Berlinale

Alle Filme des Wettbewerbs

Der Eröffnungsfilm: „La vie en rose” von Olivier Dahan

Der Eröffnungsfilm: „La vie en rose” von Olivier Dahan

09. Februar 2007 Festivaldirektor Dieter Kosslick sagt eigentlich jedes Jahr dasselbe über die Berlinale: Es werden politische Festspiele. Wieder zeigt das das Programm eine Mischung aus alten Meistern und jungen Talenten, die in Berlin seit einiger Zeit besonders gepflegt wird.

Alte Meister sind Clint Eastwood („Letters from Iwo Jima“) und Jacques Rivette (mit der Balzac-Verfilmung „Ne touchez pas la hache“), der auch ein paar seiner alten Darsteller mitbringt, Michel Piccoli nämlich und Bulle Ogier. Alte Meister sind auch André Téchiné („Les témoins“), Bille August („Goodbye Bafana“) und Paul Schrader („The Walker“) zum Beispiel.

Zwei deutsche Filme im Programm

Unter den Jüngeren, von denen wir bereits ein Bild haben, finden sich der Koreaner Park Chan-wook („Ich bin ein Cyborg, aber das macht nichts“), der Chinese Zhang Lu („Desert Dream“), der Franzose François Ozon („Angel“) und Christian Petzold („Yella“).

Damit sind wir bei den deutschsprachigen Regisseuren, die in diesem Jahr im Wettbewerb nur mit zwei Filmen vertreten sind (der andere ist der Österreicher Stefan Ruzowitzky mit „Die Fälscher“), dieselbe Anzahl kommt aus Großbritannien, China und Südkorea, während die Vereinigten Staaten und Frankreich jeweils vier Filme schicken. Doch in den anderen Sektionen werden nahezu sechzig deutsche Filme gezeigt - und eine alte Festivalweisheit besagt ja, dass Entdeckungen sowieso außerhalb des Wettbewerbsprogramms gemacht werden.

Bildmaterial: AP, ddp, Hans Fromm, Lorey Sebastian, REUTERS, UIP/Cinetext, Verleih

