling 5 614

29. (16) Michael Naumann 5 441

30. (25) Peter Glotz 5 428

31. (44) Bassam Tibi 5 413

32. (-) Eugen Drewermann 5 288

33. (49) Rainald Goetz 5 130

34. (21) Julian Nida-Rümelin 5 114

35. (35) Dietrich Schwanitz 4 854

36. (33) Rolf Hochhuth 4 598

37. (43) Peter Scholl-Latour 4 574

38. (-) Peter Rühmkorf 4 107

39. (37) Claus Offe 3 725

40. (40) Dorothee Sölle 3 648

41. (-) Jörg Friedrich 3 583

42. (32) Harald Szeemann 3 454

43. (54) Klaus Wagenbach 3 448

44. (56) Carl Friedrich v. Weizsäcker 3 425

45. (46) Jutta Limbach 3 367

46. (36) Friedrich Kittler 3 361

47. (39) Christoph Hein 3 289

48. (38) Durs Grünbein 3 126

49. (51) Jan Assmann 3 014

50. (-) Elmar Altvater 2 988

In Klammern die Plazierungen des Vorjahres



Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 02. Februar 2003, Seite 17
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

 
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