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„La Môme. La Vie en Rose” von Olivier Dahan (Frankreich). Der Eröffnungsfilm mit Marion Cotillard erzählt das Leben der Edith Piaf, das vor allem aus Kämpfen bestand: um Anerkennung, um Liebe und auch ums Überleben. Edith Piaf kam aus elenden Verhältnissen im Pariser Belleville und schaffte es bis in die glamourösen Bars New Yorks - eine Geschichte, begleitet vom unwiderstehlichen Soundtrack ihrer Lieder, besetzt mit Stars des französischen Kinos wie Gérard Depardieu und Emmanuelle Seigner, ist wie geschaffen zur Eröffnung eines Festivals. Eröffnungsfilme sind ein heikles Genre, sie müssen einem Publikum aus Sponsoren, Honoratioren, Kritikern und anderen Kinoliebhabern gefallen. Vielleicht ist dies der Film, dem das gelingt. Vielleicht nicht. Premiere am 8. Februar. 
„The Good German“ von Steven Soderbergh (Vereinigte Staaten). Nicht zufällig sieht dieses Bild so aus wie ein anderes, das wir alle kennen. Soderbergh hat in Schwarzweiß und mit vielen alten Blenden eine Hommage an das Kino der vierziger Jahre gedreht, in dem Cate Blanchett und George Clooney die Figuren spielen, deren Liebe keine Zukunft hat. Statt in Casablanca allerdings ist der Ort des Geschehens Berlin, unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Premiere am 9. Februar.„Tu ya hun shi“ (Tuyas Ehe) von Wang Quan'an (China). Von der zunehmenden Versteppung der Inneren Mongolei und dem Wegzug der Bauern berichtet dieser Film, in dem sich eine junge Frau weigert, ihr Weideland aufzugeben, aber nach einer Verletzung ihres behinderten Mannes gezwungen ist, sich einen neuen Mann zu suchen. Premiere am 10. Februar.„Die Fälscher“ von Stefan Ruzowitzky (Deutschland/Österreich). Ruzowitzkys Film basiert auf einer wahren Geschichte: Im KZ Sachsenhausen mussten jüdische Insassen im Auftrag der Nazis britische Pfundnoten fälschen, um mit den Blüten die Kriegskassen zu füllen. Devid Striesow (Mitte) ist in beiden deutschen Wettbewerbsbeiträgen vertreten. Premiere am 10. Februar.„Letters from Iwo Jima“ von Clint Eastwood (USA) - außer Konkurrenz. Nach „Flags of Our Fathers“ Eastwoods zweiter Film über die Schlacht um die kleine Vulkaninsel im Pazifik, erzählt aus der Perspektive der Japaner und auf Japanisch. Premiere am 11. Februar.„When a Man Falls in the Forest” von Ryan Eslinger (Kanada/USA). Episodendrama um drei Männer und eine Frau (Sharon Stone), die ihren Frust und ihre Einsamkeit immer wieder mit kleinen Ladendiebstählen zu bekämpfen versucht. Premiere am 12. Februar. 
„Les témoins“ von André Téchiné (Frankreich). Ein junger Mann (Johan Liberau) kommt nach Paris, lernt dort einen schwulen Arzt (Michel Blanc) kennen, der ihn zu einer Mittelmeerreise einlädt, wo sie Ferien mit einem befreundeten Ehepaar verbringen. Er ist Polizist (Sami Bouajila), sie ist Schriftstellerin (Emmanuelle Béart), die sich mit ihrer neuen Rolle als Mutter nicht zurechtfindet. Téchiné erzählt dieses Beziehungsdrama vor dem Hintergrund des Aufkommens von Aids in den Achtzigern. Premiere am 12. Februar.„El otro“ (Der Andere) von Ariel Rotter (Argentinien). Julio Chávez, der letztes Jahr in „El custodio“ zu sehen war, spielt einen Mann, der auf Dienstreise in die Provinz beschließt, die Identität eines anderen anzunehmen und schwangere Frau und kranken Vater hinter sich zu lassen. Premiere am 13. Februar.„Beaufort“ von Joseph Cedar (Israel). Im Mittelpunkt steht nicht der Krieg, sondern ein Rückzug: Cedar erzählt die Geschichte des erst zweiundzwanzigjährigen Kommandeurs des Militärstützpunkts nahe der südlibanesischen Kreuzfahrerfestung Beaufort, mit deren Sprengung im Jahr 2000 achtzehn Jahre israelischer Besetzung zu Ende gingen. Premiere am 14. Februar.„300” von Zack Snyder (USA) - außer Konkurrenz. Nach einer Comicvorlage von Frank Miller hat Zack Snyder („Dawn of the Dead”) die Schlacht bei den Thermopylen, wo im Jahr 480 dreihundert Spartaner auf eine persische Übermacht trafen, mit realen Darstellern vor virtuellen Hintergründen in Szene gesetzt. Premiere am 14. Februar.„Bordertown“ von Gregory Nava (USA). Eine ehrgeizige amerikanische Journalistin (Jennifer Lopez) wird von Chicago aus in eine mexikanische Fabrik in Grenznähe geschickt, um einer Mordserie an jungen Frauen auf die Spur zu kommen. Als sie in Juárez ankommt, findet sie eine Stadt vor, die gelähmt ist vor Angst. Regisseur Gregory Nava hat in den Achtzigern den schönen Film „El Norte“ gedreht und dann vor allem als Drehbuchautor von „Selena“ und „Frida“ von sich reden gemacht. Premiere am 15. Februar.„Obsluhoval jsem anglického krále“ (Ich habe den englischen König bedient) von Jiri Menzel (Tschechien/Slowakei). Verfilmung des gleichnamigen Schelmenromans von Bohumil Hrabal, der den Aufstieg eines Prager Pikkolos (Ivan Barney) in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts schildert, vom Aushilfskellner in einer Kleinstadt über ein Luxushotel in Prag in ein Lebensborn-Heim der Nazis. Julia Jentsch ist als sudetendeutsche Aktivistin zu sehen. Premiere am 16. Februar.„Ping Guo“ von Li Yu (China/Hongkong). Ein junges Paar in Peking, sie Masseuse, er Fensterputzer. Eine Vergewaltigung, eine Erpressung, ein fataler Deal. Die Regisseurin war vor fünf Jahren mit „Fish and Elephant“ schon im Forum vertreten. Premiere am 16. Februar. „O ano em que meus pais saíram de férias“ (Das Jahr, als meine Eltern im Urlaub waren) von Cao Hamburger (Brasilien/Argentinien). Der zwölf Jahre alte Mauro kommt, als seine Eltern unangekündigt verreisen, während der Fußball-Weltmeisterschaft 1970 in die Obhut seines jüdischen Großvaters, der im italienischen Viertel São Paulos wohnt, und wünscht sich nichts sehnlicher als einen Erfolg von Pelé, der im Finale aber ausgerechnet gegen Italien antritt. Premiere am 9. Februar.„Sai bo gu ji man gwen chan a“ (Ich bin ein Cyborg, aber das macht nichts) von Park Chan-wook (Korea). Nach Vollendung seiner Rache-Trilogie um Mister und Lady Vengeance und Old Boy erzählt Park Chan-wook von einem Mädchen (Byeong-ok Kim) in einer Heilanstalt, das sich für einen Roboter hält, seine Batterien aufladen möchte und sich in einen Insassen verliebt, der glaubt, er könne die Seelen anderer Menschen stehlen. Premiere am 9. Februar.„The Good Shepard“ (Der gute Hirte) von Robert de Niro (Vereinigte Staaten). Matt Damon spielt einen ehemaligen Literaturstudenten, der beim Aufbau der CIA mitmacht und dessen Persönlichkeit sich mehr und mehr verflüchtigt. Mit dabei: Alec Baldwin, Angelina Jolie, Billy Crudup und der Regisseur selbst in einer wichtigen, aber kleinen Rolle. Premiere am 10. Februar.„In memoria di me” von Saverio Costanzo (Italien). Ein junger Mann geht ins Kloster, das erst nach einer Prüfungszeit entscheiden wird, ob es ihn in die Glaubensgemeinschaft aufnimmt. Im Alltag des Novizen mit Gebeten, Ritualen und Lektürestunden zeichnet sich zunehmend eine großangelegte Intrige ab, die der junge Mann nicht durchschauen kann. Premiere am 11. Februar.
„Goodbye Bafana“ von Bille August (Großbritannien/Südafrika). Bille August erzählt die wahre Geschichte des südafrikanischen Rassisten James Gregory (Joseph Fiennes), der zwanzig Jahre lang Nelson Mandela (Dennis Haysbert) bewachte. Premiere am 12. Februar.„Notes on a Scandal“ von Richard Eyre (Großbritannien) - außer Konkurrenz. Judi Dench spielt eine einsame Lehrerin, die sich mit einer jungen Kollegin (Cate Blanchett) anfreundet, bis sie hinter deren Affäre mit einem Schüler kommt. Premiere am 12. Februar.„The Walker“ von Paul Schrader (USA) - außer Konkurrenz. Der Jury-Präsident hat eine Art Fortsetzung seines „American Gigolo“ inszeniert. Woody Harrelson spielt darin einen professionellen Begleiter für Damen aus besseren Kreisen (Lauren Bacall, Kristin Scott-Thomas). Und der Bären-Gewinner von 2006, Moritz Bleibtreu, ist auch dabei. Premiere am 13. Februar.„Irina Palm“ von Sam Gabarski (Großbritannien). Marianne Faithful, die gerade noch als Maria Antoinettes Mutter unterwegs war, spielt eine Großmutter, die in einem Sex-Club anheuert, um Geld für die Medikamente ihres Enkels zu verdienen. Unter ihrem neuen Namen Irina Palm macht sie erstaunliche Karriere. Premiere am 13. Februar.„Yella“ von Christian Petzold (Deutschland). Nina Hoss spielt eine Frau, die nach einer gescheiterten Ehe aus der ostdeutschen Provinz nach Hannover zieht und dort einen Manager (Devid Striesow) kennenlernt, der sie in die Welt des Kapitals einführt. Petzold war schon 2005 mit „Gespenster“ im Wettbewerb vertreten. Premiere am 14. Februar.„Hyazgar“ (Wüstentraum) von Zhang Lu (Südkorea/Frankreich). In einem fast verwaisten Dorf in der Wüstenei zwischen China und der Mongolei ertränkt ein Chinese seinen Kummer in Alkohol, als eine geflohene Koreanerin mit ihrem Sohn an seine Tür klopft und sie eine gemeinsame Sprache finden müssen. Premiere am 15. Februar.„Ne touchez pas la hache“ von Jacques Rivette (Frankreich). Eine Verfilmung der Balzac-Novelle „Die Herzogin von Langeais“, die zur „Geschichte der Dreizehn“ gehört, die in Rivettes Werk immer wiederauftaucht. Es geht um einen Offizier (Guillaume Depardieu), der sich unsterblich verliebt hat, um eine Herzogin (Jeanne Balibar), die sich ein Vergnügen daraus macht, mit ihm zu spielen, und um seine bittere Rache. Mit dabei sind auch zwei alte Bekannte von Rivette: Michel Piccoli und Bulle Ogier. Premiere am 15. Februar.„Hallam Foe“ von David Mackenzie (Großbritannien). Jamie Bell, den man als „Billy Elliott“ kennt, spielt einen jungen Voyeur, der seine Stiefmutter verdächtigt, am Tod seiner Mutter verantwortlich zu sein, und nach Edinburgh flieht. Premiere am 16. Februar.„Angel“ von François Ozon (Frankreich/Großbritannien). Als Abschlussfilm ein Melodram über Aufstieg und Fall einer jungen Schriftstellerin (Romola Garai) im England der Jahrhundertwende. Ozon soll sich an Scarlett O'Hara orientiert haben. Premiere am 17. Februar.